Bewertung: 7

Review: #9.20 Zerfallen zwischen Baum und Borke

Foto: Emily Deschanel & David Boreanaz, Bones - Copyright: 2014 Fox Broadcasting Co.; Patrick McElhenney/FOX
Emily Deschanel & David Boreanaz, Bones
© 2014 Fox Broadcasting Co.; Patrick McElhenney/FOX

Die Ermittler untersuchen den Tod einer jungen Frau, welche an der Krankheit Lupus gelitten hat und nun tot in einem Wald aufgefunden wurde. Wendell, der inzwischen mitten in der Chemotherapie steckt, assistiert bei dem Fall und findet plötzlich Parallelen zwischen ihm und dem Opfer, die für ihn schließlich ungeahnte Folgen haben.

"She was in constante pain, that's why she was self medicating." – "Self medicating? You mean... was she doing illegal drugs?" – "Oh God non, she was using cannabis to treat the pain."

Der Fall war vor allem im Bezug auf die Parallelen mit Wendell sehr gut gewählt. Gerade die Tatsache, dass man nicht versucht hat Wendells Leidensweg zu kopieren oder ihn vergleichsweise bei einer anderen Person darzustellen, indem man auch eine krebskranke Person in den Fall eingebaut hat, hat mir sehr gut gefallen. So beschränken sich hier die Parallelen auf die Schmerzen, welche bei beiden Krankheiten stark auftreten und den daraus resultierenden Cannabis Konsum aus medizinischen Gründen. Die Legalisierung des Cannabis Konsum sowie den Einsatz dieser Pflanze als Heilmittel wird ja auch hierzulande immer wieder diskutiert, obwohl hier der Cannabis Konsum sicherlich nicht ganz so verpönt ist, wie im eher konservativen Amerika. Trotzdem bildet natürlich gerade dieser Punkt eine interessante Grundlage für diese Folge und so schaffen es die Autoren wieder einmal bei Brennan und Booth schön Meinungsverschiedenheiten aufzuzeigen, so dass deren Beziehung ganz sicherlich nicht langweilig wird.

Abgesehen von der Cannabis Diskussion war der Fall für mich eher durchschnittlich, was jedoch im ganzen auf die Folge nicht unbedingt einen negativen Einfluss hatte, da man erstens an der Auflösung des Falles und zweitens an der Storyline rund um Wendell merkte, dass die Autoren das Thema "Cannabis als Heilmittel" in den Fokus der Folge stellen wollten, was ihnen auch gut gelungen ist. Dadurch, dass ein solches "Überthema", welches den Fall auch merklich beeinflusst hat, eingebaut wurde, wurde auch die Anzahl der Verdächtigen merklich reduziert, etwas was sonst öfter ein Schwachpunkt der "Bones"-Fälle ist, da sie sich viel zu oft einfach auf ein Verhör nach dem anderen reduzieren. Hier aber konnte man wieder einmal schön den Untersuchungen im Jeffersonian beiwohnen und die Diskussionen zwischen den Ermittlern über Teile des Falles kamen auch nicht zu kurz. Einzig die Spannung konnte im Fall nicht wirklich aufgebaut werden, was sicherlich einerseits auch darauf zurückzuführen ist, dass dem Opfer viel zu wenig Profil verliehen wurde und man so mit der jungen Frau überhaupt nicht mitfühlen und mitleiden konnte, so dass es einem eigentlich ziemlich egal war, wer sie getötet hatte. Andererseits lag es auch daran, dass einem schon ziemlich zu Anfang klar war, dass der Tod der Frau in Verbindung zu ihrem Cannabis Konsum gestanden hat und so das Motiv zwar nicht gegeben, die Richtung dahin aber ziemlich eindeutig war, so dass hier das Rätselraten ausgeblieben ist.

"I didn't come here to make you feel guilty. I just wanna you do know that I'm not a loser." – "I would never think that you're a loser. What you dealing with... forget that I'm an agent right now, I'm your friend and you shouldn't been punished for."

