Bewertung: 4
Paul W.S. Anderson

Drei Musketiere, Die (2011)

"Sir, ich glaube das ist der richtige Moment für eine Gehaltserhöhung."

Foto: Copyright: 2011 Constantin Film Verleih GmbH
© 2011 Constantin Film Verleih GmbH

Inhalt

Wir schreiben Frankreich im 17. Jahrhundert: Der junge D'Artagnan (Logan Lerman) begibt sich zum ersten mal in seinem Leben nach Paris und legt sich gleich mit den drei Musketieren Athos (Matthew Macfadyen), Pathos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) an. Womit die drei nicht gerechnet haben ist, dass D'Artagnan sehr gut mit der Klinge umgehen kann. Diese Fähigkeit beweist er ihnen, als er die Truppen des Fieslings Rochefort (Mads Mikkelsen) in die Flucht schlägt. Sie nehmen ihn in ihrem Kreis auf und müssen nun gemeinsam einen drohenden Krieg zwischen England und Frankreich verhindern. Diesen wollen der machthungrige Kardinal Richelieu (Christoph Waltz) und M'lady de Winter (Milla Jovovich) herbeiführen. Dieser Intrige fallen im Grunde der nichts ahnende und leichtgläubige König Louis XIII. (Freddie Fox) und der Herzog von Buckingham (Orlando Bloom) zum Opfer. Der ihnen erteilte Auftrag stürzt die vier Musketiere in ein atemberaubendes Abenteuer, was zu Lande, zu Wasser und in der Luft stattfindet. Um dieses zu überleben, gibt es nur ein Motto: Einer für alle! Alle für einen!

Kritik

Es scheint, als ob alle Jahre wieder ein weiterer Produzent sich Alexandre Dumas' Roman als Vorlage nimmt, und den D'Artagnan seiner Vorstellung auf die Leinwand projiziert. Selbst ein Charlie Sheen trat 1993 als Aramis vor die Leinwand ("Die drei Musketiere"), wenn auch dieses mal nicht die US-Amerikaner ihre Finger im Spiel hatten. Dieses Jahr kommt ein 3D-Film über die vier Abenteurer aus der Schmiede deutscher Geldgeber. Die Produktionsfirma Constantin Film bat den britischen Regisseur Paul Anderson "Die drei Musketiere" auf deutschem Boden und mit internationaler Besetzung zu verfilmen. Dabei kommt nicht nur die Ehefrau des Regisseurs, Milla Jovovich, zum Zuge, sondern auch der Oscar-Preisträger Christoph Waltz und der Brite Orlando Bloom.

Nur, wie allgemein bekannt ist, müssen großen Namen nicht unbedingt großartige Taten folgen. Außerdem sollte deutschen Produktionen nicht über den Weg getraut werden, insbesonderen denen, welche von deutschen Filmförderungsanstalten unterstützt werden. Oftmals kommen dabei durchschnittliche Filme heraus, die vor allem nicht für die Masse geeignet ist. Doch für die Masse muss dieser Film sein, denn die Millionen an eingesetzten Millionen müssen wieder eingespielt werden. Der Film soll also die Masse ansprechen, denn etwas anderes wäre von Constantin Film nicht zu erwarten gewesen. Ebenso wenig vom Regisseur Paul Anderson, der bislang nur Erfahrung im Genre Horror und Action vorzuweisen hat, besonders aber für sein Vermächtnis der "Resident Evil"-Reihe. Hier könnte ein halbwegs intelligenter Mensch behaupten, dass sich die Geschichte um die Musketiere nicht mit denen von "Resident Evil" oder "Death Race" vereinen lässt, und das Risiko, welches die Verantwortlichen eingegangen sind, hoch war.

