Bewertung: 6

Review: #3.11 Gregory Devry (Nr. 95)

Back to business as usual – so könnte man die Episode vielleicht beschreiben. Die Geschichte rund um den Kabal ist erst einmal abgeschlossen oder wenigstens ins Abseits gerückt und es ist an der Zeit, etwas Ruhe einkehren zu lassen und ein neues Setting aufzubauen. Wie aber sieht dieses nach der Entlassung von Elizabeth Keen aus?

"I know I'm lucky the way things turned out, but I can't even rent an apartment because people think I'm a criminal."

Liz ist nicht mehr länger Teil der Task Force, darf diese jedoch als wertvolle Verbindung zu Raymond Reddington weiterhin mit dem FBI zusammenarbeiten. Dass es ihr nicht gefällt, nicht mehr im Feld zu arbeiten und aktiv selbst auf Verbrecherjagd zu gehen, ist verständlich und in der Episode ganz gut eingefangen. Liz hat eine gewisse Routine in den Ermittlungen, dass es ihr schwer fällt, zurück zu bleiben, wenn Ressler und ihre Kollegen losstürmen. Sie muss sich noch an ihre neue, beratende Funktion in der Task Force gewöhnen.

Überhaupt hat sich in Liz' Leben seit dem Vorfall im Staffelfinale grundlegend geändert und auch wenn sie mittlerweile von allen Vorwürfen reingewaschen ist, so erfährt sie hier doch, wie sehr die Ereignisse ihren Schatten hinterlassen haben. Nicht nur, dass sie im Job Probleme damit hat, zu akzeptieren, dass sie kein aktives Mitglied des FBI mehr ist, sie spürt die Veränderungen auch im Privaten. Als sie eine Wohnung mieten will, ist die Vermieterin zunächst sehr reserviert, als sie erkennt, dass sie die Frau vor sich hat, die in den letzten Wochen aktiv von den Behörden wegen angeblichen Landesverrat und Terrorismusabsichten gejagt wurde. Der Kabal hat dafür gesorgt, dass ihr Leben, so wie sie es kannte, vorbei ist, auch wenn sie nicht mehr auf der Flucht ist.

Dass ihr Leben dennoch immernoch in Gefahr ist, das bestätigt ihr auch Reddington. Der Kabal mag fürs erste zurückgedrängt worden sein, doch es gibt noch eine Menge Partner der Organisation, genauso wie direkte Gegenspieler, die durch den Vorfall aufgeschreckt worden sind. Reddingtons These: Der Mythos Katarina Rostova ist wieder auferstanden und da nun klar ist, dass Liz in Wahrheit Katarinas Tochter ist, hängt ihr Leben noch immer am seidenen Faden. Ganz nebenbei lässt er dabei fallen, dass Katarina keineswegs tot ist, sondern abgetaucht ist und Geheimnisse mitgenommen hat, die viele Leute in arge Bedrängnis bringen dürften. Hier wird in einer ganz kurzen Szene eine mögliche neue Storyline in Gang gebracht, die darin gipfeln könnte, dass Liz irgendwann in ferner Zukunft auf ihre leibliche Mutter trifft. Das könnte spannend werden, gerade weil es auch eine Antwort darauf geben könnte, wie Liz und Reddington wirklich miteinander verbunden sind.

Zunächst gibt es jedoch erst einmal neue, unerwartete Entwicklungen, denn nachdem Liz aus heiterem Himmel auf einem Parkplatz zusammengeschlagen wird und ins Krankenhaus gebracht werden muss, da erfährt sie, dass sie schwanger ist. Ich wage es zu bezweifeln, dass es das Resultat von dem kurzen romantischen Intermezzo mit Tom ein paar Tage zuvor ist, das wäre zu unrealistisch. Allerdings ist ihr letzter intimer Kontakt mindestens drei Monate, wenn nicht sogar länger her. Man wird abwarten müssen, was sich hieraus entwickelt. Ich bin jedenfalls überrascht, dass man sich entschlossen hat, Megan Boones Schwangerschaft in die Serie zu integrieren. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, wie die Serie mit Liz als Mutter bzw einem Baby funktionieren soll. Man wird sich (wieder einmal) überraschen lassen müssen.

