Bewertung: 7

Review: #8.22 Warum der Stripper nicht mehr strippt

Foto: Bones - Copyright: 2012 Fox Broadcasting Co.; FOX
Bones
© 2012 Fox Broadcasting Co.; FOX

Diese Episode ist einer der emotionalen Höhepunkte der Staffel und beschäftigt sich thematisch mit zeitlosen Klassiker, wie die Bewältigung einer schmerzhaften Vergangenheit und die Versöhnung mit der Familie. Gleichzeitig dreht sich der Mordfall der Woche um Finanzbetrug, das Geschäft mit Striptease und Sex, sowie die Oberflächlichkeit und Selbstsüchtigkeit der Gesellschaft, also Themen nahe am Puls der Zeit.

"So how is it going with your mom?" - "It`s great..."

Nach einer gefühlten Ewigkeit, kommt in dieser Episode wieder mal Booths Vergangenheit und Kindheit zur Sprache. Booth ist eine so starke, unerschütterliche Persönlichkeit, dass man leicht vergisst, dass er eine traumatische Kindheit voller Gewalt erlebt hat. Jetzt wird die emotionale, verletzliche Seite dieser Figur gezeigt, aber auch, wie Booth in der Beziehung mit Brennan seinen Halt, einen emotionalen Anker gefunden hat. Obwohl die beiden grundverschiedene Charaktere sind, steht ihre Liebe auf einem festen Fundament aus Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Verständnis. Auch die anderen wichtigen Beziehungen in Booths Leben, beispielsweise mit Sweets, werden gefestigt und es zeigt sich, wie stark mittlerweile das Band zwischen diesen beiden Figuren ist.

Wenn die eigene Mutter nach 24 Jahren wieder auftaucht, würde das vermutlich jeden aus der Bahn werfen, doch Booth reagiert freudig und schafft es sogar einige Zeit, die fröhliche Fassade aufrecht zu erhalten. Doch schlussendlich holen ihn die Wunden der Vergangenheit wieder ein und seine Wut gegenüber seiner Mutter, das Gefühl Verlassen und im Stich gelassen worden zu sein, brechen aus ihm heraus. Booths Verhalten ist verständlich und nachvollziehbar, es sind die zutiefst menschlichen Reaktionen eines verlassenen, lange unterdrückten Kindes, dass sich verzweifelt nach seiner Mutter sehnt.

Zuerst klammert er sich, wie auch seine Mutter, an die glücklichen Erinnerungen und versucht alles Negative unter den Teppich zu kehren. Er wehrt jede Kritik an seiner Mutter vehement ab und will sich seine Illusion einer heilen Welt nicht kaputt machen lassen. Als seine Wut schließlich durchbricht, plagen ihn Selbstzweifel und Angst, wie sein gewalttätiger Vater zu enden. All dies hat mir wieder einmal vor Augen geführt, warum Booth einer meiner Lieblingsfiguren ist. Hier hat man einen unglaublich vielschichtigen Charakter geschaffen, der Fehler macht, an sich zweifelt, schwach sein kann und doch immer die Stärke findet sein Bestes zu geben. Einer der schönsten und intimsten Augenblicke dieser Episode, ist der Moment, wenn Booth endlich seinen Panzer fallen lässt und Brennan sein Herz ausschüttet. Dieses Vertrauen beweist, dass hier zwei Gleichgestellte ein inniges Band geknüpft haben. Brennan reagiert, für ihre Verhältnisse, sehr emotional und verständnisvoll. Aufgrund ihrer eigenen Vergangenheit, kann sie die Situation und Booths Gefühle nachvollziehen und gibt ihm das Verständnis und die Unterstützung, die er braucht.

