Bewertung: 7

Argo

The movie was fake. The mission was real.

Foto: Copyright: 2012 Warner Bros. Ent.
© 2012 Warner Bros. Ent.

Inhalt

Im Zuge der iranischen Revolution stürmen am 4. November 1979 aufgebrachte und bewaffnete Studenten die amerikanische Botschaft in Teheran und nehmen dort 52 Amerikaner als Geiseln. Sechs amerikanischen Diplomaten gelingt vorher aber noch die Flucht in die kanadische Botschaft, wo sie sich verstecken, aber weiterhin in erhöhter Lebensgefahr schweben. Dem Befreiungsspezialisten der CIA Tony Mendez (Ben Affleck) wird nun der Auftrag übertragen, sich eine Möglichkeit zu überlegen, wie man die sechs unbemerkt aus dem Land schaffen kann. Mendez kommt schließlich auf eine gleichermaßen irre, wie kühne Idee: Er will einen fiktiven Film drehen und im Iran nach möglichen Drehorten suchen und im Zuge dessen die sechs untergetauchten Amerikaner als Filmschaffende ausgeben und aus dem Land schaffen. Mit Hilfe des Make-Up-Künstlers John Chambers (John Goodman) und dem gewieften Produzenten Lester Siegel (Alan Arkin) beginnt Mendez, seinen Plan in die Tat umzusetzen.

Kritik

Im Jahr 1998 gelang Ben Affleck zusammen mit seinem Freund Matt Damon mit dem Drehbuch-Oscar für "Good Will Hunting" der große Coup, welcher den aufstrebenden Schauspieler urplötzlich in die kreative Filmelite Hollywoods beförderte. Danach war seine Schauspielkarriere aber einigen Schwankungen unterworfen und nicht selten wurde der gebürtige Kalifornier für sein ausdrucksloses Spiel in diversen Actionblockbustern von der Kritik nur müde belächelt und kaum ernst genommen. Für die kommerziell brutal gefloppte Gaunerkomödie "Liebe mit Risiko" erhielt er dann sogar die goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler und erreichte so einen absoluten Karrieretiefpunkt. Affleck ließ sich davon aber nicht beeindrucken und arbeitete unbeirrt weiter.

Im Jahr 2007 erregte er dann mit dem dicht erzählten und tief berührenden Kindesentführungsdrama "Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel" größere Aufmerksamkeit, aber nicht als Schauspieler, sondern als Regisseur. Mit dem Wechsel auf den Regiestuhl konnte er plötzlich auch wieder die Kritiker begeistern und so folgte auf das starke Drama "Gone Baby Gone" mit "The Town" einer der besten Actionfilme der letzten zehn Jahre, welcher endgültig Afflecks beachtliches Regietalent deutlich machte. Mit dem Politthriller "Argo" folgt nun ein weiterer Affleck-Film, bei dem er sowohl als Regisseur, als auch als Hauptdarsteller tätig war und wieder kann er mit einem rasant erzählten, politisch brisanten und oftmals sogar richtig lustigen Film überzeugen, wobei "Argo" schlussendlich das ganz Besondere fehlt, das Afflecks beiden vorherigen Regiearbeiten zu kleinen Meisterwerken werden ließ.

Mit "Argo" erzählt Affleck erstmals eine historisch sich wirklich so ereignete Geschichte, die sich um die Unruhen im Iran nach dem Sturz des Schahs im Jahr 1979 dreht, in dessen Zuge 400 iranische Studenten die amerikanische Botschaft stürmten und die dort arbeitenden Amerikaner als Geisel nahmen. Sechs Diplomaten konnten aber vor der Stürmung der Botschaft fliehen und sich in der kanadischen Botschaft in Sicherheit bringen. Afflecks Film dreht sich nun um die Rettungsaktion dieser sechs Diplomaten, die irgendwie unbemerkt aus dem Land geholt werden müssen, ohne die Aufmerksamkeit des iranischen Sicherheitsdienstes auf sich zu ziehen. Es beginnt ein Kampf gegen die Zeit, bedeutet das Auffliegen der sechs doch wohl den sicheren Tod für die Regierungsmitarbeiter.

Die komplexen politischen Verwicklungen zwischen dem Iran und den USA zu dieser Zeit nimmt Affleck als Hintergrund, um einen straff erzählten Thriller zu entwickeln, der gerade durch seine geradlinige und temporeiche Inszenierung ungemein zu fesseln weiß. Im Kern dreht sich "Argo" um den CIA-Agenten Tony Mendez, der von der Regierung die Aufgabe erhält, sich ein Szenario auszudenken, mit dessen Hilfe die sechs im Iran untergetauchten Diplomaten befreit werden können. Schließlich kommt ihm die Idee, einen fiktiven Film zu entwickeln, für den im Iran nach Drehorten gesucht werden muss. Die sechs Gefangenen sollen dann die Identitäten von Filmmitarbeitern erhalten und so zusammen mit Mendez unbemerkt aus dem Iran geschafft werden. Allein diese abstruse, aber doch geniale Idee macht aus dem Film keinen reinen politischen Thriller, sondern gleichzeitig eine herrlich erzählte Geschichte über das Traumland Hollywood und die Möglichkeiten des Filmes an sich. Die bissigen Spitzen gegen das Filmgeschäft sorgen dann auch für die nötige Heiterkeit, die einen guten Kontrast bilden zur aufgeladenen politischen Situation im Iran.

So dreht sich der Film nach der Schilderung der Situation im Iran im Mittelteil zum Großteil um die Entwicklung des fiktiven Films. Dass dieser Teil des Films so viel Freude bereitet, ist vor allem den Schauspielurgesteinen John Goodman und Alan Arkin zu verdanken, die als im Filmbusiness tätige und Mendez in seiner Arbeit unterstützende alte Haudegen einfach ein tolles Gespann abgeben und sich für die besten humoristischen Momente des Films verantwortlich zeigen. Affleck gelingt es mühelos, die verschiedenen Erzähleben zusammenzufügen und einen Film zu inszenieren, der vor allem im letzten Drittel eine ungeheure Dynamik entwickelt und bei dem man vor Spannung fast das Atmen vergisst. In der Rolle des verbissenen CIA-Agenten und liebenden Vaters überzeugt Affleck dann auch schauspielerisch und macht die Rolle des Tony Mendez zu einer menschlichen Figur, mit der man schnell sympathisiert. Auch "Breaking Bad"-Star Bryan Cranston überzeugt in einer Nebenrolle und zeigt, dass er auch auf der großen Leinwand nichts von seiner Präsenz einbüßen muss.

Dass der Film dann im Vergleich zu Afflecks vorherigen Regiearbeiten dann doch leicht zurückfällt, liegt daran, dass dem Film schlussendlich doch das letzte Quäntchen Besonderheit fehlt und die Charakterzeichnung der Geiseln ein wenig tiefer hätte gehen können. Nichtsdestotrotz hat Affleck auch hier wieder einen überzeugenden Film abgeliefert, der erneut zeigt, was für ein großer Filmemacher in dem ehemals belächelten Schauspieler steckt.

Fazit

Ben Afflecks "Argo" gelingt das Kunststück eines gleichermaßen spannenden wie auch komödiantisch überzeugenden Polit-Thrillers, der durch seine straffe und stringente Erzählweise und seine toll aufspielenden Darsteller unbedingt einen Blick wert ist.

Moritz Stock - myFanbase
11.11.2012

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