Bewertung: 9
Steven Soderbergh

Contagion

Nothing spreads like fear

Foto: Copyright: 2011 Warner Bros. Ent.
© 2011 Warner Bros. Ent.

Inhalt

Als die Geschäftsfrau Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) aus Hong Kong zurück kommt, fühlt sie sich matt und krank. Zwei Tage später erleidet sie einen Krampfanfall und stirbt kurze Zeit später an einer der rätselhaften Erkrankung. Auch Beths Sohn Clark stirbt, während ihr Mann Thomas Emhoff (Matt Damon) in Quarantäne gesteckt wird, sich jedoch schon bald als immun erweist.

Als sich weltweit die Hinweise verdichten, dass es sich bei der Erkrankung um eine bislang unbekannte Virusinfektion handelt, schaltet sich das amerikanische Seuchenkontrollzentrum CDC ein, um damit zu beginnen, den Virus zu sequenzieren und eine mögliche Impfung herstellen zu können. CDC-Ärztin Dr. Erin Mears (Kate Winslet) wird derweil losgeschickt, um die Ausbreitungshistorie nachzuvollziehen und einen Notfallplan auszuarbeiten, während Dr. Orantes (Marion Cotillard) von der Weltgesundheitsorganisation WHO nach Hong Kong reist, um dort nach Patient Null zu forschen.

Als sich in den Großstädten die Zahlen der Patienten, die an der mysteriösen Krankheit erkranken, häufen, ensteht in der Bevölkerung Panik. Der Blogger Alan Krumwiede (Jude Law) nutzt dies aus, um die Besucherzahlen seines Blogs zu steigern und verbreitet schließlich die Lüge, ein Heilmittel für die Infektion gefunden zu haben.

Kritik

Filme über Virusausbrüche versprechen oftmals eine spannende Handlung mit viel Dramatik und einiges an Action. Der bekannteste Thriller dürfte sicherlich "Outbreak Lautlose Killer" aus dem Jahr 1995 sein, der einen lebensbedrohlichen Virus auf ein kleines Städtchen in den USA loslässt. Zwar war der Film druchaus spannend, doch wie so oft ließen die Drehbuchautoren einen Sinn für Realität vermissen und porträtierten die Charaktere wie auch die Geschichte in einer für den Handlungsverlauf vorteilhaften Art und Weise.

Nicht so "Contagion". Der Thriller von Steven Soderbergh ist vom wissenschaftlichen Standpunkt her gesehen äußerst akkurat und verzichtet weitestgehend auf dramaturgische Übertreibungen. In verschiedenen Handlungssträngen erfährt der Zuschauer stattdessen, wie öffentliche Einrichtungen wie das CDC und die WHO an eine unbekannte Bedrohung durch einen Virus herangehen, jedoch auch, wie empfänglich Menschen in solch einer Lage für Panik und Missinformation sind. Innerhalb weniger Wochen verbreitet sich das Virus im Film über den Erdball und Erinnerungen an die Panik bezüglich des Schweinegruppenvirus H1N1 werden nicht nur beim Zuschauer wach.

Der Film legt weniger Wert auf Einzelschicksale und verzichtet daher auf einen Hauptdarsteller oder Hauptcharakter. Die Riege an Stars ist jedoch beachtlich - selbst kleine Rollen wie die der bereits nach zehn Minuten verstorbenen Beth Emhoff sind hochkarätig besetzt. Und dennoch sticht keiner der Darsteller hervor, die Geschichte um den todbringenden Virus steht stets im Vordergrund.

Regisseur Soderbergh zeigt beeindruckend, wie Menschen unterschiedlich mit einer Bedrohung dieses Ausmaßes herangehen. Einige wachsen über sich hinaus, andere übertreten bewusst Grenzen, während wiederum andere einfach nur versuchen, zu überleben und sich nicht von der Panik anstecken zu lassen, die windige Geschäftsmänner verbreiten. Am Ende ist es nicht eine Person, die als Held gefeiert wird, sondern der entwickelte Impfstoff ist ein Produkt aus der Arbeit mutiger Wissenschaftler und der Zusammenarbeit vieler Individuen. Wer sich am Ende vielleicht darüber wundert, dass der Impfstoff so rasend schnell produziert und verteilt werden kann, dem sei gesagt, dass eine solch schnelle Entwicklung und Produktion dank modernster Methoden heutzutage nicht unabwegig ist. Und wie sich bei H1N1 gezeigt hat, ist man schneller bereit, einen weitestgehend ungetesteten Impfstoff zu verabreichen, um so möglichst schnell einen Schutz in der großen Bevölkerung zu erreichen, als man vielleicht denken mag.

Einziger Kritikpunkt am Film könnte die Schwarz-Weiß-Malerei hinsichtlich der öffentlichen Einrichtungen gegen das Internet sein. Der Pseudo-Journalist Krumwiede wird in einem sehr negativen Licht dargestellt und das Internet als Plattform für Verschwörungstheoretiker verteufelt, die öffentliche Panik eher noch anheizen, als eine sinnvolle Quelle für Informationen zu bieten. Die Wahrheit liegt bekanntlich irgendwo dazwischen, jedoch muss man sich schon eingestehen, dass das Internet in seinen unendlichen Weiten für jeden Scharlatan eine gewisse Basis bieten kann, ohne dass man ihn als solchen enttarnen kann.

Fazit

Steven Soderbergh gelingt ein spannender, authentischer Thriller, der nicht nur alle medizinisch Interessierte fesseln dürfte, sondern auch für Zuschauer geeignet ist, die wert auf gut erzählte Geschichten legen. Und der kleine Fingerzeig am Ende des Films, der noch einmal die Wichtigkeit von Hygiene in unserer Gesellschaft unterstreicht, rundet den Film hervorragend ab. Prädikat: besonders wertvoll. Nicht nur für Hypochonder.

Melanie Wolff - myFanbase
01.11.2011

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