Der Handlungsstrang um Wendell hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Vielleicht hätte man noch etwas mehr auf seine Gefühle im Bezug auf seine Krankheit eingehen können, aber da die Zeit für alles einfach nicht reicht, haben sich die Autoren hier schön beschränkt und in seine Storyline gut auch die anderen Charaktere miteinbezogen. Vor allem war es schön, dass die Autoren auch dieses Mal die Beziehung von Booth und Wendell thematisiert haben und man schön merkt, dass sich zwischen den beiden Männern eine wirkliche Freundschaft entwickelt hat. Schon nur, dass Booth mit dem Gedanken spielt, Wendell nach dessen Freistellung vom Jeffersonian anzurufen, beweist wie wichtig ihm Wendell als Freund ist. Am besten gefallen hat mir dann aber das Gespräch zwischen den beiden Männern nach Wendells Freistellung. Hier spürt man einerseits deutlich wie viel Wert Wendell auf Booth' Meinung legt und wie wichtig ihm ist, dass er nicht schlecht von ihm denkt. Andererseits ist es natürlich auch so, dass Booth Wendell nie verurteilen würde, auch wenn dieser vielleicht mit der Krankheit anders umgeht, als er es tun würde. Für Booth ist aber klar, dass Wendell ein Kämpfer ist und er bewundert ihn dafür. Außerdem würde es gar nicht zu Booth Charakter passen, wenn er jemanden in der Situation in welcher Wendell gerade steckt, verurteilen würde. Schließlich kann er sich nicht in diese Situation hineinversetzen.

So hat mir das Gespräch der Beiden natürlich vor allem wegen dem Inhalt gut gefallen, doch fand ich auch die unausgesprochenen Gesten zwischen den beiden hervorragend dargestellt. Und ich muss hier sowohl David Boreanaz wie auch Michael Grant Terry ein Kränzchen winden, dass sie es hier geschafft haben, zwischen den Zeilen so viele Emotionen zu zeigen. So merkt man sofort wie beide Männer sich unbehaglich in ihrer Haut fühlen. Einerseits sicherlich weil sie eben Männer sind und dies ein sehr gefühlvolles, emotionales Thema ist und andererseits weil es Wendell peinlich ist, Booth zu offenbaren, dass er nicht will, dass dieser ihn als Schwächling sieht. Booth seinerseits fühlt sich nicht wohl mit Wendell über das Thema Cannabis zu diskutieren, ist er doch immer noch FBI Agent und ein Mann der an das Gesetzt glaubt und auch danach lebt. So ist es umso schöner, als Wendells wirkliches Anliegen dann schließlich aus ihm herausbricht und Booth ihm als Freund und nicht als FBI Agent zur Seite stehen kann. Für mich, die schönste Szene der ganzen Folge und ich kann nur hoffen, dass wir weiterhin solche Momente zwischen diesen beiden Männern beobachten dürfen

"I cannot believe that Cam fired him." – "Who fired somebody with cancer?"

Auch sonst wurden die Reaktionen auf Wendells Cannabis Konsum sehr charakterbezogen dargestellt. Während es für Hodgins absolut kein Problem darstellt und Brennan ihm die Methode zur Schmerzlinderung sogar vorschlägt, sieht Booth der Sache eher skeptisch entgegen, da für ihn der Konsum von Cannabis einfach illegal ist. Auch Cams persönliche Reaktion zeigt Verständnis, sie muss aber natürlich der Professionalität den Vorrang geben und Wendell solange er Cannabis konsumiert, von der Arbeit freistellen. Cams Reaktion beziehungsweise ihre Handlung ist absolut logisch und für jeden nachvollziehbar. Schließlich ist es ja auch nicht im Interesse der Ermittler, dass wegen so etwas die Täter welche sie überführen, davonkommen werden. Dass Hodgins wie auch Brennan mit der Entscheidung fürs erste nicht klarkommen, ist für mich noch nachvollziehbar. Denn die beiden sind zwar Genies auf ihrem Gebiet, haben jedoch Probleme solche Dinge zu sehen, was sicherlich auch der Grund ist, weswegen eben Cam und nicht etwa Brennan die Leiterin des Jeffersonian Instituts ist.

