Bewertung: 8
Sam Mendes

Zeiten des Aufruhrs

"Frank Wheeler, du bist wahrscheinlich der interessanteste Mensch, der mir je begegnet ist."

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Inhalt

Es sind die 50er Jahre in den USA. Frank (Leonardo DiCaprio) und April Wheeler (Kate Winslet) leben gemeinsam ein nach außen hin glückliches Leben. Er hat einen gut bezahlten Bürojob in New York City und sie ist wie die meisten Frauen zu dieser Zeit eine scheinbar glückliche Mutter und Hausfrau.

Doch hinter der Fassade der glücklichen Ehe brodelt viel Verzweiflung im Hause Wheeler. Er ist unglücklich in seinem Job und sie noch viel unglücklicher mit der Situation des Lebens in der Vorstadteinöde. Noch bevor sie vor Jahren in die "Revolutionary Road" zogen, waren beide glücklich miteinander, doch nun leben sie mehr aneinander vorbei und streiten sich viel zu oft. Vor allem April will sich der Situation der 50er Jahre nicht anpassen und als sie merkt, wie sehr auch Frank darunter leidet, beschließen beide, nach Paris auszuwandern. Sie wollen fliehen aus der Welt der Zwänge und im entfernten Europa einen Neuanfang wagen. Dort soll Frank erst einmal sich selber finden und April das Geld besorgen. Doch ist es so einfach, die gewohnte Umgebung aufzugeben und sich selbst neu zu erfinden? Frank zumindest kommen allmählich Zweifel...

Kritik

Knapp zwölf Jahre ist es her, dass Leonardo DiCaprio und Kate Winslet im Megahit "Titanic" das erste Mal gemeinsam vor der Kamera standen. Zwölf Jahre, in denen sie niemals mehr gemeinsam in einem Film zu sehen waren, aber beide ganz unabhängig vom anderen eine enorme Hollywoodkarriere hinlegten. Gemeinsam wurden sie insgesamt für acht Oscars nominiert und wurden zu zwei der gefragtesten Darsteller in der großen Filmmetropole. Und obwohl es wohl immer wieder Angebote gab, die beiden wieder zusammenzubringen, musste erst dieses Drehbuch von Justin Haythe kommen, damit dies tatsächlich Wirklichkeit werden würde.

Wie sie in vielen Interviews verlauten ließ, war es dann auch Kate, die ihren Ehemann, Regisseur Sam Mendes, dazu überredete, bei dem Film Regie zu führen und damit war neben den beiden Hollywoodstars auch einer der erfolgreichsten Regisseure an dem Projekt beteiligt.

Als der Roman zum Film in den frühen 60er Jahren in den USA erschien, wurde er direkt als Meisterwerk der modernen Literatur gefeiert; noch heute genießt er dort Kultstatus und dennoch dauerte es so lange, den Film zu verfilmen. Grund dafür ist vermutlich die Außergewöhnlichkeit dieses Romans. Denn viel Handlung hat er nicht, vielmehr ist er ein ausführliches und eindringliches Psychogramm zweier Menschen. Auf eine Weise ist er mitreißend und dennoch äußerst verstörend und wer den Roman gelesen hat, wird wohl zustimmen, dass es ein extrem schwierig zu verfilmender Stoff ist. Denn der Hauptteil des Romans besteht aus ausführlichen Erklärungen, die nur schwerlich beim Film funktionieren würden. Jeder Gesichtsausdruck wird ausführlich erörtert und es wird hinter die Fassaden der beiden Hauptcharaktere geblickt. Wie soll das im Kino funktionieren?

Die Beantwortung dieser Frage ist eigentlich ganz einfach: Darsteller. Leonardo und Kate schaffen es auf atemberaubende Weise, den Zuschauer am Seelenleben ihrer Charaktere teilhaben zu lassen. Ob man sie nun in den wenigen, glücklichen Momenten oder aber in den häufigeren, unglücklichen beobachtet, man kauft ihnen jede Situation zu 100 Prozent ab. Grund dafür ist wohl auch Sam Mendes, der es immer wieder schafft, seine Darsteller zum Besten zu treiben. Gleichzeitig sind natürlich auch andere Dinge für den Eindruck dieses Films wichtig. Die Kostüme und das Set-Design, alles passt perfekt in die Welt der 50er Jahre und somit hat der Zuschauer schon einmal keine Probleme damit, sich in die Zeit einzufinden.

Fazit

Die "Titanic"-Wiedervereinigung ist alles andere als fröhlich. Auf beklemmende Weise zeigt dieser Film das Portrait zweier Menschen, die in den 50er Jahren ihrer Zeit voraus waren. Obwohl nicht unbedingt das fröhlich-feuchte Popkornkino, ist "Zeiten des Aufruhrs" vor allem schon der beiden Darsteller wegen unbedingt zu empfehlen.

Eva Klose - myFanbase
17.01.2009

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