Bewertung: 6
Renny Harlin

5 Days of War

"Warum sagen sie mir das?" - "Damit sie verstehen, dass ich es verstehe, wie sie sich fühlen. Wie es ist, diese Leere in den Augen zu haben."

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Inhalt

Es ist der 08. August 2008 auf der Erde. Während sich die gesamte Weltbevölkerung auf die Olympischen Spiele freut, beginnt am Kaukasus zwischen Russland und Georgien ein Krieg. Der amerikanische Reporter Thomas Anders (Rupert Friend) und sein Kameramann Sebastian (Richard Coyle) befinden sich mitten im Geschehen in der Stadt Gori, dokumentieren dabei die Angriffe seitens der russischen Truppen und helfen den Anwohnern. Als sich Anders während der Angriffe in die Georgierin Tatia (Emmanuelle Chriqui) verliebt, muss er feststellen, dass das alleinige Aufnehmen von Tatsachen einen nicht davor bewahrt, sich in Unschuld zu baden.

Kritik

Was ist bitte schön zu erwarten, wenn ein Film über einen Krieg gedreht wird, dessen Finanziers unter anderem eine Regierung ist, die Teilschuld an diesem trägt? Es entsteht ein durchwegs propagandistisches Werk, das die eine Partei als die Gute darstellt, und die andere als schlecht. Ein Kampf zwischen der hellen und dunklen Seite der Macht sozusagen. Ein Kampf, in der die einen Soldaten für die Ehre, für ihr Volk und die Freiheit kämpfen und die anderen Soldaten barbarisch, lüsternd und ohne Respekt vor dem Leben, alles nieder schießen, was ihnen in die Quere kommt. Für gewöhnlich sind die Zuschauer das ja nur von den US-Amerikanern gewohnt, die ihren Patriotismus hoch empor heben, und über alles und alle hinwegsehen und damit nur eine Wahrheit anerkennen. Wie es scheint, schaffen es andere Länder auch. Sie schaffen es so realistisch und aufregend erzählt, das jemand, der nicht mit dem Thema bedacht ist, tatsächlich glauben könnte, die Russen seien hier einmal mehr das Böse der Menschheit.

Was bietet dieser Film abgesehen davon, dass es ein Propagandafilm der Georgier ist? Der Film bietet einiges. Wenn wir allein mit den Darstellern beginnen, finden wir eine ausgesprochen gute Riege vor. Der Hauptdarsteller Rupert Friend (Die letzte Legion) scheint hier eine kleine Ausnahme zu sein, da er, obwohl hier wirklich gut gespielt hat, bislang keine nennenswerten Aktivitäten in größeren Produktionen vorzuweisen hat. Ganz anders sieht es hier bei Andy Garcia (Ocean's 13) aus, welcher den Präsidenten Micheil Saakaschwili sehr gut wiederspiegelt. Seine Spielereien an der Krawatte fallen sofort auf und lediglich eine Sache wird in diesem Film vermisst. Die unbeabsichtigte Live-Übertragung in alle Welt, wie er an seiner Krawatte kaut. Ebenso wird mit dem 90er Jahre-Superstar Val Kilmer (Kiss Kiss Bang Bang) geworben, der hier lediglich eine kleinere Nebenrolle einnimmt, die nur hin und wieder im Film zum Vorschein kommt und daher auch kaum hervorzuheben ist. Umso mehr zum Vorschein zu bringen ist die kanadische Schauspielerin Emmanuelle Chriqui (13), die hier die Georgierin Tatia spielt, in welche sich der Charakter Thomas Anders verliebt. Sie spielt ihre Rolle äußerst glaubwürdig und mit einer Hingabe, als würde ihr das Schicksal aller Menschen, die in diesem Krieg befindlich sind, am Herzen liegen.

Sind einem die Schauspieler nicht genug, dann kann eigentlich nur noch eines helfen, und das ist die Action, welche zu Hauf geboten wird. Das beginnt schon von Beginn an, als das Geschehen noch im Irak stattfindet, und die Reporter Thomas Anders, Sebastian und Miriam - gespielt von Scrubs-Darstellerin Heather Graham - in ihrem Wagen auf dem Weg zu einem Interview angegriffen werden, und von US-Streitkräften gerettet werden. In dieser kleinen Szene haben die Macher nicht gespart, sondern richtig geklotzt, und stellen sich auf die selbe Ebene großer Hollywood-Produktionen. Wer glaubt, dass sie dadurch ihr ganzes Pulver verschossen haben, der irrt. In den gesamten zwei Stunden Filmmaterial kommt es nur selten zu einem Stillstand. Ununterbrochen rollen Panzer an, fliegen Hubschrauber, explodieren Bomben, stürzen Gebäude ein, fliegen Autos in die Luft und schießen Soldaten. Hinzu kommen noch traumhafte Landschaftsaufnahmen vom Kaukasus, die womöglich dann wirklich zum Vorschein kommen, wenn dieser Film auf Blu-ray angeschaut wird.

Wem diese Action allein immer noch nicht ausreicht, dem soll gesagt werden, dass der Film, trotz Propaganda, ein gutes Drehbuch hat, mit vielen emotionalen und hoch spannenden Momenten. Trotz allem tauchen hin und wieder unlogische Fehler auf, die aber in Anbetracht des Gesamtwerkes zu verzeihen sind. Eines ist jedoch nicht zu verzeihen: Dieser Film wurde im Gedenken an alle getöteten Reporter und Journalisten gedreht. Dabei glaube ich kaum, dass Reporter, die immer nach der Wahrheit suchen, von einem Propagandafilm begeistert gewesen wären.

Fazit

Wer sich nicht viel aus der Wahrheit macht, kann sich diesen Kriegsfilm ohne Bedenken anschauen. Und wer eine weitere Ansicht der Kriegsgeschehnisse haben möchte, welche auch nicht auf Fakten beruht, der sollte sich das russische Pendant "Olympus Inferno" dazu holen. Alles in allem ist dieser Film ein gutes Kriegsdrama, mit fabelhaften Special-Effects, einer guten und detailreichen Kameraführung und einem sehr guten Drehbuch.

Ignat Kress - myFanbase
16.08.2011

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