Bewertung: 8

Review: #1.17 Mein ist die Rache

Diese Episode dreht sich ganz um das Thema Rache. Aufhänger des Ganzen ist Joans "Unterhosenfoto-Debakel", was zum Startschuss für eine von langer Hand geplante Vergeltungsaktion wird. Will muss sich ebenfalls mit seinen Rachegelüsten auseinandersetzen, während Helen lernen muss mit Kritik umzugehen.

Joan erträgt tapfer den Anblick von Adam und Iris als glückliches Paar. Ihre Eifersüchteleien versucht sie dabei auf Iris' 'Babystimme' zu schieben und nicht nur Grace ist klar, dass das nicht der wahre Grund für Joans abweisendes Verhalten ist. Umso erstaunlicher ist es, dass Iris zumindest zu Beginn der Folge über Joans Sticheleien hinweg sieht und sogar einen wesentlichen Beitrag bei ihrer Racheaktion gegen Angela, die das peinliche Foto von Joan gemacht hat, leistet. Und, ich muss sagen, Iris ist kein unsympathischer Charakter. Zumindest erscheint es nicht abwägig, dass Adam sich für sie interessiert, zumal beide die gemeinsame Leidenschaft für die Kunst verbindet.

Wills Polizeiszenen hingegen driften für mich langsam in die reinste Langeweile ab. Auch optisch nervt mich diese blaustichige Bildqualität, die offensichtlich eingesetzt wird, um Wills Polizeialltag von Joans bunter und eher leichtfüßiger Lebenswirklichkeit abzuheben. Ich finde es auch schade, dass Wills Charakter dadurch in diesen Szenen auch ein bisschen angestaubt wirkt. Einzig interessant an Wills Geschichte in dieser Folge war die Reaktion auf den alten Mann, der einen Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang verursacht hat. Dass er dem alten Mann zusätzlich schwere Vorwürfe macht, um diesen bewusst zu verletzen, und damit die bei dem Unfall getöteten Opfer zu rächen, ist eigentlich sehr untypisch für Will. Er wurde bis dato als überaus korrekt und integer präsentiert. Aber, niemand ist perfekt und auch Will hat augenscheinlich seine Schwächen. Es wurde wirklich Zeit, dass Wills Charakter ein paar Ecken und Kanten erhält, alles andere wäre für mich lebensfremd. Insgesamt trägt Wills moralischer 'Ausrutscher' definitiv zur Glaubwürdigkeit der Serie bei. Auch die Verbindung der Themen Rache und Gott bzw. Vergebung stellt sich für mich als sehr interessant dar. Insbesondere das Gespräch zwischen Will und Helen, in welchem die christliche Denkkonstruktion von Himmel und Hölle angesprochen wird, gibt den ein oder anderen Denkanstoß. Sehr süß ist in diesem Zusammenhang auch Wills Kommentar, er glaube an keinen Ort, an dem Helen nicht sei.

Wirklich gut gefallen hat mir in dieser Folge Helen alias Mary Steenburgen. Der Zeitungsverriss über ihre Kunstobjekte wirft sie zunächst völlig aus der Bahn, ist ihr aber zugleich Ansporn wieder aufzustehen. In gewisser Weise ist sie hierdurch gezwungen, sich neu zu definieren. Ihre Ansprache im Kunstunterricht über den Umgang mit Kritik beeindruckt. Mary Steenburgen überzeugt mich hier hundertprozentig.

Mein persönlicher Höhepunkt in dieser Folge ist jedoch die letzte Szene zwischen Joan und Adam. Nachdem die Racheaktion gegen Angela völlig in die Hose gegangen ist, sprechen sich Joan und Adam aus und kommen sich dabei näher. Adams Geständnis, er wolle doch nur, dass Joan ihn möge, ist sehr rührend. Joans Antwort hierauf, sie würde ihn mehr als nur mögen, verspricht eine spannende Wendung in der Dreiecksbeziehung zwischen Joan, Adam und Iris.

Auch die komödiantischen Einlagen kommen in dieser Folge nicht zu kurz: Friedman, der nach Joans Kugelschreiberwurf ganz benommen ist, und von Luke gestützt werden muss. Natürlich ebenso Joans vergebliche Bemühungen Schlagzeug zu spielen. Und, nicht zu vergessen, Joan und der Kampf gegen die Waschmaschine, den sie kopfüber verliert. Alles sehr witzig anzuschauen.

Fazit

Eine rundum gelungene Folge. So kennt und mag man die Serie. Nichts ist in dieser Folge überzogen. Diese Episode überzeugt mit einer gelungenen Mischung von Humor und Ernsthaftigkeit. Die Thematik Vergeltung und Vergebung ist nicht nur interessant, sie verknüpft auch alle Handlungsstränge zu einem stimmigen Ganzen. Den stärksten Eindruck hinterlässt bei mir in dieser Folge aber Helen, die zwar durch die Kritik an ihrer Kunst zunächst aus dem Tritt gerät, letztendlich dies jedoch zum Anlass nimmt, um sich auf sich selbst zu besinnen. Wie hieß es noch so schön in #1.13 Let's have a Party: "Recreate from time to time and redefine everything which has become undefined". Um nichts anderes ging es in dieser Folge. Auch Helens Sicht der Dinge ist aus den Fugen geraten, sie ist buchstäblich gefallen, jedoch trotz allem wieder aufgestanden.

Anne L. - myFanbase

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