Bewertung: 9

Review: #2.01 Ein Oraler Ausrutscher

Foto: Madeline Zima, Madeleine Martin & Pete Wentz, Californication - Copyright: Paramount Pictures
Madeline Zima, Madeleine Martin & Pete Wentz, Californication
© Paramount Pictures

Es dauerte keine fünf Minuten, da habe ich mir schon die Frage gestellt, wie ich die letzten Monate überhaupt ohne diese Serie und ihren Humor auskommen konnte. Doch was soll man sich lange mit der Vergangenheit beschäftigen. "Californication" ist mit der zweiten Staffel zurück und verspricht viel Unterhaltung in der nächsten Zeit.

Happy End?!

Und dann lebten sie glcklich bis an ihr Lebensende. So hätte man nach der ersten Staffel aufhören können, doch natürlich wird es jetzt erst richtig interessant. Das Glück finden ist die eine Sache, das Glück halten eine ganz andere. Hank und Karen wollen dieses Mal natürlich alles besser machen, genießen ihr Sexualleben und haben Pläne für die Zukunft. Die zentrale Idee ist dabei, dass man nach New York umziehen wolle (heißt die Serie dann New Yornication?), was vor allem der gemeinsamen Tochter Becca so gar nicht gefällt. Diese befindet sich nun mitten in der Pubertät, in der es sowieso schon schwer ist, es einem Kind recht zu machen, ein Umzug ist in der Regel aber ein Horrorszenario. Hinzu kommt, dass Becca dem Frieden in der Familie nicht trauen will. Sie erwartet den nächsten Knall, was natürlich unglaublich belastend ist. Das Glück kann sie also gar nicht genießen. Für sie heißt es, den Alltag vergessen - und ordentliche Partys bieten sich da doch prima an. Genauso wie in der ersten Episode der ersten Staffel muss Hank seine Tochter von einer Party wegschleppen. Trotz der veränderten Vorzeichen ist also alles beim Alten. Das halte ich für einen gelungen dargestellten Zusammenhang.

Bleibt eigentlich nur die Frage, ob Hank denn nun auch wieder richtig schreibt. Sein zweites Buch ist inzwischen unter Mias Namen veröffentlicht worden und hat ihr einen Geldsegen beschert. Hank musste dies machtlos mit ansehen. Hat er inzwischen neuen Stoff oder muss er dazu erst wieder einiges durchleben? Er versucht immerhin, nun vieles besser zu machen, doch die Vergangenheit holt ihn ein.

Treueschwüre

Vielleicht ist sogar ein entscheidender Grund, warum Hank wegziehen will, die Tatsache, dass es in seiner Umgebung derzeit zu viele Frauen gibt, mit denen er sich schon vergnügt hat. Da er nun aber ausschließlich Karen im Kopf hat und auch sein Sexualleben in diese Richtung beschränken will, muss er sich ganz schön zusammenreißen. Seine Treue wird in dieser Episode vielfach auf die Probe gestellt. Wo wir letzte Staffel noch zig One Night Stands zu sehen bekommen hätten, gibt es diesmal Absagen. Das Venice Beach Girl und die Krankenschwester haben ihr bestes gegeben, aber Hank blieb standhaft. Ja er geht sogar noch einen enormen Schritt weiter und lässt sich, um dem Sex mit Karen nicht jedes Mal das Entpacken eines Kondoms voranstellen zu müssen, einer Vasektomie unterziehen. Ein sehr deutliches Zeichen, dass es Hank ernst meint. Doch was nützen alle guten Vorsätze, wenn es dann doch wieder ganz anders aussieht. Hank hatte aber auch ein Pech. Da verläuft er sich in dieser riesigen Villa und beglückt dann versehentlich die falsche Frau. Nach außen sieht es so aus, als hätte er sich keinen Deut gebessert. Verständlicherweise ist Karen also sauer, auch wenn es seltsam ist, dass sie schon wieder angezogen unten stand, statt in einem anderen Bett auf Hank zu warten. Hank versucht sich noch rauszureden, habe er seinen Irrtum doch sofort gemerkt, aber das ist eher vergebens, für den Zuschauer aber ungemein amüsant.

Überhaupt muss man sagen, dass die Serie sich selbst treu geblieben ist und mit großartigen Dialogen und dem gewohnten tollen Humor deutlich punkten kann. Gerade David Duchovny hat von den Autoren wieder Worte in den Mund gelegt bekommen, die häufig zum Lachen verpflichteten. Großartig. Überragen konnte dies nur der Abschluss der Episode, bei der Hank vom erbosten Polizisten mächtig eins in die frisch operierten Weichteile bekommen hat. Da hatte dann selbst Karen wieder Mitleid mit Hank. Immerhin hat sie ihn auch ein wenig in diese Lage gebracht. Die männlichen Zuschauer haben sicherlich sehr gelitten und doch konnte man sich auch hier ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dieser kleine Konflikt zwischen Karen und Hank könnte mit diesem Abschluss möglicherweise gelaufen sein, aber es zeigt sich, wohin die Staffel sich wohl entwickeln soll. Die Beziehung von Hank und Karen steht nicht auf tief einbetonierten Füßen und gerade die Vergangenheit tut den beiden sicherlich nicht gut.

Nebencharaktere

Sicherlich werden auch andere Schauplätze wieder eine große Bedeutung spielen. Die Problematik um Becca wurde bereits angerissen, eine um Mia wird es natürlich auch geben. Diese genießt vorerst ihren Reichtum, wird Hank aber sicherlich wieder in die Enge treiben, wenn ihr langweilig wird oder das Geld ausgeht. Hier wurde noch kein Fokus gelegt, Bill ist nicht mal ansatzweise in Erscheinung getreten, aber ich erwarte, dass wir auch aus dieser Richtung noch was hören könnten.

Auch Charlie und Marcy waren in dieser Episode nur eine Randerscheinung. Da auch ihnen in der ersten Staffel ein interessanter Handlungsstrang gehörte, erhoffe ich mir hier noch Vieles. Dass man die erste Episode aber nicht gleich überfrachtet, indem man mehrere Storylines parallel eröffnet, gefiel mir gut. So konnte man in Ruhe die wichtigste Sache richtig gut betrachten und wieder in die Szenerie hineinkommen. Schon in der nächsten Episode erwarte ich aber da inhaltlich mehr und ich glaube auch, dass ein neuer Charakter ebenfalls gut passen würde. Nach der starken ersten Staffel und diesem tollen Einstieg in die zweite, mache ich mir da aber kaum Sorgen, dass die Macher der Serie hier etwas gegen die Wand fahren könnten.

Fazit

Die erste Episode ist gleich wieder gefüllt mit Humor, tollen Dialogen und einem Handlungsstrang, der genau das richtige Tempo besitzt, um in die zweite Staffel hineinzufinden. Es ist kaum möglich, zufriedener zu sein.

Emil Groth - myFanbase

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