Bewertung: 6
Rob Marshall

Nine

"I would like to be here, I would like to be there, I would like to everywhere at once. I know that's a contradiction in terms, and it's a problem, especially when my body's clearing forty as my mind is nearing ten."

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Inhalt

Rom in den 60er Jahren: Der italienische Starregisseur Guido Contini (Daniel Day-Lewis) steckt in einer schweren Krise, sowohl beruflich wie privat. Seine letzten Filme waren Flops. Für sein neustes Werk, dessen Dreh in nur wenigen Tagen beginnen soll, hat er noch nicht einmal mit dem Drehbuch begonnen und seine Ehe mit der früheren Schauspielerin Luisa (Marion Cotillard) droht an Guidos Affären zu zerbrechen. Verfolgt von seiner Geliebten Carla (Penélope Cruz), auf die Ankunft von Hauptdarstellerin Claudia (Nicole Kidman) wartend und gerne in Erinnerungen an die längst verstorbene Mutter (Sophia Loren) versunken, gibt er sich immer mehr intensiven Tagträumen hin.

Kritik

Federico Fellinis "8½", das heute zu den besten Filmen aller Zeiten gezählt wird, erlebte 1963 seine Weltpremiere. 19 Jahre später gewann das auf Fellinis Drama basierende Musical "Nine" von Maury Yeston und Arthur Kopit fünf Tony Awards, darunter in der Kategorie Bestes Musical. Nun präsentiert uns "Chicago"-Regisseur Rob Marshall seine Kinoversion, die Fans der Bühnenfassung wohl enttäuschen dürfte. Für alle restlichen Zuschauer bietet der exquisit besetzte Film knapp zwei Stunden nette Unterhaltung voll mit Musik und Tanz.

Das leicht chaotisch erzählte "Nine" enthält Momente verschiedener Stimmungen. Einige sind humorvoll, andere nachdenklich. Szenen aus Guidos momentanem, realem Alltag vermischen sich mit Darstellungen seiner Realitätsfluchten. Letztere bestehen aus den musikalischen Nummern, also den zentralen Elementen des Musicals. Auch wenn die Songs qualitätsmäßig und die Darsteller alle stimmlich zu überzeugen wissen, fehlt der Inszenierung der meisten Auftritte eine für diesen Film wichtige, ehrliche Verträumtheit. Die Streifzüge durch Guidos kleine Fantasiewelten sind zwar aufwendig gestaltet, doch oft wirken sie etwas seelenlos.

Zumindest Cotillard und Black-Eyed-Peas-Sängerin Fergie holen aus ihren Showeinlagen das Maximale heraus und verstehen es, das Publikum mitzureißen. Dank ihnen werden die Stücke "My Husband Makes Movies" (unglaublich gefühlvoll: Cotillard) sowie "Be Italian" (sehr kraftvoll: Fergie) zu den Höhepunkten des Films. An dieser Stelle sei gesagt, dass es höchst bedauerlich ist, zu sehen, auf welche Lieder aus der Bühnenfassung hier alles verzichtet wurde. Wer mit ihr vertraut ist und sie in jener Form mochte, wird unter anderem "Only With You", "Nine", "The Bells of St. Sebastian", "The Grand Canal" und "Be On Own" schmerzlich vermissen. Yeston komponierte für die Marshall-Umsetzung eigens drei neue Songs. Diese werden von Kate Hudson ("Cinema Italiano"), Sophia Loren ("Guarda La Luna") und Marion Cottilard (oscarnominiert: "Take It All") gesungen.

Für den Cast wurden wahrhaftig berühmte Namen gefunden. Bei aller Kritik an der Inszenierung, gegen das Spiel der einzelnen Besetzungsmitglieder lässt sich nichts vorbringen. Durch Cotillard wird Luisas Schmerz angesichts Guidos Egotrips und ihre dennoch bestehende Hoffnung auf eine glückliche Ehe lebendig. Für ihre nuancierte Darstellung wäre eine Oscar-Nominierung angemessen gewesen, doch anders als Penélope Cruz war der gebürtigen Französin leider nicht so viel Glück beschieden. Cruz macht ihre Sache wirklich super, keine Frage. Letztendlich ist es aber Cotillard, welche den stärksten bleibenden Eindruck hinterlässt. Daniel Day-Lewis kauft man die Rastlosigkeit und Verzweiflung seiner Figur jederzeit ab. Nicole Kidman ist als begehrter Filmstar die perfekte Wahl. Auch Kate Hudson und Judi Dench können absolut überzeugen. Sophia Loren muss im Grunde nur eins tun: Auf ihren Status als Legende vertrauen, so dass der Zuschauer ihr das allzu divenhafte Auftreten nachsieht und es auf Guidos Idealisierung seiner "Mamma" schiebt.

Fazit

Große Namen, tolle Musik und gute bis sehr gute Gesangsstimmen in einem Film, dem es an der erforderlichen liebevollen Verträumtheit mangelt.

Maren Langos - myFanbase
05.03.2010

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