Bewertung: 4
Ivan Reitman

Freundschaft Plus

"Congrats? For what, having sex with you?"

Foto: Copyright: Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Inhalt

Emma (Natalie Portman) und Adam (Ashton Kutcher) kennen sich schon seit ihrer Kindheit, wo es erste Annäherungsversuche von Seiten Adams gab, die aber erfolglos blieben. Im Laufe der Zeit treffen sie sich zufällig immer mal wieder, doch mehr als ein kurzes Gespräch kommt nicht zustande. Bis Adam eines Nachts betrunken in Emmas Wohnung getorkelt kommt und die beiden am nächsten Morgen beschließen, miteinander zu schlafen. Da Emma kein Interesse an einer echten Beziehung hat, machen sie und Adam aus, dass sie Sexfreunde werden. Doch dann kommen irgendwann doch die Gefühle ins Spiel...

Kritik

It's a neverending story: Junge trifft Mädchen, Junge mag Mädchen, alles ist ungeheuer kompliziert und schwierig, und eigentlich weiß man gar nicht, was man da überhaupt fühlt und ob man überhaupt bereit ist für eine ernsthafte Beziehung. Doch dann, irgendwann, wird einem doch bewusst, was man will und was man nicht will, doch dann sieht man den Geliebten mit einer anderen Person, alles wird noch komplizierter, man heult, weint, hält bedeutungsschwere Monologe vor irgendwelchen Freunden, die einem dann raten, auf sein Herz zu hören, was man auch will, doch es ist doch alles so schwer und das Leben und überhaupt. Doch dann hört man irgendwann doch auf sein Herz, rennt so schnell es geht, untermalt von herzzerreißender Musik, zu seiner/seinem Angebeteten und alles wird dann doch gut oder so.

Nach dieser wirren Einleitung kommt jetzt die wirkliche Review zum Film "Freundschaft Plus" - wobei es dem Rezensenten wirklich schwer fällt, etwas Bedeutendes zu diesem Film zu sagen, denn er ist so etwas von formelhaft, ideenlos und völlig überraschungsfrei von der ersten durchkonstruierten bis zur letzten noch durchkonstruierteren Minute. Doch so ist das doch immer in diesen romantischen Komödien aus der Traumfabrik und es ist müßig, sich darüber noch aufzuregen. Ja natürlich, aber man kann es doch zumindest versuchen, dass abgedroschene, oben nochmal kurz zusammengefasste Schema zumindest ein wenig, ein ganz kleines bisschen zu variieren. Zum Beispiel nicht einen alten, abgedroschenen Sexwitz nach dem nächsten abzufeuern, sondern charmanten, ansatzweise geistreichen Humor zu liefern oder zumindest Nebenfiguren zu kreieren, die nicht vollkommen charakter- und eigenschaftslos in der Szene rumstehen und nur die Funktion, haben dem Hauptdarsteller oder der Hauptdarstellerin zuzuhören, denn dafür hätte man im Grunde auch eine weiße Wand nehmen können, was sogar vielleicht lustiger wäre, als das hier gebotene. Wenn man das schon alles nicht bringen kann oder nicht bringen will, dann hätte man zumindest versuchen können, den Ansatz einer Geschichte zu erzählen, denn mehr als: Wir sind nur Sexfreunde, aber dann haben wir uns doch richtig lieb, gibt es hier nicht. Die Konflikte sind keine, die Hauptfiguren sind auch nur aalglatte Erfolgsmenschen, mit so mittelmäßig interessanten Leben und auch sonst passiert in diesem Film eigentlich nichts.

Hört sich alles ganz furchtbar und schrecklich und herzlos und überhaupt ganz grauenhaft an, doch jetzt kommt der überaschende Twist in dieser Review: Das Drehbuch ist furchtbar, der Film hat keinerlei gute Ideen und ertrinkt förmlich in seiner Formelhaftigkeit, geschenkt, wissen wir alle, doch da ist noch etwas, was den Film dann doch fast wieder anguckbar macht und dieses etwas heißt Natalie Portman. Was für eine außergewöhnliche, charismatische und tolle Darstellerin sie ist, bewieß sie nicht zuletzt in ihrem großen Triumph "Black Swan", doch dass sie auch einen wirklich schlechten Film durch ihre reine Präsenz so ungeheuer aufwerten kann, dass man all seine Mängel fast schon vergisst, wenn sie nur auf der Leinwand erscheint und einfach nur sie selbst ist, beweist sie hier eindrucksvoll. Jede Szene mit ihr ist irgendwie süß und niedlich und man hat diesen Charakter sofort gern, obwohl er einem eigentlich egal sein sollte, da, wie eben erwähnt, völlig uninteressant gezeichnet. Doch Portman strahlt wieder einmal so eine Wärme, so eine Liebenswürdigkeit aus, dass man dann doch wieder ganz verzückt und träumerisch die Leinwand anstrahlt.

Portman kann man nie genug loben, doch auch Ashton Kutcher gebührt Lob, denn auch er schafft es, im Zusammenspiel mit Portman, dass einem diese oberflächlichen Typen dann doch nicht egal sind, dass man dann doch mit ihnen mitfiebert und dass man sich dann doch dabei ertappt, wie man das wirklich tolle Zusammenspiel dieser Sympathie- und Charmebolzen genießt. Leider geht der Film ziemlich lang und es gibt viele Szenen, in denen Portman nicht auftaucht oder Kutcher nur alleine, und die sind dann wieder recht zäh und langatmig, genau wie das ganze letzte Schlussdrittel, das vollkommen übertrieben in die Länge gezogen wird und sich in uninteressanten Nebensächlichkeiten verliert.

Fazit

Ein Film, der ohne die großartige Hauptdarstellerin und deren äußerst gutem und charmanten Zusammenspiel mit ihrem männlichen Gegenpart nichts wert wäre, doch mit ihr dann fast schon wieder sehenswert wird.

Moritz Stock - myFanbase
17.02.2011

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