Bewertung: 6

Review: #5.11 Sonnenuntergang

Man stelle sich vor, der gute Moses wäre gerade dabei, seine Sandalen zu schnüren, um die Israeliten aus Ägypten zu führen, da würde plötzlich ein Typ auftauchen, der behauptet, er wäre derjenige, der dazu auserwählt ist, das Rote Meer zu teilen und die Leute per 40-Jährigem Wüstenmarsch ins gelobte Land zu führen. Oder man male sich aus, neben Artus hätte noch ein zweiter Mann am Stein gestanden und am Schwert Excalibur gerüttelt. So etwas geht natürlich nicht. Wer der Auserwählte ist, der Choosen One, wie man im englischsprachigen Raum so schön sagt, der darf per Definition davon ausgehen, keine Konkurrenz zu haben. Innerhalb der Vampirautorität sieht das aber ganz anders aus. Die ominöse Lilith kürt einen Choosen One nach dem anderen.

Ein Nest voller Auserwählter

Sowohl Bill als auch Salome und Kibwe haben im Wortlaut identische Visionen von Lilith, so dass sich jeder von ihnen für den einen Auserwählten hält, der das gesamte Blut der Urvampirin trinken darf. Als Bill erfährt, dass Kibwe ihm die Position als göttlichen Liebling streitig macht, tötet er ihn ohne zu zögern. Das ist beileibe nicht Bills einzige Untat in dieser Episode. Er will Jessica dazu zwingen, Jason in einen Vampir zu verwandeln, und schlägt sie, als sie sich gegen diesen Befehl stemmt. Jessica erlebt damit ein trauriges Abbild ihres menschlichen Familienlebens, denn auch ihr leiblicher Vater war bekanntlich ein religiöser Despot, der sie verprügelt hat.

Von dem Bill früherer Tage ist nicht mehr viel übrig geblieben und man fragt sich, wie die Autoren es schaffen wollen, aus ihm wieder einen Sympathieträger zu machen. Pam liefert indessen für das Verhalten von Bill und den anderen Lilith-Anhängern eine Erklärung, die einen Bogen zurück zur ersten Staffel schlägt. Damals haben wir erfahren, dass Vampire, die in Nestern zusammenleben und sich zusammen ernähren, dazu neigen, dem Wahnsinn zu verfallen. Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. Dies ist sicherlich ein guter Ansatz, kann aber nicht die einzige Erklärung für die Vorkommnisse sein. Was hat es mit diesem Blut von Lilith auf sich? Warum weckt es identische und zum Teil auch zeitgleiche Visionen? Ich hoffe natürlich, dass das Staffelfinale alle Fragen beantwortet, aber ich habe leise Zweifel daran, dass dafür genug Zeit bleibt.

Nora scheint sich durch die Vision von Godric wieder gefangen zu haben, aber es gab in dieser Staffel bereits zuviel Verrat und Täuschung, um an dieser Stelle auf das Verb scheint gänzlich zu verzichten. Es sieht aber doch sehr stark danach aus, als wäre Nora von ihrem religiösen Trip runter und würde Hand in Hand mit ihrem Bruder gegen die Autorität vorgehen. Man wünscht dies Eric, für den es nun immerhin auch darum gehen wird, Pam zu retten.

Der Kampf der Elfen

Sookie spornt die Elfen an, sich nicht länger zu verstecken, sondern Russell zu bekämpfen. Von alleine wird der allseits gefürchtete Vampir definitiv nicht damit aufhören, die Elfen zu jagen. Als sich die Elfenälteste, von der Sookie Informationen über den makaberen Vertrag bekommen wollte, dann Russell stellt, lässt sie sich enttäuschend leicht von ihm besiegen. Sookie, die nur eine Halbelfe und noch keine 30 Jahre alt ist, wehrt sich seit Monaten tapfer gegen Vampire, Hexen, Geister, Werwölfe, Mänaden und schlechte Menschen und diese Jahrhunderte alte Vollelfe hält keine Minute gegen Russell durch? Etwas schwach, wie ich finde. Oder war es womöglich Absicht und die Elfe hat sich als Teil eines alles entscheidenden Plans selbst geopfert? Das wäre zur Ehrenrettung der Elfengattung fast schon zu hoffen.

Meiner Ansicht nach sollte Russell diese Staffel nicht überleben. Er ist der bislang beste "True Blood"-Bösewicht, daran gibt es nichts zu rütteln, doch aufgrund seiner Stärke und seiner Ausnahmestellung kann er eigentlich nur siegen oder besiegt werden, ein überzeugendes Dazwischen erscheint mir relativ schwierig zu bewerkstelligen.

Die Herveaux' und die Baby-Vamps

Was macht eigentlich Alcide, während sich Elfen, Menschen, Gestaltwandler und andere Vampire gegen die Vampirautorität zur Wehr zu setzen versuchen? Er baut einen Silberzaun um den Wohnwagen seines Vaters und kämpft mit drei Baby-Vampiren, die er schließlich mit Hilfe seines Dads zur Strecke bringt. Hm. So richtig sinnvoll kommt diese ganze Vater-Sohn-Zusammenführung jetzt nicht rüber. Alcides Vater Jackson hat sein Rudel verloren, weil er es bestohlen hat, was nun auch keine sehr spannende Auflösung ist, und dass Jackson seinem Sohn zur Hilfe kommt, als diesem Ungemach durch Vampire droht, erscheint mir nicht als besonderer Moment der Erkenntnis und der psychologischen Bewältigung, sondern als ziemlich simpler, um nicht zu sagen selbstverständlicher Akt der Vaterliebe. Auch Väter, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, sehen in der Regel nicht tatenlos zu, wie ihr Kind gefressen wird. Hat sich dadurch für Alcide jetzt wirklich was geändert? Im Moment wird er nur aus dem Showdown herausgehalten, statt etwas eigenes Interessantes beizusteuern.

Maret Hosemann - myFanbase

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