Die 2. Staffel - Ein Rückblick

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Die zweite Staffel erreichte bei weitem nicht das Niveau der ersten, darüber waren sich Fans und Kritiker schnell einig. Doch woran lag es, dass die Staffel schwächelte?

Die Show lebte in der ersten Staffel von einem grandiosen Mysterium: Warum hat sich Mary-Alice umgebracht? Nahezu alle Charaktere wurden in dieses Mysterium verstrickt, ein jeder Bewohner der Wisteria Lane beschäftigte sich mit dem Problem und doch blieb der wahre Zusammenhang lange verborgen.

Das Mysterium der zweiten Staffel verlor schnell seinen Reiz. "Wer ist der Kerl, den Betty Applewhite im Keller gefangen hält und warum?" - zu abrupt wurde einem hier die Lösung präsentiert. Kein Wunder, dass die Fans sich schnell auf die Nebengeschichten stürzten, in der Hoffnung, ihre Gier auf Neues, Mysteriöses und Schockierendes zu befriedigen. Einige Geschichten ließen einiges erwarten, wurden dann jedoch fallen gelassen. Ich denke hier vor allem an die Fehlgeburt von Gabrielle. Zwar ist jetzt die Haushälterin schwanger, doch eine schwangere Gabrielle bleibt uns weiterhin leider verwehrt. Andere Geschichten waren amüsant, viele jedoch versumpften in purem Stumpfsinn. Dazu gehören für mich im Besonderen die Geschichten um Susan, die oft an den Rand des Erträglichen gingen.

Es fehlte der rote Faden, den man sich Ende der ersten Staffel, vielleicht sogar noch zu Beginn der zweiten durch den Einzug der Applewhites erhofft hatte. Fehlte Inspiration, fehlten Ideen? Zyniker könnten sogar meinen, die Serienmacher selbst wussten nicht recht, was sie mit ihrer begonnenen Geschichte anfangen sollten, denn plötzlich waren die Applewhites für mehrere Folgen verschwunden. Ab und zu blickte Betty traurig auf die Straße, während Matthew sich mit Danielle anfreundete und damit seiner Mutter zum Ärgernis wurde. Und plötzlich war das Geheimnis kein Geheimnis mehr und alle wussten über Caleb und den Tod einer gewissen Melanie Foster Bescheid. Und so verabschiedete sich die neue Familie am Ende der zweiten Staffel, ohne einen tiefen Eindruck hinterlassen zu haben.

Die lahme Story um die Applewhites war jedoch nicht der Tiefpunkt der Serie. Diesen setzte Teri Hatcher, mit einer grausamen Darstellung der verzweifelten Susan Mayer, die mal wieder Mist gebaut hatte. Heulend sitzt sie im Brautkleid auf der Straße und weint dem Mann hinterher, den sie soeben arglistig hintergangen hat. Daraufhin folgt das Hin und Her mit Ex-Mann/Ehemann Karl und dem jungen Arzt und gipfelt in einer Versöhnung mit Mike. Würde man diese Frau aus der Serie schreiben, niemand würde es merken, geschweige denn sie vermissen.

Gab es auch etwas Positives an Staffel 2? Natürlich. Vor allem die amüsanten und tragischen Vorkommnisse im Hause van de Kamp halfen der Serie, etwas von vom alten Gefühl aus Staffel 1 zu bewahren. Alkoholismus, eine Beziehung zu einem Mörder und der alltägliche Kampf mit Sohn Andrew machten Bree van de Kamp zu meiner Lieblingsfigur der zweiten Staffel.

Richtig zurück zu alten Stärken fand man jedoch erst in der letzten Folge #2.23 Erinnerungen. Das lag vor allem an der Idee, Flashbacks einzusetzen, die den ersten Tag unserer Protagonisten in der Wisteria Lane zeigten. Interessant, wie sie sich doch so gar nicht verändert hatten über die Jahre: Susan ist noch genauso stumpfsinnig unbeholfen, Bree noch genauso herrlich kontrollversessen, Lynette noch genauso verbittert über ihr Leben und Gabrielle noch genauso gierig nach Geld und Aufmerksamkeit wie früher.

Wohin bringt uns die letzte Folge? An das Ende einer schlechten zweiten Staffel oder an den Beginn einer dritten Staffel voller Hoffnung, dass alles besser wird? Die eingeschlagenen Pfade um Orson Hodge, Carlos' Betrug, Toms Kind und Pauls Verhaftung sind zwar nicht unbedingt neu, aber versprechen interessanten Stoff für neue Geschichten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Melanie Brandt - myFanbase