Bewertung: 7
Jim Sheridan

Brothers - Zwei Brüder. Eine Liebe

"I don't know who said 'Only the dead have seen the end of war.' I have seen the end of war. The question is: Can I live again?"

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Inhalt

Sam (Tobey Maguire) und Tommy (Jake Gyllenhaal) sind Brüder, die wohl kaum unterschiedlicher sein könnten. Der eine (Sam) ist der Liebling seines Veteranen-Vaters, verheiratet mit der schönen Grace (Natalie Portman) und Vater zweier Kinder. Der andere (Tommy) ist ein verurteilter Bankräuber und gerade erst aus dem Gefängnis, das mehrere Jahre sein Zuhause war, entlassen worden. Nun will Tommy sein Leben auf die Reihe bekommen, während Sam seines für einige Zeit hinter sich lässt. Für sein Vaterland zieht er in den Krieg – wie es einst sein Vater tat. Kinder und Kegel lässt er zurück, die dann mit der Leere und dem fehlenden Vater zurechtkommen müssen. Als dann der Hubschrauber von Sam abstürzt, wird die Familie in eine tiefe Krise gestürzt. Was sie jedoch nicht wissen: Sam hat überlebt und wird von den Taliban gefangen gehalten.

Kritik

Das mit den Remakes ist so eine Sache. Mag der Amerikaner im Allgemeinen ja keine Synchronisation und erst recht keinen Untertitel, so bleibt – abseits vom Independentkino – nur noch eine Möglichkeit, einen guten Stoff an die breite Kinomasse zu bringen. Eine Neuverfilmung in englischer Sprache und am besten auch noch mit ein bisschen mehr Patriotismus als es im Original der Fall war. So wird es 2011 mit "The Girl with the Dragon Tatoo" ("Verblendung") sein und so war es bereits 2009 mit dem Film "Brothers", dessen dänisches Original bereits 2004 veröffentlicht wurde und durchweg herausragende Kritiken erhalten hat.

Den größten Unterschied in den Verfilmungen macht die Perspektive des Regisseurs und des Studios aus. Während es für das dänische Kino wohl kaum interessant war, Sam als Amerikaner und als Held im Krieg auszuweisen, versucht dies der amerikanische Film mit allen Mitteln. Um dann jedoch den Bruch zur Familie und die psychischen Folgen des Krieges für Sam noch eindringlicher zu machen, als es wohl für jeden anderen Kriegsveteranen der Fall wäre, wird er von den Taliban entführt und zu einer grausamen Tat gezwungen.

Unterdessen glaubt seine Familie, dass Sam bei einem Hubschrauberabsturz den Tod fand und muss mit den Folgen des Verlusts leben. Dass dies dann weniger in einer Geschichte à la "Pearl Harbor" endet, sondern zu einem tiefgründigen und einfühlsamen Beleg von Freundschaft, Liebe und Familie wird, ist auch dem großartigen Drehbuch und den Darstellern zu verdanken. Im Verlauf des Films wandelt er sich von einem Portrait einer Familie zu einer tiefen Charakterstudie und dem Bildnis eines Mannes, der mit seinem Schicksal nicht recht umgehen kann. Tiefbewegend, und doch fehlt dem Film dann letztlich der gewisse Anhaltspunkt, der dem Zuschauer die Geschichte noch näher bringen würde.

Die Charaktere in "Brothers" sind allesamt wunderbar gezeichnet. Sam, der als Streber in den Krieg zieht und als gefallener Mann wieder heimkehrt, ebenso wie Tommy, der gefallen ist, als Sam aufbricht, und später die große Stütze von Sams Frau und dessen Kindern wird.

Wie schon in "In America" zeigt Regisseur Jim Sheridan auch hier wieder einmal, zu welchen Höchstformen er seine Darsteller bringen kann. Tobey Maguire wird in der allgemeinen Betrachtung auf seine Schauspielkunst wohl häufig unterschätzt, zeigt er doch hier – wie schon in früheren Filmen wie "Die Wonder Boys" - was er tatsächlich drauf hat und überzeugt vor allem in den Szenen, in denen er sich so untypisch für seine Figur verhält. Ebenso Gyllenhaal, der fernab des Mainstream-Kinos schon des Öfteren die Möglichkeit hatte, großartige Schauspielkünste zu zeigen. Kaum ein Wunder also, dass er es auch hier wieder schaff, zu überzeugen. Gerade auch die Chemie der beiden kommt in den gemeinsamen Szenen wundervoll rüber und da macht es gar nichts, dass sie sich für ein Bruderpaar fast zu unähnlich sehen. Bei Natalie Portman liegt es weniger an der Schauspielkunst, als mehr an der Charakterzeichnung, dass sie hier nicht ihr komplettes Können beweisen kann.

Fazit

Ein Film über einen Krieg und seine Folgen für eine Familie. Mit berührenden, schockierenden und eindringlichen Szenen überzeugt "Brothers" durchaus, vor allem aber wegen der großartigen Schauspielleistung der beiden Hauptdarsteller.

Eva Klose - myFanbase
23.01.2011

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