Bewertung: 7
Martin Scorsese

Shutter Island

Don't you get it? You're a rat in a maze.

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Inhalt

1954: Die beiden US-Marshalls Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) und Chuck Aule (Mark Ruffalo) setzen mit einer Fähre zur abgelegenen Shutter Island über, um dort den mysteriösen Ausbruch einer Patientin aus dem Ashecliffe Hospital zu untersuchen, einer psychiatrischen Anstalt. Im Verlaufe der Ermittlungen stoßen Daniels und Aule auf immer mehr Ungereimtheiten, was das Verschwinden von Rachel Solando angeht, und machen Bekanntschaft mit dem Direktor der Anstalt, Dr. Cawley (Ben Kingsley), der ein Geheimnis zu verbergen scheint.

Als ein heftiger Sturm über Shutter Island hereinbricht, sind Daniels und Aule gezwungen, auf der Insel zu bleiben und je länger Daniels an dem Fall arbeitet, desto mehr beginnt er, die wahren Absichten des Ashecliffe Hospitals zu hinterfragen und zweifelt bald an seinem eigenen Verstand.

Kritik

Scorsese und DiCaprio dass dieses Team nicht nur höchste Filmqualität, sondern auch klingelnde Kinokassen verspricht, ist mittlerweile bekannt. Mit vereinter Kraft haben Regisseur Martin Scorsese und Schauspieler Leonardo DiCaprio bereits 26 Oscarnominierungen für ihre Kollaborationen erhalten und mit ihnen insgesamt über 700 Millionen US-Dollar eingespielt. Nach "Gangs of New York" (2002), "Aviator" (2004) und "Departed Unter Feinden" (2006) arbeiten die beiden für "Shutter Island" nun ein viertes Mal zusammen und natürlich waren die Erwartungen angesichts des immensen Erfolgs der ersten drei Filme groß. Vielleicht ein wenig zu groß.

"Shutter Island" ist eine Mischung aus Mysterythriller und Psychodrama und konzentriert sich dabei ausschließlich auf Teddy Daniels, einer komplexen Figur, die mithilfe von Rückblicken in seine Vergangenheit sowie der Visualisierung seiner wirren Träume hervorragend mit der nötigen Substanz versehen wird, um als Zuschauer etwas mit ihm anfangen zu können. Wie nicht anders erwartet, trägt DiCaprio den Film problemlos und ist überaus überzeugend in seiner Rolle. Erneut beweist er, dass er zweifellos zu den besten Schauspielern seiner Generation gehört und gerade unter der Leitung von Scorsese zur Bestform aufläuft. Dieser sorgt mit üblicher Perfektion für eine herausragende Inszenierung, die zwar manchmal etwas zu rabiat mit orchestral-majestätischer Musik um sich wirft, aber gerade visuell absolut beeindruckend ist. Zu keinem Zeitpunkt weicht die düstere, gespenstische Atmosphäre von der Kinoleinwand, vielmehr schafft Scorsese es, eine Stimmung zu erzeugen, die den Zuschauer langsam erdrückt und damit gleichzeitig die desolate Situation von Teddy Daniels hervorragend transportiert. Die Insel mit ihren dunklen Wäldern, den tödlichen Klippen und dem trostlosen Ashecliffe Hospital weiß Scorsese erstklassig zu inszenieren, auch wenn ihm durchaus mal der Fehler unterläuft, auf altbekannte Horrorstilmittel zurückzugreifen, die dann etwas plump wirken.

Alles andere als plump sind hingegen die eingeschobenen Rückblick- und Traumsequenzen, die das Seelenleben von Teddy Daniels ein wenig zu erleuchten versuchen. Während in den Rückblicken die horrenden Erlebnisse von Daniels als Soldat im Zweiten Weltkrieg gezeigt werden, bieten seine Träume einen Einblick in die Beziehung zu Dolores, seiner verstorbenen Frau. Hier tritt Michelle Williams auf und hinterlässt einen bleibenden Eindruck als Daniels' rätselhafte große Liebe. Überhaupt kann "Shutter Island" mit einer auserlesenen Besetzung aufwarten: Ben Kingsley versteht es perfekt, als Dr. Cawley stets undurchschaubar und enigmatisch zu bleiben, sodass das Publikum bis zum Schluss kein Urteil über ihn fällen kann, und der in der Vergangenheit viel zu wenig beachtete Mark Ruffalo ist als Daniels' Partner Chuck Aule ein wichtiger Pfeiler im Gesamtgeschehen, spielt seinen Part dabei erfrischend charismatisch. Max von Sydow, Emily Mortimer und Patricia Clarkson runden den Cast perfekt ab.

Während an "Shutter Island" aus darstellerischer und inszenatorischer Sicht eigentlich nichts auszusetzen ist, so gibt es doch leider einige inhaltliche Schwächen. Zu Beginn weiß Scorsese den Zuschauer geschickt an der Nase herumzuführen und legt Stück für Stück ein Mysterium nach dem anderen frei, das sowohl Protagonist Daniels in die Irre führt als auch das Publikum. Doch je weiter der Film voranschreitet, desto mehr weiß man als kinoerfahrener Zuschauer, wohin die Reise führt. Das ändert nichts daran, dass der große Clou am Ende wirklich gelungen ist, gerade weil die Auflösung mit einer extrem aufwühlenden Szene zu punkten weiß, doch das Gefühl, eine ähnliche Story schon einmal gesehen zu haben, bleibt. Dennis Lehane, auf dessen Roman der Film beruht, lieferte bereits zum Oscarpreisträger "Mystic River" (2003) sowie zu "Gone Baby Gone" (2007) die Buchvorlage und auch in "Shutter Island" birgt die Geschichte viele Irrungen und Wirrungen, bevor sie endgültig aufgelöst wird. Im Film resultiert das hier und da in einigen Längen, die gerade zur Mitte des Films auftreten, aber dank DiCaprio zu verkraften sind.

Fazit

Letztlich schafft es Scorsese zwar nicht, das Genre völlig neu zu erfinden, doch er setzt unbestreitbar einen neuen Maßstab. "Shutter Island" ist spannend, komplex und letztlich die Charakterstudie eines gebrochenen Mannes, der von seiner traumatischen Vergangenheit eingeholt wird. Scorsese und DiCaprio haben mit "Shutter Island" ein weiteres sehenswertes Werk geschaffen, das jedoch an die preisgekrönten Vorgänger nicht herankommt.

Maria Gruber - myFanbase
22.02.2010

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