Virgin River - Review Staffel 1

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Nachdem ich die Pilotfolge von "Virgin River" gesehen hatte, stand für mich fest, dass ich auf jeden Fall weiterschauen würde. Zu verdanken ist das nicht nur der Geschichte selbst, sondern auch Martin Henderson und Alexandra Breckenridge. Die beiden haben eine unglaubliche Chemie miteinander, der man immer wieder gerne zusieht. Allerdings dauerte es eine ganze Weile, bis ich weitergeschaut habe, auch wenn ich nicht erklären kann, woran es letztlich genau lag. Wie mir die restliche erste Staffel gefallen hat, erfahrt ihr nun in dieser Review.

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Foto: Alexandra Breckenridge, Virgin River - Copyright: Eike Schroter
Alexandra Breckenridge, Virgin River
© Eike Schroter

Was mir besonders gut bei "Virgin River" gefällt, ist, dass man bei Mel (Breckenridge) nicht sofort herausfindet, was ihr Grund ist, plötzlich in die 'Einöde' zu ziehen, wobei sie in Los Angeles alles hatte und das aufgegeben hat. Zudem wirkt sie einerseits sehr verschlossen und verletzlich, manchmal sogar richtig panisch und andererseits wirkt sie unglaublich stark und sie weiß genau, was sie will. So oder so ist Mel ein interessanter Charakter, da sie nach und nach immer mehr aus sich herauskommt und für sich gefühlsmäßig eintritt. Im Nachhinein kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich diese Figur noch sehr viel mehr mag, da man jetzt (alle) Hintergründe kennt, weshalb sie so ist und wieso ihre große Schwester Joey (Jenny Cooper) so ein wachsames und behutsames Auge auf sie hat, denn das ist nicht nur, weil Joey die große Schwester ist. Es hat vor allem den Grund, weil Mel schon so vieles erlebt hat, was sie aber noch gar nicht richtig verarbeitet hat und ich muss gestehen, dass ich mir nicht sicher bin, welches tragische Ereignis ich schlimmer finde.

Zum einen ist da, dass sie ihre Tochter tot geboren hat und von da an keine eigenen Kinder mehr bekommen kann und zum anderen, dass sie sich für den Tod ihres Mannes Mark (Daniel Gillies) verantwortlich fühlt. Dass ihr Ehemann nicht mehr am Leben ist, dachte ich mir bereits nach dem Piloten und dass sie sich möglicherweise eine große Teilschuld daran gibt. Allerdings war mir nicht ganz klar, wie Mark letztlich wirklich zu Tode gekommen ist und mir tut es entsetzlich leid für Mel. Zumal ich jetzt auch sagen kann, dass sie in meinen Augen keine Schuld daran trägt, da es ein verdammt tragischer Unfall war und Mel letztlich noch verhindern wollte, dass Mark bei Regen fährt. Allerdings muss ich auch bzgl. Joey sagen, dass ich ihre Fürsorge zwar verstehen und auch in weiten Teilen nachvollziehen kann, dennoch hatte ich bei manchen Flashbacks den Eindruck, dass sie Mel zu sehr bevormundet und sie zu sehr in Watte packt, was das geschwisterliche Verhältnis hier und da wohl doch arg belastet hat. Ich hätte aber ehrlich gesagt nicht erwartet, dass Joey eines Tages in Virgin River aufschlagen würde. Zuerst hatte ich auch den Verdacht, dass sie Mel wieder bemuttern und bevormunden will, weil jene eben so verzweifelt gewirkt hat. Kurz nach ihrer Ankunft wurde mir aber klar, dass Joey auch was zu verbergen hat, worüber sie aber auch nicht reden will, aber auch nicht alleine sein wollte. Ich fand es aber gut, dass die Schwestern dann doch noch das Gespräch gesucht haben, da sie so erkannt haben, dass sie immer füreinander da sein werden, auch wenn sie nicht in derselben Stadt wohnen und sie haben in jedem Fall gute Entscheidungen für sich getroffen.

Foto: Martin Henderson & Alexandra Breckenridge, Virgin River - Copyright: Netflix
Martin Henderson & Alexandra Breckenridge, Virgin River
© Netflix

