Bewertung: 6

Review: #7.04 Menschliche Portionen per Post

Foto: Emily Deschanel & Eugene Byrd, Bones - Copyright: 2011 Fox Broadcasting Co.; Richard Foreman/FOX
Emily Deschanel & Eugene Byrd, Bones
© 2011 Fox Broadcasting Co.; Richard Foreman/FOX

Neben dem Fall der Woche, greifen die Autoren von "Bones" in dieser Folge einen sehr emotionalen Handlungsstrang, in welchen vor allem Booth involviert ist, auf. So kommt der Zuschauer zwar in den Genuss von David Boreanaz guten Schauspielkünsten und kann ein Blick in die Vergangenheit von Seeley Booth werfen, doch sind leider 40 Minuten für diese Storyline eindeutig zu kurz und so wirken einige Handlungsstränge am Schluss der Folge sehr unfertig.

"Welcome to the US-postale service kid."

Der Fall ist meiner Meinung nach vor allem eines: eklig. Denn die zerhackte Leiche, die anschließend in verschiedene Pakete gepackt und via Post verschickt wurde, macht beim Fund keinen sehr appetitlichen Eindruck mehr. Und auch die Vorstellung mit was und wie das Opfer umgebracht wurde, ist nichts für schwache Nerven. Zudem nahm der Fall in dieser Folge viel zu viel Platz ein, vor allem da nebenher ein so wichtiger und emotionaler Handlungsstrang lief und es häufig einfach genervt hat, wenn dieser wieder durch den Fall unterbrochen wurde.

So hätte es vollkommen gereicht, wenn man sich beim Aufklären des Falles auf ein Thema konzentriert hätte, nämlich auf den Lottogewinn oder auf das Versenden verbotener Substanzen. Dies hätte die Screentime des Falles reduziert und ihm vielleicht auch etwas mehr Pepp verliehen. Stattdessen wurden wieder einmal viel zu viele Verdächtige verhört, deren Aussagen die Ermittlungen jedoch meistens überhaupt nicht weiterbrachten. Ich denke da beispielsweise an das Ehepaar Burnside, dessen einzelne Verhöre nur einige Sekunden dauerten und deren Aussagen zum Schluss nicht ein winziges bisschen Relevanz hatten.

Sehr schade fand ich zudem, dass nicht mehr Zeit für die Rolle der ambitionierten FBI-Agentin Genny Shaw aufgewendet wurde. Denn Booth scheint ihr großes Vorbild zu sein und sie tut alles um ihm zu helfen und ihn zu beeindrucken. Es hätte mir sehr gut gefallen, etwas mehr Interaktionen zwischen Booth und Genny zu sehen. Doch natürlich war dafür die Zeit einfach zu knapp, was mich zu der Frage bringt, wieso man den Handlungsstrang mit Booth und seinem toten Vater nicht auf zwei Folgen ausgeweitet und den Fall in dieser Episode etwas weniger in den Mittelpunkt gerückt hat?

"Dr. Edison is there a probleme? You’re starring at my breasts."

Clark Edison hat abgesehen von dem Fall, an welchem er natürlich mitarbeitet, auch keine eigentliche Storyline erhalten. Ausser seiner eher peinlichen Interaktion mit Brennan und seinen Bemerkungen über ihre Brüste, kann man über seinen Charakter in dieser Folge nicht wirklich viel sagen. Wahrscheinlich ist auch Clark Edison dem Zeitmanagement in dieser Episode zum Opfer gefallen und so wurde seine Persönlichkeit sowie seine Eigenschaft entweder gar keine privaten Gespräche während der Arbeit zu akzeptieren, oder sich in alles und jedes einzumischen, darauf reduziert, dass er gegenüber Brennan von einer Peinlichkeit in die andere rutscht. Eigentlich sehr schade, denn ich mag Clark sehr gerne und ich hoffe bei seinem nächsten Gastauftritt bekommt er etwas und vor allem sinnvollere Screentime.

"Look you were my father. He was never there for me. You raised me, not him. He was never there. Understand? You don’t have to defend him to me." – "I wasn’t. I was just trying to remind you that he was my son."

Der Handlungsstrang, welcher mir mit Abstand am besten gefallen hat, der leider aber auch etwas der Kürze der Episode zum Opfer gefallen ist, ist derjenige um Booth, seinen Großvater und den Tod seines Vaters. Dass Booth keinen Kontakt mehr zu seinem Vater hat, wissen wir als "Bones"-Fans schon länger, auch ist bekannt, dass Booth aus diversen Gründen nicht gerade freundliche Gefühle gegenüber seinem Vater hegt. Aus dieser Sicht betrachtet, ist es nicht wirklich überraschend wie Booth auf die Nachricht vom Tode seines Vaters reagiert, auch wenn natürlich nicht nur Brennan und Hank sondern auch die Zuschauer merken, dass es ihn nicht so kalt lässt wie er nach außen hin tut.

Hank hat mir unglaublich gut gefallen, sein Umgang mit Booth zeigt richtiggehend wie sehr er den Jungen liebt, und dass er ihn in jeder Hinsicht als seinen Sohn betrachtet. Ich fand die Szenen zwischen den zwei Männern, abgesehen von der Schussszene zwischen Booth und Brennan, auch mit Abstand die besten der ganzen Folge. Auch wenn Hank von seinem Sohn sicherlich auch unglaublich enttäuscht ist, so trauert er natürlich trotzdem um diesen und so schmerzt es ihn auch, als Booth absolut gleichgültig auf die Nachricht vom Tode seines Vaters reagiert. Der Prozess, den es braucht bis Booth genau dies realisiert dauert eine Weile und genau deswegen hätte ich mir gewünscht, dass dieser Handlungsstrang über mindestens zwei Folgen angedauert hätte.

