Shipper - Ein tieferer Einblick, Teil 1

Vermutet wird, dass das Wort Shipper ungefähr im Jahr 1994 im Zusammenhang mit der Serie "Akte-X Die unheimlichen Fälle des FBI" entstanden ist. Doch das Phänomen, dass man als Fan für ein Paar einer Fernsehserie schwärmt und diese Schwärmerei auch außerhalb der Serie auslebt, indem man Informationen über das Paar sammelt, sich Videos der Beiden ansieht oder sogar Fanfiction ließt oder selber schreibt, war zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht neu. Doch was heißt shippen genau? Wie shippt der einzelne Fan genau? Was ist überhaupt das spannende und die Motivation ein Paar einer TV-Serie zu shippen? Ein paar unserer Autoren habe ihre eigenen Shippererfahrungen in einem Text zusammengetragen und möchten euch so dieses Phänomen etwas näher bringen.


Beitrag von Nina V.


Foto: Jennie Garth & Jason Priestley, Beverly Hills, 90210 - Copyright: Paramount Pictures
Jennie Garth & Jason Priestley, Beverly Hills, 90210
© Paramount Pictures

Beim Thema "shippen" fallen mir spontan vier Paare aus der Serienlandschaft ein, die, ich will nicht sagen mich alle enorm beeinflusst haben, aber doch zur jeweiligen Zeit einen sehr großen Platz in meinem Leben eingenommen haben. Angefangen hat das Ganze mit Kelly Taylor (Jennie Garth) und Dylan McKay (Luke Perry) aus "Beverly Hills, 90210", wobei man hier die gebräuchliche Definition von "shippen" etwas ausweiten müsste. Denn zu der Zeit als die Serie im Fernsehen lief, gab es noch kein Internet, zumindest nicht für den herkömmlichen Hausgebrauch und somit gestaltete sich das, was man heutzutage gemeinläufig als "shippen" bezeichnet in einer völlig anderen Form. Doch auch wenn ich mich damals noch nicht in diversen Internet-Foren mit anderen Fans austauschen konnte, habe ich jeden kleinen Schnipsel aus Zeitungen gesammelt die sich um Dylan und Kelly drehten, habe mein komplettes Zimmer mit Postern aus der "Bravo" tapeziert und mit meinen Freundinnen heiß über die jeweiligen Paare und diversen Konstellationen aus "Beverly Hills 90210" diskutiert.

Foto: Joshua Jackson, Dawson's Creek - Copyright: 1999, 2000 Columbia TriStar Television, Inc. All Rights Reserved.
Joshua Jackson, Dawson's Creek
© 1999, 2000 Columbia TriStar Television, Inc. All Rights Reserved.

Einige Jahre später eroberte dann mit Pacey Witter (Joshua Jackson) und Joey Potter (Katie Holmes) aus "Dawson's Creek" ein zauberhaftes Paar mein Herz, dass ich dann richtig geshippt habe, so wie auch kein Paar danach mehr. Zu der Zeit bekamen meine Eltern auch gerade Internet, was mir natürlich ganz andere Möglichkeiten in Bezug auf diverse Informationen eröffnete. Auf Capesidenews.de fand ich viele Gleichgesinnte, mit denen ich mehr als hitzig über die jeweiligen Konstellationen aus "Dawson's Creek" diskutierte. Denn gerade bei "Dawson's Creek" waren die zahlreichen Fans der Serie in zwei extreme Lager gespalten und wir wurden niemals müde überzeugende Argumente zu finden, ob denn nun Dawson oder Pacey an die Seite von Joey gehörte. Für mich persönlich war die Sache eindeutig klar und ich glaube ich habe nie wieder bei einem Paar so mitgelitten, geweint, gehofft und mich gefreut. Zwar war ich persönlich nie der Typ, der selber Fanfictions geschrieben oder Videos erstellt hat, habe mir aber zu der Zeit wirklich alles reingezogen was ich im Netz über Joey und Pacey finden konnte.

Ich muss gestehen, nach dem für mich persönlich sehr intensiven "shippen" von Pacey und Joey war ich erstmal müde, was das miteifern bei Paaren angeht und ich habe mich auch nie wieder so intensiv und über so eine lange Zeit mit einem Paar beschäftigt. Dazu kommt natürlich, dass ich auch älter wurde und ich mich natürlich nach wie vor völlig in eine Serie reinhängen kann, aber trotzdem etwas nüchterner im Bezug auf das "shippen" geworden bin. Trotzdem sollten hier Veronica Mars (Kirsten Bell) und Logan Echolls (Jason Dohring) aus "Veronica Mars" nicht unerwähnt bleiben, die mich zumindest soweit beschäftig und mitgerissen haben, dass ich meinen ersten Spoiler gelesen habe, da ich die Spannung ob Veronica und Logan zusammenkommen einfach nicht mehr aushielt.

Foto: Gale Harold, Queer as Folk - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Gale Harold, Queer as Folk
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Und auch wenn ich gerade noch behauptet habe, etwas nüchterner und verklärter geworden zu sein, passierte im letzten Jahr das, was ich nicht mehr für möglich hielt. Ich wurde nochmal komplett überwältigt und mitgerissen von Brian Kinney (Gale Harrold) und Justin Taylor (Randy Harrison) aus "Queer as Folk". Ich konnte selber nicht fassen wie ich mit meinen 35 Jahren vorm Fernseher saß, geheult und gelitten habe und über 5 Staffeln (die ich nebenbei bemerkt in ca. zwei Wochen durchgeschaut habe) gehofft habe, dass die Liebesgeschichte von Brian und Justin gut ausgehen wird. Leider war das nicht der Fall und noch jetzt bin ich wütend über das Ende von "Queer as Folk". Leider war es nun so, dass die Serie ja schon seit ewigen Jahren abgesetzt ist und so konnte ich natürlich nicht mehr eifrig mit anderen Fans diskutieren, was mich aber nicht davon abgehalten hat, das Netz nach Informationen und Berichten zu durchforsten. Ich hab mir alte Diskussionen durchgelesen, Videos gesucht und mal wieder meine seit Jahren erste "Shipper"-Signatur fürs myFanbase Forum gebastelt.

Trotzdem würde ich behaupten, dass man sich in meinem Alter nicht mehr ganz so leicht so intensiv in eine Serie beziehungsweise in die Geschichte eines Paares reinsteigert, weil man durch eigene Erfahrungen und Erlebnisse einfach verklärter und realistischer geworden ist und nicht mehr alles durch die rosarote Brille sieht, wie mit Anfang Zwanzig. Viele der heute aktuellen Serienliebschaften kommen einem weit hergeholt vor und wenn man mit 15 noch denkt, dass alles möglich ist, sieht man das mit 36 einfach anders. Aber wie "Queer as Folk" gezeigt hat, ist es nicht völlig undenkbar auch mit Mitte Dreißig sich noch komplett auf ein Paar einzuschießen und einzulassen.

Nina V. - myFanbase

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