Bewertung: 7

Review: #2.02 Kuchen

Foto: Bob Odenkirk, Better Call Saul - Copyright: Ben Leuner/Netflix
Bob Odenkirk, Better Call Saul
© Ben Leuner/Netflix

Es gab einmal eine Staffelpremiere von "Mad Men", die bedeutungsschwanger mit den Worten "Who is Don Draper?" eingeleutet wurde. Diese Frage schwang in der Folgezeit dann lange im Hintergrund der Serie mit und ich musste beim Schauen von #2.02 Kuchen der Serie "Better Call Saul" wieder an deren Bedeutung denken. Natürlich in Bezug auf Jimmy und die Frage, welche Version seiner Identität ihn am besten repräsentiert. Ist es der gewiefte aber ehrliche und um seine Mitmenschen besorgte Jimmy MCGill? Ist es der Trickser Slippin' Jimmy, der sich die richtigen Opfer sucht um selbst mit wenig Arbeit aber viel Fantasie über die Runden zu kommen? Oder ist es doch Saul Goodman, der jegliche Vorstellung von Moral und Ehre über Bord geworfen hat, der sich in Staffel 2 der Serie unaufhaltsam seinen Weg in Jimmys Leben bahnt? Über Gene, den Mann bei Cinnebon in Omaha wissen wir noch nicht viel, aber vielleicht ist dieses Fehlen von herausstechenden Charaktereigenschaften ja das, was diesen am Ende ausmacht.

Jimmy, wie wir ihn aus der ersten Staffel kennen, hat sich nun für den ehrbaren Job bei Clifford & Main entschlossen. Warum er sich aber wirklich dafür entschieden hat, kann man als Zuschauer nur ahnen (klar ist nur sein Hauptantriebsfaktor, seine Bewunderung für Kim) , und ob er nun nach dem Umlegen des Schalters am Ende von #2.01 Wechsel versucht seine Grenzen auszutesten und wie sich dies auswirkt, bleibt noch im Unklaren. Wirklich in seinem Element ist er dabei jedenfalls nicht, was hier vor allem durch zahlreiche optische Schlüsselbilder verdeutlicht wird. Ob es die Tatsache ist, dass sich Jimmys neuer, schicker Firmenwagen zwar wunderbar eignet um damit vor seiner ehemaligen Vermieterin anzugeben, er aber nicht zu Kims Geschenk passt. Oder dass Jimmy nun selbst unter einem Sonnendach sitzt, bei dem man subtil an den berühmten "Chicago-Sunroof-Prank" erinnert wird. Wie immer bei "Better Call Saul" steckt der wahre Kern in den Details und den Kleinigkeiten, wobei hier aber vor allem die Grundlage für weitere Handlungen gelegt wurde, ohne dass diese Details jetzt schon wirklich ihre Bedeutung gezeigt haben.

Denn offensichtlich ist Jimmys neue berufliche Konstellation durchaus problembehaftet, was nicht nur an Chucks Auftauchen inmitten der Verhandlungen von HHM und Clifford & Main liegt. Das dieses bei seinem Bruder aber die Wirkung nicht verfehlt hatte, war deutlich zu erkennen. Ob Jimmys sich auch ohne seine Wut auf Chuck auf einen von moralisch-flexiblen Auftrag Mike eingelassen hätte ist fraglich, als er aber einmal dabei ist, den selten dämlichen Dan Warmolt herauszuhauen, ist er jedenfalls voll in seinem Element und spinnt wieder einmal die abstrusesten Geschichten.

Mike muss sich derweilen mit der Realitätsverweigerung von Dan Warmolt auseinandersetzen, was diesen wieder in die direkte Nähe von Nacho bringt. Dieser Handlungsstrang bereitet wahrscheinlich nur die weitere Geschehnisse vor und bringt Mike tiefer ins kriminelle Umfeld, sorgt aber hier vor allem für viel Humor. Ich hab mich über Mikes Austausch mit Nacho jedenfalls köstlich amüsiert, ebenso natürlich über Jimmys Cobbler-Ausrede.

Am Ende bringt Kim Jimmy und damit auch uns Zuschauer wieder auf den Boden der Realitäten zurück. Denn solange Jimmy nur Storys erzählt, bewegt er sich im Rahmen seiner legalen Möglichkeiten, als er aber beginnt offensiv Beweise zu fälschen, riskiert er damit eben seine Anwaltslizenz. Wieweit es Jimmy mit seinen Spielchen am Rande des Erlaubten noch treiben wird, wird sich erst noch zeigen. Kim wird ihm dabei jedenfalls nicht zur Seite stehen, wie sie hier klar deutlich macht.

Randnotizen

  • Interessant waren an dieser Episode, wie schon mehrfach erwähnt, die vielen kleinen Details. Dazu gehören Dinge wie die Verbindung von Chuck zu Clifford Main über die Musik: Beide Autoritätsfiguren in Jimmys Leben spielen in dieser Episode Instrumente, wobei bei Chuck natürlich auch noch der Name am Rande seiner Noten (Rebecca) Fragen aufwirft.
  • Das "Better Call Saul"-Team hat wie schon in der letzten Staffel wieder einmal viel Spaß beim Casting der Nebenrollen. Waren Julie Ann Emery und Jeremy Shamos als die Kettlemanns die MVPs der zweiten Reihe aus Staffel 1, zeigt sich aktuell Mark Prosch aktuell als komödiantisches Highlight. Wie er da so völlig unschuldig im Hintergrund des Verhörraums herumspaziert, während Jimmy die abstrusesten Storys erzählt, war einfach nur köstlich.
  • Kim Geschenk an Jimmy mit den Worten "Second Best Lawyer" stößt bei Jimmy nur auf wenig Gegenliebe. Sie hat damit offensichtlich Jimmy als Nummer 2 hinter ihr gemeint, das dies aber Jimmy unweigerlich an Chucks Missbilligung für ihn erinnert, hatte sie dabei offenbar nicht bedacht.



Cindy Scholz - myFanbase

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