Bewertung: 6
Tarsem Singh

Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

Mirror mirror on the wall, who's the fairest one of all?

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Inhalt

Lange galt die böse Königin (Julia Roberts) als die schönste Frau im ganzen Land, aber nun muss sie einsehen, dass sie langsam in die Jahre gekommen ist und ihre Stieftochter Schneewittchen (Lily Collins) eine harte Konkurrenz ist. Auch ihr Spiegel rät ihr, sich Schneewittchen zu entledigen und so wird das ahnungslose Mädchen in den finsteren Wald ausgesetzt. Aufgenommen wird sie von sieben Zwergen, die gleichzeitig Kleinkriminelle sind. Gemeinsam möchte Schneewittchen das Land von ihrer Stiefmutter befreien. Während sie einen Crashkurs in Sachen Überlebens- und Kampfkünste gelehrt bekommt, begegnet sie zufällig ihrem Traumprinzen (Armie Hammer), der aber kurz vor der Hochzeit mit der Königin steht.

Kritik

Mit dem indischen Regisseur Tarsem Singh, der vor kurzen noch in dem Actionfilm "Krieg der Götter" Regie führte, hat man nicht unbedingt den Paraderegisseur für die Verfilmung eines Grimmmärchens gewählt. Singh überrascht nicht nur mit einer tollen Kulisse, sondern auch mit einer eher ungewöhnlichen Umsetzung.

Singhs indische Wurzeln tragen mit zu einer ideenreichen Kulisse bei. Denn loben muss man zu allererst das zauberhafte Set und die Kostümbildner. Das Märchen erinnert mit den bunten Kleidern und Designs ein bisschen an Bollywood, peppen aber gleichzeitig den Film auf und verleihen ihm etwas ganz Eigenes. So war es gewollt, und das Pompöse und Überladene zeichnen diesen Film aus. Der rockige Soundtrack und die toll getricksten Landschaftsbilder sind herrlich erfrischend und ein wahrer Genuss für das Kinoauge. Wer es aber nicht kitschig und knallig bunt mag, würde mit dieser Verfilmung nicht glücklich werden.

Dennoch kann "Spieglein Spieglein Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen" den Erwartungen nicht ganz gerecht werden. Es sind nur Kleinigkeiten, die aber das Gesamtergebnis trügen. Zu wenig Witz für eine Komödie und eine daher plätschernde Story sind wohl die Hauptgründe, aber auch hier und da sind einige Dialoge etwas platt und der Beginn zu langatmig geraten. Wirklich schade, denn die unkonventionelle Art, wie der Film ein weltberühmtes Märchen erzählt, war ein sehr guter Ansatz, aber die Umsetzung kann nicht recht verzaubern. Das Ende ist natürlich vorhersehbar, wie bei den meisten Märchen und obwohl man mit der Handlung von der Vorlage abweicht, ist man nur selten richtig gefesselt.

Zum Glück können die Darsteller noch einiges herumreißen. Nett anzusehen sind die sieben Zwerge, die sich als Riesen verkleiden und die Leute ausbeuten. Außerdem fasziniert eine äußerst humorvolle Julia Roberts, welche die meisten Lacher auf ihrer Seite hat. Gut, meistens ist es mehr ein Schmunzeln, denn der Witz wird in ein paar Sätzen zu schnell verpuffert und gegen Ende hin lässt der Humor deutlich nach. Trotzdem sollten sich alle Julia-Roberts-Fans diese Performance als böse Stiefmutter nicht entgehen lassen. Lily Collins, die im Actionthriller "Atemlos - Gefährliche Wahrheit" noch im Schatten von Jungstar Taylor Lautner stand, kommt hier richtig zum Zuge und passt perfekt in die Rolle der Schneewittchen. Nicht zuletzt wegen der netten Gesangseinlage am Schluss, mit der sie ihren Vater und Musikstar Phil Collins als auch das Publikum überrascht. Mit Armie Hammer als den Prinzen hat man ebenfalls eine gute Wahl getroffen, da er nicht nur eine hervorragende Chemie mit Collins hat, sondern seine Rolle auch nicht sehr ernst nimmt und genau deswegen zu überzeugen weiß. Insgesamt ist der Cast bis in die kleinste Rolle perfekt besetzt.

Fazit

Das kunterbunte, moderne Märchen mit eigenwilligem Humor kann nicht ganz halten, was es verspricht. Doch die gut aufgelegten Darsteller reißen das Ruder noch herum und wären hauptsächlich der Grund, sich den Film anzusehen.

Tanya Sarikaya - myFanbase
14.04.2012

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