Brennan ist in dieser Episode wieder einmal sehr auf Psychologie fixiert und obwohl ihre Theorien, quasi Parodien auf Sweets` Arbeit, als witzige Momente präsentiert werden, so finde ich ihre ständige Kritik an Psychologie als Wissenschaft und Sweets im Besonderen, inzwischen nicht mehr lustig. Ich verstehe ja, dass Brennan eine sture Person mit eigenen Ansichten und enormem Intellekt ist, doch manchmal erstaunt es mich schon, wie jemand, der so intelligent ist, so engstirnig sein kann. Im Gegenzug sorgt Brennan für einige lustige Momente, beispielsweise wenn sie todernst und voller wissenschaftliche Begeisterung, historische Fakten über Striptease vorträgt und Booth mit der Aussage schockt, sie hätte früher einmal, im Rahmen ihrer Recherchen, Burlesque Striptease getanzt. Und trotz ihrer Unfähigkeit sich für Psychologie zu erwärmen, zeigt diese Episode doch, in welchem Maße, Brennan in den vergangenen Jahren emotional gewachsen ist. Ihr Verständnis sowohl für Booth, als auch für seine Mutter, ihr Versuch Booth zu beschützen und unterstützen und die Beziehung zwischen ihm und seiner Mutter zu retten, zeigt, wie sehr sich dieser Charakter entwickelt hat.

"The stripper was moonlighting as a stock broker?"

Der Mordfall der Woche ist zwar, was das Motiv und die eigentliche Tat angeht, nicht übermäßig spannend, doch das Milieu in dem sich der Mord ereignet, unterstreicht die Kreativität und das Einfallsreichtum der Autoren. Ein korrupter, narzisstischer Börsenmakler, der zur Selbstbestätigung und um seine übergewichtige Kindheit zu vergessen, professionell strippt, wird ermordet. Das Opfer, Jack Spindler, dessen Überreste in einem Abrissgebäude auftauchen, wird extrem unsympathisch dargestellt. Ein Narzisst, selbstsüchtig, nur auf den eigenen Vorteil bedacht, korrupt und ein Betrüger, bei so einem Opfer ist es schwer Mitgefühl zu haben. Überhaupt sind alle Menschen, also alle Verdächtigen in diesem Fall nicht sehr sympathisch.

Vielleicht spiegeln die Menschen, mit denen das Opfer sich umgeben hat, nur seinen eigenen Charakter wieder. Seine reiche, verwöhnte Freundin, sein allglatter, korrupter Boss und der Mörder: sein Kollege Storm, ein alternder Stripper, der verzweifelt an seiner Jugend festhält. Alle unglaublich oberflächlich und selbstsüchtig, ohne jeglichen emotionalen Tiefgang oder Charakter. Bei solchen Figuren wundert einen als Zuschauer auch nicht mehr, dass Jack und sein Boss in einen handfesten Finanzskandal mit wertlosen Aktien und betrügerischen Aktionen verstrickt waren. Die Ermittlungen sorgen im Jeffersonian für zahlreiche heitere Momente, Cam, die mit ansieht, wie Hodgins für Angela einen Striptease hinlegt, Hodgins und Wendell, die eifrig Versuche machen, Kämpfe nachstellen und wie stolze kleine Jungen ihre Ergebnisse präsentieren. Dazu wie üblich einige falsche Fährten, der wütende Verlobte einer Kundin, der Boss der Jack loswerden wollte, weil er zu viel wusste, die Freundin, die durch Jacks Aktienbetrug viel Geld verloren hat. Doch nein, letzten Endes war es Jacks Rivale Storm, dessen Klientenliste Jack gestohlen und dessen gesamtes Geld er an der Börse verloren hat. Nicht das einfallsreichste Motiv, aber nachvollziehbar.

Fazit

Eine Episode, die viel verspricht und tatsächlich einiges hält. Zwar hatte ich aufgrund der Ausgangssituation mehr von dem Fall der Woche erwartet, doch immerhin bekommt man einen soliden Mord, in den unsympathische, aber interessante Charaktere verstrickt sind. Doch was wichtig ist in dieser Episode, sind die emotionalen Momente zwischen Booth, seiner Mutter und Brennan. Als Zuschauer bekommt man einen Einblick in Booths Vergangenheit und seinen Charakter und die Episode macht Hoffnung, da sie zeigt, dass die Vergangenheit, die eigenen Eltern eine Person nicht definieren müssen.

Lea R. - myFanbase

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