Bewertung: 9

Review: #1.06 Bullen

Foto: Jonathan Banks, Better Call Saul - Copyright: Ursula Coyote for Netflix, Inc.
Jonathan Banks, Better Call Saul
© Ursula Coyote for Netflix, Inc.

"I broke my boy!" Dieser einfache Satz fast Episode #1.05 Bullen eigentlich am besten zusammen. Jeder, der "Better Call Saul" gesehen hat wird sicher auch noch Jahre später bei diesen Worten sofort an Mikes tränenreiches Geständnis denken müssen und eigentlich kann man Jonathan Banks Leistung mit anderen Worten gar nicht gerecht werden. Dass Banks ein hochklassiger Schauspieler ist und er, egal ob schweigend oder im Dialog zu Höchstleistungen fähig, wissen alle "Breaking Bad"-Fans seit langem. Aber "Better Call Saul" hat den Darstellerveteranen bisher nur sehr spärlich eingesetzt. Die Versuchung lag sicher nahe, ihn schnell in eine Art Buddy-Team mit Jimmy zu stecken und ihn so schneller ins Geschehen zu integrieren. Aber man hat sich dafür entschieden, sich auf Jimmys Hintergrundgeschichte zu konzentrieren und seiner Zusammenarbeit mit Mike den Raum zur Entwicklung zu geben, den diese braucht. Und auch jetzt sind wir einer solchen noch nicht unbedingt näher gerückt. Dafür haben wir Mikes Hintergrundgeschichte erfahren, die bisher immer nur angedeutet wurde.

Mit solchen ominösen Backstorys ist es oftmals so eine Sache, meist wird die Auflösung einer solchen dem vorher erzeugten Hype nicht wirklich gerecht. Aber "Better Call Saul" ist es gelungen, eine glaubwürdige und gleichzeitig absolut berührende Hintergrundgeschichte für Mike zu finden. Dabei hat man zudem den feinen Grad gefunden, an dem wir als Zuschauer sehen, dass es für Mike kein zurück in sein altes Leben gibt, die uns ihn aber nicht verurteilen lässt. Die Umstände, unter denen sein Sohn Matty ums Leben kam sind herzzerreißend und es ist klar, dass Mike sich dafür fast ebenso verantwortlich fühlt, wie die beiden korrupten Bullen aus Philadelphia es sind.

#1.06 Bullen (bzw. im Original "Five-O") fungiert dabei wie eine Kurzgeschichte im Gefüge von "Better Call Saul". Sie ist nahezu losgelöst vom restlichen Geschehen, Jimmy selbst taucht nur für einen kurzen Moment im Mittelteil auf (wo Bob Odenkirk durch seine großartig gespielte Reaktion auf Mattys Geschichte aber wieder einmal glänzen kann). Dass das so gut funktioniert liegt an zwei Faktoren, Jonathan Banks und dem wunderbaren Drehbuch von Neuling Gordon Smith (der hier sein erstes Script überhaupt abliefert). Jonathan Banks trägt allein mit seinen Blicken und seiner Körpersprache einen Großteil dieser Episode, als er dann aber in seinem Geständnis vor Tracey gefordert wird, zusammenzubrechen, liefert er seine absolute Meisterleistung ab.

Mit der Veränderung des Blickwinkels der Serie in dieser Episode von Jimmy auf Mike, hat sich automatisch auch der Ton verändert. Nachdem die letzte Folge noch von viel Humor und durchaus auch einer gewissen Leichtigkeit geprägt war, überwiegt hier ein viel ernster Tonfall. Lediglich Jimmy darf vor Mikes Verhör einen kurzen Witz reißen ("I'm a young Paul Newman dressed as Matlock!"), abgesehen davon befinden wir uns aber ganz klar in einer dramatischen Umgebung. Ich möchte auf den Humor nicht dauerhaft verzichten, aber hier war es absolut passend, und auch wenn Jonathan Banks durchaus bewiesen hat, dass er sehr komisch sein kann, seine dramatischen Fähigkeiten sind doch seine wahre Stärke. Und Vince Gilligan und Co. Müssen sich doch manchmal fühlen wie an Weinachten und Ostern zusammen, wenn sie immer wieder sehen, welches Schauspieltalent sie seit Jahren um sich scharen.

Wahrscheinlich wird es nach diesem einen Ausflug komplett in Mikes Welt, ab der nächsten Woche wieder mit Jimmy und dessen Versuchen, als Anwalt de großen Erfolg zu finden und sich vor seinem Bruder als würdiger Partner zu erweisen, weitergehen. Nach dieser Episode bin ich aber noch gespannter als vorher, wie diese am Ende zu einer Zusammenarbeit mit Mike führen wird, und wie dessen langer Abstieg vom Polizisten zum Cleaner der Schwerverbrecher von statten ging. #1.05 Bullen stellt aber zweifelsohne das bisherige Highlight der noch jungen Serie "Better Call Saul" dar, wobei die Tatsache, dass es sich bei der Folge um eine derartig ungewöhnliche handelt, ein absolutes Kompliment ist.

Cindy Scholz - myFanbase

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