Bewertung: 5

Operation: Kingdom

Colonel Al-Ghazi: "Die übrigen Regeln: Sie dürfen keine Beweise berühren - bitte, lassen Sie das liegen! Sie dürfen ohne mein Beisein niemanden verhören, keine toten Muslime berühren oder sich aus meinem Blickfeld entfernen. Ihre Sicherheit hat für mich oberste Priorität."
Ronald Fleury: "Ich dachte, oberste Priorität hat die Untersuchung?"
Colonel Al-Ghazi: "Da sind Sie aber im Irrtum."

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Inhalt

Es geschieht am hellichten Tag. Zwei zeitlich nah beieinander liegende Anschläge auf eine amerikanische Wohnanlage in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad kosten über 100 Menschenleben. Durch Erpressung des saudischen Botschafters gelingt dem Agenten Ronald Fleury (Jamie Foxx) in Washington etwas, was niemand für möglich hielt: Das FBI erhält die Erlaubnis, ein eigenes Team in das arabische Königreich zu entsenden. Aber der Aufenthalt ist für Fleury, Forensik-Spezialistin Janet Mayes (Jennifer Garner), Analytiker Adam Leavitt (Jason Bateman) und Sprengstoffexperte Grant Sykes (Chris Cooper) auf nur fünf Tage begrenzt. Vor Ort unterstützt vom Polizeioffizier Faris Al Ghazi (Ashraf Barhom), gestalten sich die Ermittlungen aufgrund verschiedener Einschränkungen als schwierig. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Kritik

Die Beziehung Saudi-Arabiens zu den USA schaut auf eine besonders interessante Geschichte zurück, die genügend Stoff für mehrere Dutzend Filme bietet. Öl, Macht, militärische Hilfe in Form amerikanischer Soldaten, und Terrorismus. Zwei Länder, zwei Kulturen von extremer Gegensätzlichkeit. Die aufregende, visuell beeindruckend gestaltete Eröffnungssequenz zählt die wichtigsten Punkte jener Beziehung auf und verwendet dafür Originalaufnahmen. Die vielen Informationen, von denen - was keine Kritik sein soll - im Grunde die Wenigsten für den weiteren Verlauf der Handlung von Bedeutung sind, werden in einem superflotten Tempo vorgetragen. Man kann sich glücklich schätzen, wenn einem die Hälfte der historischen Fakten in halbwegs guter Erinnerung bleibt. Die schnellen Schnitte geben den erzählerischen Grundton vor. "Operation: Kingdom" hat als Thema den Terrorismus gewählt und nähert sich diesem in Form eines actionreichen Thrillers an, dessen Schauspieler allesamt eine ordentliche Leistung abliefern.

Die Schießereien und Explosionen sind aus technischer Sicht auf höchstem Niveau. Inhaltlich aber schleicht sich hierbei in der einen oder anderen Szene das altbekannte Klischee ein: Wo normale Menschen schwere körperliche Verletzungen davontragen würden, scheint das Team über ganz besondere Fähigkeiten zu verfügen. Wer nach einer ganz bestimmten Szene (Stichwort: Autobahn) nicht in einen "Den Amerikanern passiert ja wahrscheinlich eh nichts"-Glauben verfällt, für den wird "Operation: Kingdom" seine bisherige Spannung beibehalten. Für alle anderen Zuschauer wird sie zwar niemals gänzlich verschwinden (bestimmt nicht!), aber ein gewisser Schaden ist allemal entstanden.

Ist der Film auch straff und ohne Längen erzählt, so bringt die hohe Geschwindigkeit ein Problem mit sich. Vor allem in den ersten zwanzig Minuten wird eine Vielzahl von Figuren eingeführt. In dieser Zeit den Überblick zu behalten, ist eine kleine Herausforderung. Irritierend ist, dass Nebenpersonen im weiteren Verlauf des Films plötzlich verschwinden und nie wieder erwähnt werden. Keine sonderlich geschickte Idee.

Noch auffälliger als der fahrlässige Umgang mit einmal eingeführten Charakteren sind die logischen Schwierigkeiten, die ein weibliches Teammitglied mit sich bringt. Mayes' Funktion scheint wohl zu sein, dem weiblichen Publikum zumindest eine Identifikationsfigur zu bieten. Ohne sie wäre "Operation: Kingdom" ein reiner Männerfilm. Nur erscheint die Vorstellung, das FBI würde eine Frau als Ermittlerin nach Saudi-Arabien schicken, ziemlich absurd, zumal ihre Rechte gegenüber denen ihrer männlichen Kollegen ordentlich beschnitten sein müssten. Wenn Mayes schließlich im engen T-Shirt und mit unbedeckten Haaren auf den Straßen Riads umherläuft, wirkt dies ziemlich lächerlich, denn die strengen saudischen Kleidungsvorschriften sind in Wahrheit auch von Ausländerinnen einzuhalten. Genauso unglaubwürdig ist, dass keines der Teammitglieder der arabischen Sprache wirklich mächtig ist, weshalb Fleury und Co. auf die Hilfe eines einheimischen Dolmetschers angewiesen sind. Angesichts der brisanten Lage, würde sich das FBI wohl kaum in eine solche Abhängigkeit begeben.

Mehr Bemühungen um Realitätsnähe wären wünschenswert gewesen, da das bereits erwähnte faktenreiche Intro sowie die unerwartet intelligente Schlusspointe zeigen, dass "Operation: Kingdom" mehr sein will als bloß krachendes Popcornkino.

Fazit

Grandiose Action, überzeugend spielende Darsteller und ein kluges Ende. Die auf inhaltlicher Ebene allzu deutlichen Schwächen verhindern jedoch eine positive Gesamtwertung.

Maren Langos - myFanbase
22.01.2010

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