"Tell our friends in hell to patient. I'll be along soon enough. "

Reddington hat derweil ein ganz anderes Problem, denn durch die Vorfälle um den Kabal ist wegen seiner Hilfe für Elizabeth Keen auch sein "guter" Ruf in Gefahr geraten. Seine mögliche Verbindung zum FBI macht ihn zu einer Zielscheibe für Gegner, die ihre Existenz untereinander zwar nicht schätzen, aber billigen. Red ist also unter Zugzwang, wenn er nicht nur verhindern will, dass er Einfluss in der Unterwelt verliert, sondern auch, wenn er verhindern will, dass man ihm das Licht ausknipst.

Die Geschichte um den falschen Raymond Reddington ist natürlich mal wieder typisch für Reddington und zeugt mal wieder von einem unglaublichen Einfallsreichtum und Weitblick Reddingtons. Es macht Spaß, dabei zuzusehen, wie er seine Feinde gegeneinander ausspielt und auch das FBI immer wieder zum Narren hält und für seine persönliche Agenda "missbraucht". Am Ende behält er stets die Oberhand. Das ist vielleicht nicht sonderlich realistisch, aber dank James Spader, seiner Gestik und Mimik, seiner Rhetorik und seiner unglaublichen physischen Präsenz einfach großartig. Es beweist aber immer wieder, wie entbehrlich die anderen Charaktere für die Serie sind. "The Blacklist"ist eine One-Man-Show und steht und fällt mit der Anwesenheit von James Spader.

Leider wird in dieser Episode nicht aufgegriffen, welche Intentionen Reddington mit seiner neuen Partnerschaft mit Laurel Hitchin aus der letzten Folge verfolgt. Das Problem ist wohl einfach, dass wir uns gerade mal in der Hälfte der dritten Staffel befinden und man nun noch elf weitere Episoden mit einer Geschichte füllen muss, die die Zuschauer bei Laune hält.

Randnotizen

  • Samar Navabi wurde anscheinend wieder eingestellt, nachdem sie von Ressler der Task Force verwiesen wurde. Die Hintergründe bleiben dabei unklar, denn eigentlich hatte sie sich gegen Anweisungen gestellt und einer Verdächtigen zur Flucht verholfen. Ressler hatte, geht man nach den Vorschriften, natürlich richtig gehandelt und sie entsprechend dafür die Quittung erhalten. Aber anscheinend hat mit Liz' "Begnadigung" auch jeder im Team nun wieder eine weiße Weste bekommen. Das mutet auf den ersten Blick etwas seltsam an, führt aber im Verlauf der Geschichte zu einem amüsanten Dialog zwischen den beiden – Ressler und Navabi – der andeutet, dass die beiden noch ein bisschen was aufzuarbeiten haben. Immerhin hat er sie gefeuert, nachdem sie miteinander im Bett waren.
  • Ich bin gespannt, wie man Tom Keen in die weiteren Episoden integrieren will. Ihn lediglich als Partner von Liz zu etablieren, wird nicht funktionieren, dazu ist die Figur zu interessant. Doch welchen Part soll er übernehmen, gerade wenn am Ende angedeutet wird, dass gerade Tom und Reddington noch immer nicht sonderlich gut miteinander können. Zum wiederholten Male macht Reddington Tom nämlich klar, dass er ihn nicht an der Seite von Liz sehen möchte, was nun dadurch erschwert werden wird, dass Tom der Vater von Liz Kind ist.
  • Die Ermittlungen des FBI sind unglaublich kurz gehalten und zeigen, welches Problem sich außerdem in der nächsten Zeit stellen wird. Dadurch, dass Liz nicht mehr auf Einsätze mitkommen darf, werden diese absolut zweitrangig und Ressler, Navabi und Aram rücken wieder in die zweite Reihe ohne gute, eigenständige Storyline.



Fazit

Es ist eine interessante Folge, keine Frage und gerade wegen der Konzentration auf Reddington und seinen Versuch, sich selbst im Kreis der wichtigsten Verbrecher der Welt neu zu positionieren, extrem unterhaltsam. Dennoch kommt man nicht umher, zu fragen, wie es mit "The Blacklist" nun weitergehen soll. Es fehlt eine neue Storyline, eine übergeordnete Handlung, die neue Mysterien und neue Spannung verspricht. Es ist eine solide Übergangsepisode mit einem toll aufgelegten James Spader und einem Ende, das dem realen Leben geschuldet ist und das sich erst noch als guter Schachzug beweisen muss.

Melanie Wolff - myFanbase

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