Entstanden ist dabei ein Film, welcher schöne Kostüme, tolle Aufnahmen deutscher Schlösser und Parks zeigt. Also ein Film, der sehr gut für einen Touristenführer geeignet wäre, denn sonst bietet er nicht viel oder eher gesagt nichts Neues, das einen zum Staunen bringt. Die angepriesene 3D-Technik, welche natürlich zu höheren Einnahmen an den Kinokassen führt, ist an vielen Stellen des Filmes unnötig, und wenn sie auftaucht, dann bleibt der erstaunende "Woah"-Effekt aus. Was auch ausbleibt ist das befriedigende Gefühl, sich knapp 2 Stunden lang gut unterhalten gelassen zu haben. Daran hat nicht nur das maue Drehbuch schuld, sondern vor allem die Schauspieler, die zwar zunächst nett klingen, aber zu den Charakteren völlig falsch ausgewählt wurden.

Wenn wir zunächst Milla Jovovich außer Acht lassen, die ihre Daseinsberechtigung in diesem Film nur deshalb hat, weil sie mit dem Regisseur ein Bett teilt, und demzufolge keine Leistung erbringen muss und auch nicht tut, bleibt eine große Riege, die eigentlich überzeugt hätten müssen. Der noch sehr junge Logan Lerman (Gamer) in der Hauptrolle des D'Artagnan bietet für sein Alter zwar eine durchschnittliche, für diesen Film völlig akzeptable Darbietung ab. Das stundenlange Üben am Degen haben sich zumindest ausgezahlt, auch wenn diesen nicht mit denen von Mads Mikkelsen (James Bond 007 - Casino Royale), welcher den bösen Rochefort spielt, vergleichbar sind. Das finale Duell zwischen den Beiden ist im Vergleich zum Rest des Filmes sehr gut, was nicht vom Ausgang des Duelles gesagt werden kann. Dieser ist einfach nur lächerlich und plump. Gut möglich, dass dieses Empfinden daher rührt, da sich der Film einen zu kindischen Charakter angeeignet hat, welches eher an eine Disney-Produktion erinnert, als an einen ernst gemeinten Actionfilm. Aber wie konnte ich auch einen ernst gemeinten Actionfilm erwarten, wenn mir der Trailer zu diesem Film nichts anderes suggeriert?

Aus diesen, und vielen anderen kleinen Gründen, wird unter anderem die Rolle des Planchet - gespielt von James Corden ("Konferenz der Tiere") - eine unangenehme Angelegenheit mit den Nerven des Zuschauers. Entweder seine Humor bringenden Einlagen werden genüsslich oder abwertend angenommen. Wer dann noch glaubt, dass ein Orlando Bloom ("Fluch der Karibik - Am Ende der Welt") in diesen Film passt, der muss sich gewaltig irren. Einerseits passt ihm die Rolle des arroganten Herzog von Buckingham, welcher angehaucht ist mit einem Touch Weiblichkeit, aber andererseits nimmt man ihm die Boshaftigkeit nicht ab, da es ihm nicht liegt einen Schurken zu spielen. Ein persönliches Verlangen diesen Film zu sehen hatte ich zum Großteil nur, weil im Cast der Name Christoph Waltz ("The Green Hornet") gefallen ist. Er spielt hier einmal mehr den Bösewicht des Filmes, und zwar Kardinal Richelieu. Schon sehr oft wurde dieser Charakter ausgesprochen gut dargestellt, doch leider nicht dieses eine mal. Egal, wie gut Waltz' Schauspielkünste sind, diese Rolle passt nicht zu seiner Eigenart Personen darzustellen. Vielmehr sieht der Zuschauer in Richelieu eher einen Hans Landa des 17. Jahrhunderts, als den bösen Kardinal, der trickreich seine Gegner umgeht.

Fazit

Dieser Film ist insgesamt betrachtet eher eine Enttäuschung als ein deutsches Überraschungsei, das mit Spannung, Spiel und Spaß Freude bereitet. Die Zielgruppe ist hierbei klar ausgerichtet: Kinder und Jugendliche. Erwachsene werden mit diesem Film ihre Probleme haben und wenn wir allein die schauspielerischen Leistungen betrachten, so sollte dieser Film gar gemieden werden.

Ignat Kress - myFanbase
19.08.2011

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