So merkt man zum Beispiel, dass Booth beim Gespräch in seiner Küche mit Hank zwar nach und nach realisiert, dass sein Großvater um seinen Sohn trauert, doch dringt noch nicht ganz durch, dass Hank sich in gewisser Weise auch als Versager fühlt, da er seinem eigenen Sohn nicht helfen konnte. Später als Hank Booth den Brief seines Vaters vorliest, wird dies ihm schon etwas klarer, doch fehlten mir dazwischen sowie auch nach diesem Gespräch Szenen in denen gezeigt wird, wie Booth mit dieser Erkenntnis zur Beziehung seines Großvaters, den er so liebt, und seines verhassten Vaters umgeht.

Was mir jedoch im Bezug auf diese Storyline besonders gefehlt hat, war Sweets Einmischung. Ich kann fast nicht glauben, dass er so gar nichts zum Tode von Booths Vater gesagt hat, schließlich versucht er sonst immer seine psychologischen Fachkenntnisse spielen zu lassen und aufgrund dessen, dass er und Booth inzwischen richtig gut befreundet sind, habe ich hier sogar ziemlich viel erwartet. Die Ausrede, dass Sweets nichts von Booth Verlust mitbekommen hat, lasse ich nicht gelten, denn schließlich wusste sogar Agent Shaw darüber Bescheid. Also ist eine Szene zwischen Sweets und Booth auch wegen mangelnder Zeit weggefallen oder noch schlimmer, sie wurde einfach vergessen. Beides unverzeihliche Fehler.

"I should be able to help Booth. Should I?"

Genauso hätten auch Brennans Selbstzweifel längere Screentime verdient. Denn abgesehen von der Folge #7.03 The Prince in the Plastic sind Selbstzweifel etwas was Brennan sechs Staffeln lang eigentlich nie gezeigt hat. Doch nun steckt sie mit ihrer Schwangerschaft und nun auch noch mit Booth’ Verlust plötzlich in Situationen, mit denen sie sich nie abgeben musste und natürlich tauchen da immer wieder Zweifel daran auf, dass sie fähig ist damit umzugehen. Ich fand es erneut sehr schön, dass sie sich auch dieses Mal bei Angela Rat sucht, so wird diese doch ab und zu in einen Handlungsstrang, abgesehen von dem des Falles, involviert.

Angelas Ratschlag war schließlich genau der Richtige, auch wenn Brennan zu der Zeit wahrscheinlich gar nicht richtig wusste, was sie damit anfangen sollte. Deswegen wäre es natürlich hier auch interessant gewesen, wie sie sich damit auseinandersetzt und wie sie etwas versucht zu finden, was nur sie Booth geben kann. Denn ich nehme nicht an, dass gerade bei Brennan, solche Worte und Gesten einfach spontan und aus der Situation heraus entstehen.

"You do have some good memories of your father. You told me that."

Denn zum Schluss konnte Brennan, Booth Erinnerungen an seinen Vater zurückgeben und zwar Erinnerungen, die ihm sonst niemand ins Gedächtnis zurückrufen konnte, weil er sie eben nur ihr erzählt hat. So konnte sie Booth helfen und zwar so wie ihm sonst niemand hätte helfen können. Die Schlussszene war unglaublich emotional und hat es sicher geschafft, dass die Augen einiger Zuschauer etwas wässerig wurden. Bei mir hat es David Boreanaz auf alle Fälle geschafft, dass ich es Booth gleichgetan habe und auch ein paar Tränen von meinen Wangen wischen musste.

Doch nicht nur Booth Reaktion auf seine Erinnerungen mit seinem Vater und auf die Fotos und Briefe, die er in der Kiste fand, waren gefühlvoll und machten die Großartigkeit dieser Schlussszene aus. Nein, auch Brennan hat unglaublich viel dafür getan und hat wieder einmal gezeigt, wie sie im Bezug auf Booth ihre gefühlvolle Seite zum Vorschein bringen kann und ich glaube, genau diese Tatsache zeigt mehr als alles andere, wie sehr sie Booth liebt und sich bemüht, ihm eine gute Freundin und gleichwertige Partnerin zu sein.

Fazit

Eine Folge, die zwar mit sehr guten Handlungssträngen aufwartet, das Potential dieser leider jedoch nicht ausschöpfen konnte. Vielleicht lag es jedoch auch einfach daran, dass versucht wurde, zu viele Informationen und allzu emotionale Handlungsstränge in eine Folge zu packen, anstatt, wie es meiner Meinung nach besser gewesen wäre, wenigstens für den Handlungsstrang mit Booth und dem Tod seines Vaters, zwei Episoden zu verwenden. Am meisten enttäuscht war ich jedoch davon, dass Sweets bei einer Storyline, die regelrecht auf seinen Charakter zugeschnitten gewesen wäre, einfach außen vor gelassen wurde. Von daher war die Folge, trotz der emotionalen Schlussszene und der sehr guten Interaktion zwischen Booth und Hank, im großen und ganzen eher enttäuschend.

Maria Schoch - myFanbase

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