FedCon XX - Sonntag, 1. Mai 2011

Marina Sirtis & Wil Wheaton

Wil Wheatons Paraderolle ist die des Wunderkinds, Wesley Crusher, aus "Star Trek: The Next Generation". Als solcher war Wesley der einzige Teenager an Bord der Enterprise, ebenso wie Wil am Set der Serie. Mit seiner überdurchschnittlichen Intelligenz löste Wesley am laufenden Band die Probleme der Enterprise und ließ die Erwachsenen mitunter wie Dummköpfe dastehen.

Foto: Wil Wheaton, FedCon XX - Copyright: myFanbase/Annika Leichner
Wil Wheaton, FedCon XX
© myFanbase/Annika Leichner

Dabei war Wesley aber leider weder so skurril und lustig wie Sheldon von "The Big Bang Theory" noch sonst irgendwie interessant, sondern vielmehr vorlaut und am Ende auch noch scheinbar undankbar für alles, was die Sternenflotte ihm ermöglicht hatte. In den späten 80ern und frühen 90ern nahmen die Fans ihm dies übel und trennten nicht zwischen der Figur des Wesley Crusher und dem Darsteller Wil Wheaton. Lange ließ Wil Wheaton sich also nicht mehr auf Scifi-Conventions blicken. Erst über das Schreiben (er hat einen Internetblog und basierend darauf auch Bücher herausgebracht) scheint er mit all den Erfahrungen aus seinen Teeniejahren Frieden geschlossen zu haben, und jetzt steht dem Publikum in Wil Wheaton ein 38-jähriger Mann gegenüber, der absolut zufrieden, mit sich im Reinen und darüber hinaus gesprächig, aufgeschlossen, liebenswert und eloquent ist. In seinem Solopanel am Donnerstag machte er den Eindruck, als hätte er am liebsten mit jedem Fragesteller ein einstündiges Gespräch geführt, besonders wenn es um das Thema Video-/ Computerspiele geht, denn eins haben Wesley und Wil definitiv gemeinsam: Sie sind durch und durch Geeks. Das Sonntagspanel allerdings bestritt Wil gemeinsam mit seiner "Star Trek"-Kollegin Marina Sirtis, welche Wil mit ihrem Temperament nicht ganz so ausführlich zu Worte kommen ließ. Dennoch merkte man den beiden an, dass sie die Bühne gerne zusammen einnahmen. Sollte es damals mit Wil als Teenager irgendwelche Probleme am Set gegeben haben, so waren diese nun definitiv vergeben und vergessen.

Foto: Marina Sirtis, FedCon XX - Copyright: myFanbase/Annika Leichner
Marina Sirtis, FedCon XX
© myFanbase/Annika Leichner

Zum Einstieg ins Panel bekräftige Wil gleich nochmal den Eindruck des Geeks, indem er erzählte, dass er erst vor zehn Minuten aufgewacht sei (also um 12.50 Uhr), da er bis 2 Uhr nachts "Portal 2" gespielt habe. Kurz darauf wurde sein Bart zum Thema. Wil erklärte, er habe begonnen, ihn wachsen zu lassen, als der Autorenstreik stattfand, und später hatte er nach und nach soviel Arbeit, dass der Bart sozusagen zu seinem Karrierebart wurde. Marina erwiderte, sie würde sich auch gerne einen Bart wachsen lassen, wenn sie dann mehr Arbeit bekäme, worauf Wil locker meinte, sie sollte es mal probieren, sie könne sich wahrscheinlich einen besseren Bart wachsen lassen als er. Und in dieser Art ging es munter weiter. Wil wollte gerade darlegen, wie sehr er es genieße, seine ehemaligen "Star Trek"-Kollegen, die er als Kind bewundert habe, nun als Erwachsener zu treffen, als Marina ausposaunte, dass er damals in sie verknallt gewesen sei, worauf Wil schlagfertig konterte, das sei ein besser gehütetes Geheimnis gewesen als William Shatners Toupée. Wenn sie es mal für einen Moment schafften, ernst zu sein, sprachen sie beide darüber, wie schön es sei, Wil nun als Kumpel betrachten zu können, anstatt ihn babysitten zu müssen. Das währte aber nicht lange, da Wil direkt einfiel, dass Jonathan Frakes (Commander Riker) dazu gesagt hatte, Wil sei groß geworden, während er einfach nur fett geworden sei.

Foto: Pressekonferenz der FedCon XX - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Pressekonferenz der FedCon XX
© myFanbase/Nicole Oebel

Es wurde die Frage gestellt, was Wil und Marina von der neuen "Star Trek"-Verfilmung halten, und während Wil meinte, der Film sei in der Sprache seiner (jung-erwachsenen) Kinder, so waren sie sich doch beide einig, dass man der Neuauflage eine Chance geben soll, da auch sie es anfangs sehr schwer hatten, weil die Fans der "Star Trek"-Mutterserie aus den sechziger Jahren der "Next Generation" mehr als skeptisch gegenüberstanden. Marina wies in dem Zusammenhang nochmal darauf hin, dass sie ihrerseits allerdings die erste Serie waren, die rein für die Syndication produziert wurde und nicht für ein einzelnes Sendernetz. Damit ebneten sie den Weg für viele anschließende Genreserien und hatten dabei auch noch einen unvergleichlichen Spaß. Marina schilderte, wie laut und lebhaft es immer am Set von "Star Trek" zuging, man hätte meinen können, man befinde sich auf einem Schulhof. Ging sie aber hinüber in die Produktionshalle von "Deep Space 9", so konnte man den Eindruck erhalten, es sei gerade jemand beerdigt worden. Wil bestätigte, dass es am "Star Trek"-Set ausgewöhnlich lustig zuging und ihn dies so sehr geprägt habe, dass er alle Sets, an denen der im Anschluss mitgearbeitet habe bis heute immernoch daran messe.