Wer mich jedoch wieder einmal mit ihrer Reaktion maßlos enttäuscht hat, ist Angela. Im Gegensatz zu Hodgins und Brennan die häufig in ihrer wissenschaftlichen Welt gefangen sind, erwarte ich von Angela, dass sie auch mal die andere Seite der Medaille ansieht und überlegt, welche Gründe Cam für ihre Entscheidung haben könnte. Aber statt sie ein bisschen nachdenkt, unterstützt sie Hodgins noch in seiner Wut auf Cam, ja verstärkt sie noch. In letzter Zeit konnte ich mich ja so langsam wieder etwas mit Angela anfreunden, doch mit solchem Verhalten macht sie gleich wieder einen Rückschritt und ich bin wieder mal der Meinung, dass man diesen Charakter so ziemlich kaputtgeschrieben hat.

Schön fand ich zum Abschluss, dass Booth und Brennan eine Lösung gefunden haben, Wendell weiterhin am Jeffersonian zu beschäftigen. Dass Cam sich darüber freut und ihr die Entscheidung Wendell freizustellen sicher nicht leicht gefallen ist, wird in der Szene klar, als sie Wendell wieder in Empfang nimmt und ihn in sein zukünftiges Büro führt.

"Next year I wanna go for 99 procent." - "Very ambitious." – You turn me into a monster."

Neben der Diskussion um den Cannabis Konsum, ein Thema das wie geschaffen war bei Brennan und Booth eine Meinungsverschiedenheit zu generieren, wird auch noch der jährliche Eignungstest des FBIs in den Handlungsstrang eingebaut. Natürlich liegt der Fokus überhaupt nicht auf diesem Test und trotzdem hat er ein paar schöne und typische Booth/Brennan Szenen gezaubert. So war es vorerst typisch für Booth, dass er viel Wert auf den körperlichen Teil des Testes legt und den mentalen, theoretischen Teil eher vernachlässigt beziehungsweise sich dort mit einer durchschnittlichen Bewertung zufriedengibt. Doch Brennan schafft es durch ein paar gezielte Bemerkungen in ihm den Kampfgeist zu wecken und so übt und übt er für diesen theoretischen Teil und siehe da, sogar zu Brennans Überraschung, schneidet er schließlich auch dort hervorragend ab.

Mir hat hier vor allem gefallen, dass wieder einmal gezeigt wurde, wie die Beiden einander motivieren können. Hier hat Brennan mal die Rolle des Motivators übernommen und es in ihrer eigenen Art geschafft, in Booth den Kampfgeist auf einem Gebiet zu wecken, das ihm bis jetzt gar nicht so wichtig gewesen ist. Es ist immer wieder hervorragend wie die Autoren es bei "Bones" schaffen, die Beziehung von Booth und Brennan nie langweilig werden zu lassen, die Spannung aufrecht zu erhalten, die Eigenschaften der einzelnen Charaktere nicht zu verfälschen und trotzdem so schön zu zeigen, dass die beiden einander ergänzen. Hier wird wirklich schöne Charakter- und Beziehungsarbeit betrieben. Großes Kompliment.

Fazit

Die Folge hat es schön geschafft den Fall und die Storyline um Wendell miteinander zu verknüpfen, indem ein gemeinsames Thema geschaffen wurde. Der Fall gehört sicherlich nicht zu den spannendsten von "Bones", doch fiel dies gar nicht so ins Gewicht, da der Handlungsstrang um Wendell schön ausgearbeitet wurde. Negativ war für mich eigentlich nur Angela, die wieder einmal egoistisch und unüberlegt handelt und nicht zum ersten Mal Cam dafür verurteilt, dass diese nur ihren Job richtig macht.

Maria Schoch - myFanbase

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