Mel hat in jedem Fall die richtige Entscheidung getroffen, auf die Anzeige von Hope (Annette O'Toole) zu reagieren und nach Virgin River zu ziehen, denn auch mit Jack (Henderson) hat sie jemanden gefunden, bei dem sie sich nicht nur sicher fühlen kann, sondern auch verstanden, womöglich weil auch er eine Vergangenheit hat, die ihn immer noch belastet und er die Dinge noch einmal anders sehen kann. Mir hat sehr gut gefallen, als das Thema Zufall und Entscheidungen aufkam, denn insofern haben ja beide recht. Es war zwar vermutlich Zufall, dass Mel die Anzeige von Hope gesehen hat, aber es war ihre Entscheidung darauf zu reagieren. Dennoch glaube ich auch, dass viel Zufall dabei war, weil sowohl Mel als auch Jack dafür bereit waren, jemanden zu treffen, der sie verstehen kann, bei dem sie selbst bereit waren sich zu öffnen. Auch wenn man den beiden wirklich viele Steine in den Weg gelegt hat – auf den letzten zum Staffelfinale hin komme ich noch später zu sprechen -, haben die beiden doch eine schöne (Liebes-)Geschichte bekommen, die zu ihnen passt. Gerade weil man ziemlich behutsam mit ihrer jeweiligen Vergangenheit umgegangen ist, werden es beide wohl auch schaffen, dass ihre aufblühende Liebe stärker sein wird. Hier muss ich unbedingt noch einmal auf die Chemie und das Schauspiel von Henderson und Breckenridge eingehen. Ich mag die beiden wirklich unglaublich, denn sie haben ein grandioses Talent dafür, dass man mit ihnen fühlt und leidet, eben einfach weil sie so eine perfekte Gesichtsmimik draufhaben, die keine Worte braucht, damit man weiß und versteht, was sie meinen. Jetzt muss ich noch einmal auf den Cliffhanger zu sprechen kommen. Ich möchte ihn nicht als soapig bezeichnen, auch wenn gewisse Dinge durchaus dafür sprechen (könnten) und das wäre die Schwangerschaft von Charmaine (Lauren Hammersley). Wie gesagt, dass ihre Schwangerschaft und somit die Vaterschaft von Jack enthüllt wird, bietet natürlich einen wunderbaren Cliffhanger und wunderbar viel Potenzial für die zweite Staffel. Aber dennoch muss ich auch sagen, dass es eigentlich eine wunderbare Entscheidung der Autor*innen gewesen ist, denn so werden sowohl Mel als Jack mit ihren (Bindungs-)Ängsten konfrontiert und müssen so ggf. eine völlig andere Entscheidung treffen, eben weil sich so viel in ihrem Leben verändert hat.

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Foto: Annette O'Toole, Virgin River - Copyright: 2020 Netflix, Inc.
Annette O'Toole, Virgin River
© 2020 Netflix, Inc.

Veränderungen gab's auch bei Doc (Tim Matheson) und Hope, mit denen ich ehrlich gesagt nicht gerechnet habe. Mir war zwar klar, dass Hope ein sehr wachsames Auge auf Doc hat und ihm auch schon mal Dinge an den Kopf pfeffert, die für eine 'einfache' Bürgermeisterin über das normale Maße der Dinge hinausgeht. Nie im Leben habe ich aber damit gerechnet, dass die beiden verheiratet sind, durch einen Seitensprung von Doc – vor mehr als 20 Jahren – getrennt leben, aber noch immer nicht geschieden sind. Ich fand das Verhältnis der beiden bis dato zwar immer etwas seltsam, weil Doc eben nicht der Typ ist, der sich gerne etwas sagen lässt, aber dennoch fand ich es auch immer faszinierend. Auch wenn Doc wie der Eiskalte und Schroffe daherkommt, hat er doch ein weiches und vor allem gutes Herz, was man in dieser Staffel mehr als einmal gesehen hat, besonders als Hope einen Herzinfarkt erlitten hat. Ehrlich gesagt hat dieser aber auch nicht bewirkt, dass sie wenigstens mal einen Gang zurückschaltet, was sie für mich zeitweise dann doch etwas anstrengend werden ließ. Dennoch bin ich mit dem Ende und der Versöhnung zwischen ihr und Doc mehr als zufrieden. Man mag es zwar kaum glauben, aber Doc tut eine Frau an seiner Seite verdammt gut und ich meine nicht nur im Privaten. Ich denke, er wusste eigentlich schon lange, dass Mel perfekt für die Stelle in seiner Praxis ist, aber das mit dem Zugeben ist ja auch so eine Sache.

Kurz möchte ich noch auf Paige (Lexa Doig), Preacher (Colin Lawrence), Brady (Benjamin Hollingsworth) und Lilly (Lynda Byod) eingehen. Ich habe Paige erst gar nicht so wahrgenommen, erst nachdem sie immer mehr mit Preacher zu tun hatte. Ich finde ja, dass die beiden ein großartiges Paar wären. Wenn ich mir aber Paiges Geschichte so anhöre und daran denke, was in der finalen Episode dieser Staffel passiert ist, bin ich mir alles andere als sicher, ob es für die beiden und Paiges Sohn Christopher (Chase Patriw) ein Happy End geben wird. Ein bisschen große Sorge habe ich in dem Punkt auch um Brady. Zugegeben war er schon von Anfang an alles andere als ein Sympathieträger, wenn man aber auch bedenkt, was er durchgemacht hat, relativiert sich das. In dem Punkt fand ich dann auch Preacher teilweise sehr hart, auch wenn ich seinen Standpunkt durchaus verstehen kann. Doch gerade wenn man Bradys letzte Aktionen in dieser Staffel mitverfolgt hat, habe ich doch Bedenken, ob er nicht in der zweiten Staffel noch weiter abrutschen wird. Sehr interessant fand ich auch, wer die Mutter von Baby Chloe ist, denn ich hätte nicht damit gerechnet, dass es Lilly ist, fand es aber auch logisch nachvollziehbar, warum sie die Kleine ausgesetzt hat und Mel nicht nur aus ihren eigenen Erfahrungen sprechen konnte, sondern auch vielleicht etwas für sich selbst verarbeiten konnte.

Fazit

Die erste Staffel von "Virgin River" hat mir persönlich Spaß bereitet, da man geschickt Mels Vergangenheit und ihr Trauma in die einzelnen Episoden eingebaut hat und dafür gesorgt hat, dass man Mel sehr viel besser kennenlernt und ihr Verhalten nachvollziehen kann. Aber auch Jack und die anderen Charaktere bekommen in diesen zehn Episoden genügend Profil, dass sie auch eine Daseinsberechtigung haben und auch genügend Potenzial für die zweite Staffel geboten wird.

"Virgin River" ansehen:

Daniela S. - myFanbase

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