Heartstopper - Vergleich zwischen Graphic Novel und Film

Staffel 3 von "Heartstopper" ist bei Streamingdienst Netflix im Herbst 2024 veröffentlicht worden und damit waren auch die bis dato durch Schöpferin Alice Oseman veröffentlichten Graphic Novels zur Serie offiziell eingeholt. Da sie bereits verlautet hatte, dass sie ihre Buchreihe zu "Heartstopper" mit Volume 6 beenden wollte, wurde letztlich ein Deal ausgehandelt und so hat sie die letzte Graphic Novel und das Drehbuch für den Abschlussfilm quasi parallel fertig gestellt. Während die englische Ausgabe zum Filmstart am 17. Juli 2026 bereits zu kaufen war, folgt die deutsche Ausgabe nun eine Woche später, also auch erfreulich zeitnah. Jetzt könnte man behaupten, dass Drehbuch und Graphic Novel wohl nahezu Kopien voneinander sein dürften, aber das ist entschieden zu verneinen. Erfahrt durch unseren finalen Vergleich, warum beide Ergebnisse aus Osemans Feder Erlebnisse für sich sind.
Figuren
Für den Abschlussfilm "Heartstopper Forever" ist im Grunde nur eine neue Figur eingeführt worden. Dabei handelt es sich um Alfie (Caleb Evers), der auch in der Graphic Novel erstmals auftaucht. Er wird genutzt, um aufzuzeigen, wie Charlie (Joe Locke) darum kämpft, dass die Jahrgänge nach ihm nicht so ein Mobbing wie er selbst erfahren müssen. Ansonsten nutzen beide Medien das uns schon bekannte Figurenrepertoire. Sarah Nelson, die wir in der Serie schon in Staffel 1 und 2 erleben konnten, sieht diesmal aber etwas anders aus. Da Olivia Colman als erste Darstellerin nicht mehr verpflichtet werden konnte, blieb die Rolle in Staffel 3 außen vor, im Film feiert sie jetzt ihr Comeback und das durch einen Recast. Anna Maxwell Martin, auch als Mutter aus der Jugendbuchadaption "A Good Girl's Guide to Murder" bekannt, bekommt so noch einige Szenen als liebevolle Mutterfigur.
Ansonsten ist sicherlich noch zu nennen, dass die Graphic Novel im Figurenbereich bei Darcy (Kizzy Edgell) aufholt. Etwas abgespeckt wird erzählt, wie diese von ihrer Mutter rausgeschmissen wird und dann bei Tara (Corinna Brown) unterkommt. Teile davon haben wir in Staffel 2 und 3 erzählt bekommen. Da ich schon in meinem letzten Vergleich vermutet hatte, dass Darcy-Darsteller Kizzy Edgell die Drehbücher zu einigen Entwicklungen für die Rolle inspiriert hat, bestätigt sich das hier noch einmal, da es Oseman wichtig war, den familiären Bruch bei Darcy auch in der Graphic Novel noch abzubilden. Im Übrigen arbeitet die Rolle auch in dem Café, in dem Charlie einen Nebenjob gefunden hat. Das ist im Film nicht der Fall.
Handlung

© Illustration und Text: Alice Oseman © 2026 Loewe Verlag GmbH, Bindlach
Die Graphic Novel startet mit Nicks (Kit Connor) 18. Geburtstag. Das erklärt, warum er im Film beim vorweihnachtlichen Konzert von Queer Intentions für alle Alkohol kaufen kann. Der Geburtstag spielt jedoch keine Rolle im Film, stattdessen muss dort noch nachgeholt werden, dass Nick Charlie enthüllt, dass er in Leeds studieren will. Danach ist in beiden Formaten die Schülersprecherwahl das dominante Thema. In der Graphic Novel ist es aber noch einmal deutlicher erzählt worden, sodass die entworfene Kampagne mit ihren Inhalten mehr Raum einnimmt. Nach der gewonnenen Wahl gibt es jeweils eine Party. In der Graphic Novel findet diese aber zu Halloween statt, sodass alle Figuren in Kostümen erscheinen. Im Film ist es eine reguläre Party, ohne dass konkret der Bezug zu einem Feiertag hergestellt wird.
Tatsächlich haben Film und Graphic Novel doch einige Szenen, die nahezu eins zu eins übernommen worden sind. Dann wiederum gibt es aber auch überraschend große Unterschiede. Da wäre beispielsweise auch der Umfang von Toris (Jenny Walser) Rolle zu nennen. Die im Film gezeigten Szenen mit Michael Holden (Darragh Hand) sind auch in der Graphic Novel. Dafür wurden aber zwei große Geschwistermomente ausgespart, was sehr bedauerlich ist. So gibt es einen Moment, in dem Charlie Toris Motivationsschreiben für die Uni in Edinburgh entdeckt, sodass sie darüber reden. Dieser Moment ist auch so wichtig, weil Charlie im nächsten Schuljahr nicht nur den regelmäßigen Kontakt zu Nick verliert, sondern auch zu seiner Schwester, die ihm stets eine wichtige Stütze war. Das wird auch nochmal durch eine spätere Szene unterstrichen, denn Tori richtet Charlie auch wieder auf, als er mit Nick streitet. Sie gibt ihm dabei Ratschläge und weckt vor allem Sympathien für Nicks Perspektive und wie er während Charlies Klinikaufenthalt gelitten hat. So hat Charlie durch seine Schwester mehr Verständnis für seinen Freund, auch wenn er sich ihm da noch nicht anvertrauen kann.

