Bewertung: 4
Tony Scott

Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3, Die

"You might be the last friend I'll ever make."

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Inhalt

Vier bis an die Zähne bewaffnete Männer, angeführt von Ryder (John Travolta), betreten die Pelham 1 2 3, eine Linie der New-Yorker U-Bahn, und beginnen, Passagiere und Zugführer in ihre Gewalt zu bringen. Einzig der altgediente Fahrdienstleiter der New Yorker U-Bahn, Walter Garber (Denzel Washington), steht in regem Kontakt mit Ryder, der insgesamt zehn Millionen Dollar Lösegeld innerhalb von einer Stunde verlangt, ansonsten erschießt er Geisel für Geisel. Was folgt, ist ein psychologischer Zweikampf der beiden am Telefon, der über nicht weniger entscheidet als über die zahlreichen Menschenleben, die Ryder hilflos ausgeliefert sind.

Kritik

"The Taking of Pelham 1 2 3" ist ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1974. Damals spielte Walter Matthau bravourös den Polizisten Lt. Zachary Garber, womit man auch schon den ersten Unterschied zum Remake aus dem Jahr 2009 hätte, in dem es sich bei Garber nicht um einen Polizisten handelt, sondern um einen U-Bahn Fahrdienstleister. Dazu kam im Original Robert Shaw als Bernard Ryder bzw. Mr. Blue, während der Gangster im Remake, verkörpert von John Travolta, schlicht und einfach Ryder heißt. Damit ignoriert man zwar allein von der Namensgebung her den Einfluss, den der Film aus den 70ern auf Thriller der heutigen Zeit hatte (man achte auf die Spitznamen der Hauptcharaktere in Quentin Tarantinos "Reservoir Dogs"), was für sich genommen aber nun natürlich keinen nennenswerten Mangel darstellt. Dennoch zeigt bereits dieser Umstand, dass "The Taking of Pelham One Two Three" (1974) die Art und Weise, wie danach Thriller gedreht und inszeniert wurden, maßgeblich prägte.

Nun hat sich Tony Scott, seines Zeichens Regisseur von "Déjà Vu", "Domino" oder auch "Man on Fire", daran gewagt, einen für das Genre des Thrillers derart prägenden Film neu aufzulegen. Dabei bedient er sich, wie bereits zu Beginn negativ auffällt, einer sehr penetranten und nervösen Inszenierungsweise: schnelle Schnitte, eine rapide Verschnellerung bestimmter Bilder, dann wieder Slow Motion, die Einblendung von Zahlen und Informationen, das stete Stoppen und Wiederanlaufen des Eröffnungssongs (Jay-Zs "99 Problems"), hier ein Heranzoomen, da ein Herauszoomen. Es ist einfach deutlich übertrieben und wird auch im Verlaufe des Films nur unmerklich besser, weswegen nicht umsonst bei Tony Scott immer mal wieder das Wort "Overdirecting" fällt. Denn genau das ist es, was er hier macht. Das ist weder angenehm fürs Auge noch für den Erzählfluss, der so immer öfter durch Tony Scott erheblich gestört wird.

Bei den beiden Hauptdarstellern kann man auf den ersten Blick nichts falsch machen, nachdem sowohl Denzel Washington als auch John Travolta zu Genüge ihre herausragenden Schauspielfähigkeiten in der Vergangenheit zur Schau gestellt haben. Dennoch schaffen es beide nicht, ihren Rollen mehr zu geben als dem, was im Drehbuch steht bzw. was Tony Scott von ihnen sehen möchte. Im Gegenteil: John Travolta als immerzu wütender und ach so tougher Gangster, der nur so mit zahlreichen Variationen des F-Wortes um sich wirft, betreibt sogar Overacting und wirkt keinen einzigen Augenblick lang glaubwürdig. Nichts zu sehen von der ruhigen, besonnenen und berechnenden Art, die Robert Shaw im Original gezeigt hat und die einer der großen Stärken des damaligen Films war, was aber natürlich auch ein großer Fehler des Drehbuchs ist. Denzel Washington macht das, was er immer macht: Er wirkt entschlossen bzw. bestimmt, mit einem Hang zu einer gewissen Arroganz in seiner Figur. Eben genau das, was man aus einigen seiner vergangenen Rollen kennt. Mehr als sein Standardrepertoire kann er aber auch nicht abrufen.

Die Nebencharaktere werden allesamt in den Hintergrund gedrängt, weil Scott offensichtlich keine Geduld für sie oder ihre Geschichten hat und weswegen Travolta und Washington in nahezu jeder Szene zu sehen sein müssen. Auch ein James Gandolfini, unbestritten einer der besten Schauspieler, der je Teil einer Fernsehserie wurde, und der auch in vergleichsweise kleinen Rollen in anderen Filmen, wie u.a. "The Mexican" überzeugen konnte, bleibt als Bürgermeister der Stadt New York völlig unterfordert und kann bis auf einen kurzen Moment, einen kleinen Gesichtsausdruck, als seine Figur nach seiner Ehefrau gefragt wird, seine Klasse nie unter Beweis stellen. John Turturro als Geiselunterhändler Carmonetti des NYPD (Carmonetti gab es im Original nicht, Walter Matthau hat 1974 vielmehr Carmonetti und Garber als eine Person verkörpert) bleibt durchgehend blass, alle anderen Darsteller sind lediglich als Statisten anzusehen.

Was letzten Endes bleibt, ist ein straff inszenierter Thriller mit deutlichen Actionanleihen, die oft deplatziert wirken und auch gern mal den Gesetzen der Physik widersprechen, sowie ein vielversprechender Plot, der selbst nicht wahnsinnig innovativ, aber durchaus durchdacht und manchmal sogar einfallsreich ist, selbst in den Momenten, wo man sich vom Original aus Gründen der Aktualität abwendet.

Fazit

"Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3" ist ein Actionthriller, der versucht, mit nervenden Inszenierungstechniken die dennoch unübersehbaren Schwächen in der Charakterzeichnung zu vertuschen. Die Schauspieler bieten allesamt nicht mehr als Standardkost oder übertreiben es sogar, ein gelungener Wechsel der Perspektive weg von den beiden Hauptcharakteren fehlt völlig. Einzig die Grundidee weiß zu überzeugen, womit es wirklich keinen Grund gibt, sich das Remake anstatt des tollen Originals anzusehen.

Andreas K. - myFanbase
04.07.2009

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