Bewertung: 6

Review: #1.22 Das Geschenk

Diese Episode von "Die himmlische Joan" geht der tieferen Bedeutung des Schenkens nach und stellt wenig überraschend fest, dass das Schenken nur wenig mit materiellen Dingen zu tun hat. Soweit so gut die Botschaft der Folge, von der ich ein bisschen hin und her gerissen bin. Einerseits sind das Thema Schenken und die Geschichten, die hierum gesponnen werden, ziemlich lahm. Andererseits leisten die Akteure trotz der schwächelnden Handlung einen wirklich guten Job. Alle samt spielen, bis auf ein paar kleine Szenen, sehr überzeugend, so dass man trotz des langweiligen Plots doch gerne zuschaut.

Nach vielen Irrungen und Wirrungen, die streckenweise ganz amüsant sind, findet Joan endlich das passende Geschenk für Adam - ein Bild von Rodin, einem französischen Künstler. Dieses Bild gibt Adam Glauben an sich und seine Zukunft als Künstler. Wie uns die Autoren weis machen wollen, steckte Adam nämlich in einer Sinnkrise und stellte sich und seine Beziehung zu Joan in Frage. Für mich kam das alles wie aus dem Blauen heraus, ähnlich wie damals seine angeblichen Selbstmordgedanken angesichts des Todestages seiner Mutter. Wieder einmal wird Adam von jetzt auf gleich ein Problem angedichtet, ohne dass sich hier etwas angekündigt hätte. Kein Wunder, dass man als Zuschauer etwas stutzig wird. Hinzu kommt die überzogen rührige Geschichte, dass Adam die Arbeit im Hotel nur deshalb angenommen habe, um Geld für dringend notwendige Medikamente seines Vaters zu verdienen. Für mich ist das alles zu konstruiert.

Einen kleinen witzigen Höhepunkt in dieser insgesamt doch eher mäßigen Folge liefert Glynis, die Luke im Sportunterricht auf den Pelz rückt, um die Gründe ihrer Trennung zu erfahren. Auch sehr unterhaltsam ist wieder einmal Luke, der sich nun um Grace bemüht. Für mich sind Grace und Luke ein geniales Paar. Zwischen den beiden Darstellern stimmt einfach die Chemie und man fiebert regelrecht mit, dass sie endlich zusammenkommen. Allerdings finde ich auch die Entwicklung bei Luke und Grace etwas überstürzt. In den vergangenen Folgen wurden beide ja eher vernachlässigt. Hier hätte ich mir ebenso etwas mehr Vorgeschichte bzw. langsame Heranführung an die Thematik gewünscht.

Ein ganz großer Schwachpunkt in dieser Folge ist aber die Geschichte um Will und Kevin. Letzterer stellt die seiner Ansicht nach zu milde Vorgehensweise in Wills neustem Fall öffentlich in Frage, nur um schließlich erkennen zu müssen, dass die Dinge manchmal nicht so simpel sind, wie sie auf Anhieb scheinen. Manche Menschen werden kriminell aus finanzieller Not, so erfahren wir, und tun Dinge, weil sie in komplizierten Strukturen leben, die keinen anderen Ausweg zulassen. Naja, für meinen Geschmack sind wir hier wieder bei der alten leidigen Langeweile, mit der die Geschichten um Will und Kevin bereits schon in vielen Folgen zuvor erzählt wurden.

Als absoluter Tiefpunkt in dieser Folge gestaltete sich für mich jedoch die Szene zwischen Joan und Adam im Hotelzimmer. Amber Tamblyn versucht nicht zum ersten Mal - eine besondere Dramatik zu verbreiten. Sie weint, schluchzt und spricht dann doch klar. Adam säuselt erst mit und fängt dann auch noch an zu weinen. Nein, das gefällt mir alles nicht. Es passt einfach nicht in meine Vorstellung von dem, wie sich zwei Teenager in einer solchen Situation verhalten würden. Besonders im Fall von Amber Tamblyn überkommt mich dabei immer mehr der Eindruck, sie wolle manchmal dem Ganzen krampfhaft Anspruch verleihen, was der Geschichte und vor allem der Darstellung als solcher nicht gut tut.

Fazit

Eine sehr dürftige Episode. Viele platte und kitschige Weisheiten, wie "die Liebe und das Schenken haben denselben Ursprung" oder "Intimität ist niemals leicht", verderben meines Erachtens diese Episode. Was bleibt ist eine Aneinanderreihung nichtsagender, unbedeutender Handlungsstränge. Vor allem auch die Auflösung hinterlässt bei mir viele Fragezeichen. Adam erzählt Joan noch zuvor, dass ihr Glaube an ihn nicht mehr ausreiche, er brauche nun etwas Greifbares und bekommt von ihr ein Bild, welches ihm eine Vision eines Künstlerlebens vermittelt. Bei aller Liebe, aber das ist doch mehr als vage und fern ab von allem real Fassbaren. Ich kann nicht nachvollziehen, wie das Adam helfen sollte, sein Künstlerdasein bodenständig zu machen, und vor allem auch mit Blick auf finanzielle Aspekte in gesicherte Bahnen zu lenken. Nach meinem Dafürhalten schwächelt die Handlung in dieser Folge ganz gewaltig. Einzig die Geschichte um Luke und Grace sowie die mitreißende schauspielerische Leistung der Akteure stimmen mich dann aber letztendlich doch wieder versöhnlich. Dennoch bleibt diese Folge weit hinter meinen Erwartungen zurück, deswegen dieses Mal Punkteabzug bei der Bewertung.

Anne L. - myFanbase

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