Foto: Wil Wheaton, FedCon XX - Copyright: myFanbase/Annika Leichner
Wil Wheaton, FedCon XX
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Auf die Frage, was sie jeweils mit ihren Rollen gemeinsam haben, konnte Wil sofort antworten, er und Wesley haben dasselbe Holodeck: das Internet. Marina fand nur eine Gemeinsamkeit zwischen sich und Deanna Troi: ihren Körper. Sogar Augenfarbe und Haare waren nicht ihre eigenen, ganz zu schweigen von Deanna Trois lieblichem Wesen, so Marina. Wil sagte, er hätte gerne die Uniform getragen und war anfangs traurig, dass gerade Wesley keine zu tragen hatte. Auch Marina sagte, dass sie sie gerne trug, sobald sie eine bekam, das einzige Problem war der Toilettenbesuch, da die Uniform ein Einteiler war und sie immer jemandem brauchte, der ihr half, sie zu öffnen. Erwartungsgemäß brachte ihr dieser Kommentar lauten Beifall seitens der männlichen Conventionbesucher. So richtig aber flogen ihr die Herzen aller Fans zu, als sie auf die Frage nach der Zusammenarbeit mit Majell Barrett, "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberrys Ehefrau, ein paar Tränen vergoss. Majell Barrett spielte in der Serie Deannas Mutter Lwaxana Troi und verstarb im Dezember 2008. Marina sprach voller Gefühl und Wärme über "die Frau des Chefs" und musste sich zum Schluss abwenden, um ein Schluchzen zu unterdrücken, weil sie sie so sehr vermisst. Wil legte ihr tröstend den Arm um die Schultern, wirkte aber zugegebenermaßen ein wenig überfordert mit der Situation, wenn sie auch nur nur wenige Sekunden dauerte.

Foto: Pressekonferenz der FedCon XX - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Pressekonferenz der FedCon XX
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Ausgesprochen herzlich sprach auch Wil von Gene Roddenberry, welcher damals wohl einen Narren am Teenager Wil gefressen hatte. Er lud Wil des öfteren zum Gespräch in sein Büro und schickte dafür sogar wichtige Leute von Paramount aus dem Zimmer. Wil ließ keinen Zweifel daran, dass sowas eigentlich nie passiert, da Schauspieler ganz am unteren Ende der Nahrungskette stehen, wenn es ums Showbusiness geht. Roddenberry aber behandelte seine Darsteller anders und so war es für Wil, als käme der coole Opa ans Set.

Foto: Wil Wheaton, FedCon XX - Copyright: myFanbase/Annika Leichner
Wil Wheaton, FedCon XX
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Dass Wil und Marina privat nicht direkt denselben Filmgeschmack haben, wurde sehr schnell klar, als Wil sich darüber ausließ, wie grauenvoll die Handlung von "Avatar" war, während Marina sich anscheinend sehr gut von dem Film unterhalten fühlte. Worüber sie sich allerdings wieder einig waren, betraf die Antwort auf die Frage nach fehlender Anerkennung von Scifi-Darstellern bei Preisverleihungen. Beide bestätigten, dass Genrefilme, -serien und -darsteller im Grunde nie berücksichtigt werden und das oftmals natürlich völlig zu unrecht. Wil sieht aber Chancen für den neuen Film "Moon", da dieser zwar ein Scifi-Setting bietet, doch aber in erster Linie menschliches Drama zeigt. Ein Trailer, der bei der FedCon gezeigt wurde, konnte diese Aussage Wil Wheatons nur bekräftigen.

Besondere Anerkennung für eine völlig innovative Conventionfrage erhielt ein Mädel, das fragte, was Wil und Marina sehr wütend und sehr glücklich machen würde.

Foto: Marina Sirtis, FedCon XX - Copyright: myFanbase/Annika Leichner
Marina Sirtis, FedCon XX
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Die selbsternannte Convention-Queen Marina war beinahe sprachlos, dass es eine Frage gab, die ihr noch nie gestellt worden war. Nachdem Wil und Marina sich dann ein wenig gestritten hatten, wer zuerst antworten darf, sagte Wil, am wütendsten mache ihn Ungerechtigkeit, und Marina stimmte ihm zu. Dann sagte Marina, glücklich mache sie, wenn ihre englische Fußballmannschaft Tottenham gewinne. Wil hatte da eine etwas romantischere Antwort parat. Er erzählte, dass für ihn das Schönste sei, wenn er mit seiner Frau alleine durch den Park gehen könne. Sie sind seit 15 Jahren verheiratet, da sie aber zwei Kinder mit in die Ehe brachte, hatten sie niemals diese Zweisamkeit, wie sie sie jetzt haben, nachdem die Kinder ausgezogen sind.

Bei der Verabschiedung bekamen Wil und Marina Standing Ovations, und es fällt absolut nicht schwer, ihnen zu glauben, als sie sagten, dass sie gerne noch einmal zur FedCon wiederkommen möchten. Ich würde dies auch nur befürworten, denn auch ohne "Star Trek"-Fan zu sein, waren diese beiden Schauspieler ausgesprochen unterhaltsam und interessant.

Nicole Oebel - myFanbase