F.B.I. - Review des Piloten

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Der Name Dick Wolf wird wohl stets immer mit der Krimiserie "Law & Order" in Verbindung gebracht werden, da es die Serie ist, mit der er als ausführender Produzent die größten Erfolge feiern konnte, u. a. mehrere Emmy-Prämierungen. Aktuell ist er vor allem ein Begriff durch das Chicagoverse ("Chicago Fire", "Chicago P.D.", "Chicago Med" und das bereits abgesetzte "Chicago Justice") sowie "Law & Order: Special Victims Unit", die er über mehrere Jahre hinweg erfolgreich bei seinem Haussender NBC etablieren konnte. Die neue Serie "F.B.I." ist einerseits überraschend bei CBS in Auftrag gegeben worden, andererseits fügt sie sich nahtlos in das stark krimiorientierte Programm des US-Senders ein. Mit "F.B.I." kehrt Wolf auch zu seinen Wurzeln zurück, da die Serie wieder in New York spielt und auch vom Grundkonzept her stark an "Law & Order" erinnert.

Da ich von Wolf nur die Chicago-Serien schaue, ist der Einblick in den Piloten von "F.B.I." nun meine erste Möglichkeit, Vergleiche zwischen unterschiedlichen Serien des Erfolgsproduzenten anzustellen. Die Chicago-Serien gehören unwiderruflich zusammen, so dass man an dieser Stelle Ähnlichkeiten nur schwer kritisieren kann. Der Vergleich zu "F.B.I." ist daher für mich sehr interessant, da Wolf sich schon oft der Kritik ausgesetzt sah, dass er stets sehr ähnliche Serien produzieren würde. Nach der ersten Folge nun kann ich diese kritische Betrachtung sehr gut nachvollziehen, da sich schon nach wenigen Minuten bei mir das Gefühl eingestellt hat, ein weiteres Spin-Off von "Chicago Fire" zu sehen. Gerade in "Chicago P.D." spielt das FBI oft eine Rolle, so dass man sich durchaus hätte vorstellen können, dass man die dort agierende Einheit in den Blick genommen hätte. Beheimatet bei CBS anstelle von NBC und spielend in New York hat man einen deutlichen Bruch hergestellt, der aber gerade auf der inhaltlichen Ebene überhaupt nicht rüberkommt.

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Der Cast ist sehr divers zusammengestellt. Es gibt unterschiedliche Altersgruppen, so dass ein breites Publikum angesprochen werden kann, es gibt unterschiedliche Hautfarben und Kulturen und es gibt vor allem gleich mehrere starke Frauenfiguren. Vor allem der letzte Aspekt ist sehr typisch für eine Dick-Wolf-Serie, da Mariska Hargitay als Olivia Benson, Sophia Bush als Erin Lindsay oder Monica Raymund als Gabriela Dawson alles Charaktere sind, die ihren männlichen Kollegen problemlos den Rang ablaufen kann. Für "F.B.I." sind das konkret Missy Peregrym ("Rookie Blue") als Maggie Bell und Connie Nielsen als Ellen Solberg, die die FBI-Einheit leitet. Letztere konnte jedoch nur für den Serienauftakt gewonnen werden, da ab Folge 2 Sela Ward ("Dr. House") als Dana Mosier die Fäden in der Hand hält. Für die männliche Seite konnte ein guter alter Dick-Wolf-Bekannter engagiert werden, da sich der bereits aus "Law & Order" bekannte Jeremy Sisto die Ehre als Jubal Valentine gibt, den man auch aus "Suburgatory" kennen könnte. Auf den ersten Blick scheint er die Einheit durch seine Erfahrung, seinen Charme, aber auch durch seine Gewitztheit zusammenzuhalten. Er ist quasi die gute Seele der Einheit. Er steht damit auch für einen weiteren Aspekt, den ich für Dick Wolf als typisch ausmache. Zwar ist der erste Eindruck zu den einzelnen Figuren noch sehr oberflächlich, aber es blitzt schon deutlich durch, dass in dieser FBI-Einheit Zusammenhalt großgeschrieben wird. Dort arbeiten nicht nur einfach Kollegen zusammen, sondern Menschen, die sich auch privat - sicherlich natürlich durch die belastende Arbeit bedingt - wertschätzen. Zudem nehmen sie die Fälle alle sehr persönlich und geben daher erst recht ihr Bestes, wie man am Ende an Maggie sieht, die die Beerdigung eines Opfers besucht, um mit dem Fall abschließen zu können.

Aber wem soll ich etwas vormachen? Ich bin ein großer Fan des Chicagoverse, daher kann mich diese sehr ähnliche Mischung, die ich nun auch in "F.B.I." wiedererkenne, natürlich erneut gut unterhalten. Man erfindet das Rad mit dieser Krimiserie wahrlich nicht neu. Man wird sich auch von Parallelen zu "Criminal Minds", mit der die Serie passenderweise bei Sat.1 läuft, nicht freimachen können, weil man eben kein Alleinstellungsmerkmal bietet, das Faszination hervorruft. "F.B.I." setzt ganz eindeutig darauf, eine solide Kriminalserie darzustellen, auf das Zwischenmenschliche und auf eine enge Bindung an das ermittelnde Team. Für die Auftaktfolge bedient man sich auch eines gut aufgemachten Handlungsrahmens, da es durch mehrere Bombenanschläge viele Tote gibt. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich dann heraus, dass es sich um eine Aktion weißer Extremisten handelt, womit man dann auch ein sehr aktuelles Thema aufgreift. All das ruft zwar bei mir und vermutlich auch bei den meisten anderen keine Begeisterungsstürme hervor, aber manchmal bedarf es ja auch nur einer soliden Unterhaltung.

Fazit

Sat.1 tut sich sicherlich einen Gefallen damit, "F.B.I." mit "Criminal Minds" laufen zu lassen, da die Parallelen der beiden Serien durch die entsprechende US-Behörde auf der Hand liegen. Zudem erkennt man ganz klar die Handschrift von Serienmacher Dick Wolf, der seiner Einheit etwas Nahbares und Greifbares gibt, so dass es nicht schwer sein sollte, die ZuschauerInnen an den Cast zu binden. Dennoch ist nicht zu vermuten, dass "F.B.I." nachhaltig in Erinnerung bleiben wird, da die Serie gar nicht erst versucht, etwas Neues darzustellen und sich lieber nahtlos in die Reihe erfolgreicher Krimiserien einfügt.

Lena Donth - myFanbase

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