Bewertung: 4

Review: #4.04 Edward Mordrake (2)

Foto: Jessica Lange, American Horror Story: Freak Show - Copyright: Frank Ockenfels/FX
Jessica Lange, American Horror Story: Freak Show
© Frank Ockenfels/FX

Irgendwie will diese vierte Staffel von "American Horror Story" nicht so richtig anlaufen. Nach vier Episoden fühlt sich es sich immernoch so an, als wären wir weiterhin mitten in der Exposition der Hauptcharaktere und der Festlegung der storytechnischen Grundstrukturen stecken geblieben, doch in Sachen Weiterentwicklung geht weder auf Figuren- noch auf Storyebene wirklich etwas voran. Auch im zweiten Teil der Halloween-Doppelfolge, #4.04 Edward Mordrake, Pt. 2, wird das Tempo enorm gedrosselt und anstatt wirkungsvollen Horrormomenten liefert man uns Pseudo-Schocker, die zu extrem und zu gewollt sind, als dass sie tatsächlich funktionierten.

"It's not your talent that renders me speechless, it's your delusional ignorance."

Mordrake wandert also weiterhin durch die Halloweennacht und sucht seinen Freak, den er mit auf die andere Seite nehmen kann. Dass diese Suche vor allem dazu dient, die Hintergrundgeschichten der einzelnen Charaktere im Gespräch mit Mordrake zu offenbaren, wurde bereits in der letzten Folge mit Ethel demonstriert, und diesmal sind neben Elsa und Twisty erfreulicherweise auch die bisher weniger im Rampenlicht stehenden Figuren Paul und Suzi an der Reihe. Sie bekommen Besuch von Mordrake und dürfen ihre traurigen wie schrecklichen Geschichten erzählen: Beide sind sie Verstoßene aus der Gesellschaft, beide sind sie Überlebende der Großen Depression, und beide haben sie in Elsas Freak Show den ersehnten Zufluchtsort gefunden. Vor allem Mat Fraser überzeugt als Paul und macht ihn im Handumdrehen innerhalb nur einer Szene sympathischer als die meisten Hauptcharaktere zusammen.

Elsas und Mordrakes Zusammentreffen ist zunächst von einem riesigen Missverständnis geprägt, denn Elsa glaubt, Mordrake sei der von Maggie prophezeite Mann, der sie zum Starruhm bringen wird. Mordrake schreibt dies völlig zurecht Elsas unglaublicher Überheblichkeit und Ignoranz zu und macht sich dann daran, ihre dunkelsten Geheimnisse zu erfahren. In der Tat ist Elsas Rückblick ins Jahr 1932 von enormer Brutalität und Perversität geprägt, wobei ein Sadomaso-Zimmer mit einer mit Nadeln übersäten Klobrille noch zu den "erträglicheren" Dingen gehört. Beim Snuff-Film hört es dann aber wirklich auf. Natürlich ist Elsas Geschichte von dem Verlust ihrer Beine unbeschreiblich grausam, schockierend und barbarisch, doch hier überschreiten die Macher mal wieder eine Grenze, nur um der Überschreitung willen. Schockieren, um zu schockieren. Pure Provokation ist das, wirkliche storytechnische Substanz hat das ganze aber nicht.

Am Ende ihrer Geschichte ist Elsa schließlich sogar bereit, mit Mordrake in den Tod zu gehen, so tief sitzt ihre Verzweiflung. Das ist verständlich – doch wäre es noch besser, wenn diese Verzweiflung auch tatsächliche Auswirkungen auf Elsas Handlungen hätte. Denn kaum ist Mordrake weg und verschont ihr Leben, um sich Twisty zu schnappen, verfällt Elsa wieder in alte Verhaltensmuster, schikaniert Bette und Dot, lässt sich von Stanley aka Hollywood-Scout Richard Spencer besäuseln, und tut so, als wäre nichts gewesen. Das Intermezzo mit Mordrake hat somit null Komma nichts gebracht, denn Elsa ist weiterhin gierig nach Glamour und Ruhm, Snuff-Film hin oder her.

"I have met many a craving killer, many a sniveling coward in my time. But every one of them could admit the blackness in their own hearts when the hour came. You have caused the demon to weep."

Der zweite große Protagonist der Episode ist Mörderclown Twisty, der ganz überraschend zu Mordrakes Halloweenopfer wird. Dies jedoch nicht, bevor auch er von seiner Vergangenheit erzählen darf. Der Versuch, Twistys psychopathische Handlungen dadurch zu rechtfertigen, dass ihm selbst viel Unglück und Ungerechtigkeit widerfahren ist, glückt durchaus, und lässt den Mörderclown im Nachhinein vor allem als eine überaus bemitleidenswerte Kreatur erscheinen. "American Horror Story" spielt immer wieder gerne mit dem Motiv des Machtausgleichs zur Überwindung/Vertuschung der eigenen Schwäche – man sucht sich ein Opfer, um selbst nicht das Opfer zu sein. Egal ob Freaks gegen Freaks (die Kleinwüchsigen gegen Twisty), Männer gegen Frauen (der impotente Dell missbraucht Desiree) oder die Gesellschaft gegen soziale Außenseiter (Jupiters Bürger gegen die Freaks) – es geht immer wieder um Macht und deren Erhaltung im weiteren Sinne.

Letztlich ist klar, dass Twisty vor allem für eines diente: nämlich um ein Gegenpaar aufzubauen. Auf der einen Seite haben wir den mittlerweile völlig außer Rand und Band geratenen Dandy, der endgültig zum Mörderclown mutiert und das tapfere Hausmädchen Dora eiskalt umbringt. Dandy ist nun der große Fiesling, der psychopathische Bösewicht im Clownskostüm, der mit Jimmy noch eine Rechnung offen hat. Jimmy hingegen ist der große Held dieser Episode, der nicht nur die drei Gefangenen Bonnie, Corey und Mike aus Twistys und Dandys Händen befreit, sondern auch noch auf dem besten Wege ist, das Herz der schönen Dame zu erobern (wer das hätte das gedacht). Doch so richtig packend oder Gänsehaut verursachend war diese nächtliche Exkursion nicht. Dandy und Twistys Zirkusshow im Wald war absurd und grotesk, ja, aber gruselig ist was anderes.

"Ladies and gentlemen, one and all, we would like to invite you to our grand performance tonight."

Nach dieser Episode muss das Fazit für den Halloween-Zweiteiler leider lauten: sauer, nicht süß. Die Folge führt die langwierige, mittlerweile schon endlos erscheinende Exposition in das Universum von "Freak Show" relativ unspektakulär weiter, bringt die Story in Jupiter aber leider immernoch nicht richtig in Fahrt. Als Schocker gedachte Szenen entpuppen sich als mutwillige Provokation und trotz extensiver Hintergrundgeschichten erscheinen die meisten Charaktere, allen voran Elsa, leider immernoch recht eindimensional. "American Horror Story" muss jetzt endlich mal ein paar Gänge hochschalten und sich überlegen, welche Geschichte es eigentlich erzählen will. Vielleicht gibt es dann auch wieder Süßes, statt Saures.

Maria Gruber - myFanbase

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