© Illustration und Text: Alice Oseman © 2026 Loewe Verlag GmbH, Bindlach
Kleine Veränderungen sind auch in Nicks psychischer Abwärtsspirale vorgenommen worden. So ist es im Film so, dass nach dem alkoholschwangeren Abend in der Bar David (Jack Barton) ihn und Charlie nach Hause fährt. In der Graphic Novel ist es Tara, da sich parallel die Enthüllungen rund um Darcy ereignen, sodass die beiden Handlungsstränge an dieser Stelle verknüpft werden konnten. Das anschließende Rugby-Spiel von Nick wird im Film von Musik untermalt dargestellt, sodass wir letztlich nur die Auseinandersetzung mit dem Gegenspieler sehen. In der Graphic Novel ist das deutlicher ausgearbeitet. Nick wird homophob beleidigt und verliert dadurch die Kontrolle. Das hat dann auch später noch weitreichendere Konsequenzen. Auch wenn der Gegenspieler für seinen verbalen Ausfall kritisiert wird, aber bei Nick steht dennoch eine Suspendierung im Raum, weil Gewalt als Antwort verdammt wird. Im Film spielen Rugby und das Team dann aber keine Rolle mehr.
Hiernach schließt sich ein Block an, der die gravierendsten Änderungen beinhaltet. Da in der Graphic Novel die Trennungsgeschichte nicht erzählt wird, sondern nur im Film zu sehen ist, gibt es einige Verschiebungen zu beobachten. Dazu ist vorab zu sagen, dass es zu dem Pärchen auch einen Roman gibt, der den simplen Titel "Nick & Charlie" (bei Amazon bestellen) trägt. Dort wird die Fernbeziehungsphase, die durch Nicks Weggang nach Leeds einsetzt, erzählt und dort gibt es eine temporäre Trennung. Dementsprechend vermute ich, dass Oseman ihre Welt abseits der Serie intakt halten will, sodass die Graphic Novels mit allen Bänden sowie dem Roman eine kontinuierliche Handlung ergibt und da wären zwei Trennungsphasen kurz hintereinander wohl wenig passend gewesen. Um diese Lücke nun aufzufangen, ist in Volume 6 einiges etwas früher situiert. So ist das schwule Pärchen, das Charlie im Café bedient, gleich mehrfach zu sehen, aber vor allem früher das erste Mal, denn direkt nach Nicks Prügelei. Auch das wichtige Gespräch zwischen Sarah und ihrem Sohn wird gleich an die Platzwunde über dem Auge angeschlossen. Das ist für ihn letztlich auch der so wichtige Wendepunkt, offener zu seinen Gefühlen stehen zu wollen.

© Illustration und Text: Alice Oseman © 2026 Loewe Verlag GmbH, Bindlach
Mit der Grundlage ist Sarahs 50. Geburtstagsfeier dann auch nicht ein weiterer emotionaler Tiefschlag für Nick. Stattdessen hat er dort schon sein offenes Gespräch mit David, in dem sie eine Art Waffenstillstand schließen. Und da es Nick ab dort immer besser geht, verliert er auch nicht den Jahrestag mit Charlie aus den Augen und es kommt letztlich auch nicht zur Trennung. Parallel bleibt Charlies Bemühen um den queeren Sozialclub an seiner Schule aber sehr identisch, bis auf den Aspekt, dass Mr. Farouk (Nima Taleghani) statt Mr. Ajayi (Fisayo Akinade) ihn überredet, den Club hinter dem Rücken des Schulleiters zu eröffnen. Alle Handlungen sind dann mit der großen Abschlussfeier für Nicks Jahrgang wieder absolut parallel zwischen Film und Graphic Novel. Eine Ausnahme wäre noch das Gespräch, das Tao (William Gao) nach seinem letzten Tanz mit Elle (Yamin Finney) führt. Es ist im Film mit Nick, in der Graphic Novel mit Charlie. Im Film fühlt es sich aber richtig an, dass Nick noch einmal bestätigt bekommt, dass sie alle als Freunde Teil des Lebens der anderen bleiben werden. Zuletzt folgt dann in beiden Medien noch der Epilog und da ist im Grunde jedes Detail überein.
Fazit
Auch wenn Volume 6 und der Abschlussfilm "Heartstopper Forever" insgesamt wirklich sehr nahe inhaltlich beieinander sind, so hat Alice Oseman doch wieder darauf geachtet, dass beide Welten jeweils für sich stehen, sodass sie in beiden Kontinuität geschaffen hat. Insgesamt ist die Erzählung von Charlie und Nick würdig beendet worden und in Zukunft wird man immer wieder gerne in die Serie schauen oder in die Graphic Novels reinlesen, weil beide für sich Kunstwerke sind.
Die Serie "Heartstopper" ansehen:
Lena Donth - myFanbase
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