DVD-Rezension: Killing Eve, Staffel 1

Foto:

Nachdem die gefeierte US-Serie "Killing Eve" in Deutschland im Pay-TV auf dem Streaming-Dienst STARZPLAY zu sehen gewesen ist, kann man die erste Staffel mit ihren acht Episoden seit dem 4. April 2019 auch auf DVD erwerben. Wie auch immer man sich dieser Serie widmet, es lohnt sich.

Partnerlinks zu Amazon

Inhalt

Foto: Copyright: 2019 Universal Pictures
© 2019 Universal Pictures

Die MI5-Agentin Eve Polastri (Sandra Oh) stößt bei einem Mordfall auf die Vermutung, dass es sich um eine weibliche Serientäterin handelt, steht mit dieser Vermutung aber ziemlich allein da. Sie lässt sich davon aber nicht entmutigen und verfolgt ihre Spur. Dadurch stößt sie schließlich auf Villanelle (Jodie Comer) und darf als Teil einer Undercover-Einheit die Verfolgung aufnehmen. Ihre Besessenheit führt allerdings nicht nur dazu, dass sie in Streit mit ihrem besorgten Ehemann Niko Polastri (Owen McDonnell) gerät, sondern auch selbst zur Zielscheibe von Villanelle wird, was auch für ihre Kollegen äußerst gefährlich ist. Eve bleibt aber hartnäckig und entwickelt eine derartige Besessenheit, dass ihr alles andere fast schon egal ist. Bei der resoluten Verfolgung ihres Zieles stellt sich ihr ganzes Leben auf den Kopf, denn sie kommt auch Villanelles Auftraggebern auf die Spur und ahnt noch gar nicht, wie weit nach oben die Verzahnungen reichen.

Kritik

Foto: Jodie Comer & Charlie Hamblett, Killing Eve - Copyright: 2019 Universal Pictures
Jodie Comer & Charlie Hamblett, Killing Eve
© 2019 Universal Pictures

Schon der Pilot dieser Serie hat stilistisch und erzählerisch gezeigt, dass "Killing Eve" ein kleiner Schatz ist, der den Mut hat, eine Geschichte auf seine ganz eigene Weise darzustellen und umzusetzen. Rein vom Inhalt könnte es ein Spionagedrama sein, welches verzwickt und überraschend eine tiefgreifende Verschwörung aufdeckt. Doch dies ist eigentlich nur ein ganz kleiner Teil der Handlung, denn der Fokus liegt auf den beiden Hauptcharakteren Eve und Villanelle, die sich auf der einen Seite enorm unterscheiden, auf der anderen Seite aber stark ähneln. Villanelle ist eine skrupellose, fast mordlüsterne Serienkillerin, die mit einem Selbstbewusstsein ihre Aufträge erledigt, das einen in ihren Bann zieht. Der Charakter ist herrlich skurril, auf seine Weise regelrecht belustigend und unterhaltsam und somit absolut faszinierend und alles andere als ein Antagonist. Villanelle liebt ihren Job und macht ihn ziemlich gut. Nebenbei genießt sie die Vorzüge und fühlt sich regelrecht unangreifbar, selbst wenn nicht alles nach Plan läuft. Dabei entwickelt Jodie Comer eine Präsenz vor der Kamera, die so beeindruckend ist, dass man sich eigentlich fragt, warum nicht sie einen Golden Globe errungen hat. Verdient hätte sie es allemal, denn eigentlich lebt "Killing Eve" vor allem durch diesen außergewöhnlichen Charakter, den man trotz seiner Taten irgendwie in sein Herz schließt.

Auf der anderen Seite ist Eve, die ein geregeltes, irgendwie bodenständiges Leben hat, sich im Beruf aber eher mit dem Schreibtisch herumschlägt und langweilt und durch die Suche nach Villanelle regelrecht angefixt ist und eine Lust verspürt, endlich mal richtig zu arbeiten und dabei einen richtig würdigen Gegner zu haben. Episode um Episode lässt Eve ihr Leben hinter sich und macht sich verbissen daran, Villanelle aufzuspüren. Auch die Leistung von Sandra Oh kann man absolut anerkennen und auszeichnen, doch ihr verbissener Charakter und die Entwicklung sind nicht so außergewöhnlich wie Villanelle.

Foto: Sandra Oh, Killing Eve - Copyright: 2019 Universal Pictures
Sandra Oh, Killing Eve
© 2019 Universal Pictures

Großer Pluspunkt neben den beiden Hauptcharakteren selbst ist die Dynamik der beiden untereinander, denn natürlich pushen sich beide zur Höchstleistung. Außerdem funktioniert es wunderbar, dass sich die Charaktere schon in der zweiten Episode und danach regelmäßig begegnen. Neugier, Respekt und Psychospielchen machen diese Begegnungen aber spannend, überraschend und einfach ganz anders als in anderen Serien. Für Villanelle scheint das alles vor allem ein Spiel zu sein, was für seltsame, unterhaltsame und am Ende fast schon absurde Momente führt, während Eve wirklich immer verbissener bis an ihre Grenzen geht und sich selbst auch neu kennen lernt, da die direkte Konfrontation für sie völliges Neuland ist, wo Villanelle ganz abgebrüht agiert. Das gipfelt dann in einer finalen Szene, die an der Grenze zur Absurdität den Weg der acht Episoden abschließt, man aber auch gleichzeitig unglaublich froh ist, dass es eine zweite Staffel geben wird, denn eigentlich ist nichts geklärt und der Konflikt auf dem Siedepunkt.

Foto: Killing Eve - Copyright: 2019 Universal Pictures
Killing Eve
© 2019 Universal Pictures

Die anderen Charaktere können sich derweil nur im Schatten der zwei genialen Hauptdarstellerinnen bewegen, machen ihre Sache gut, können aber gar nicht so viel Raum einnehmen, um richtig beim Zuschauer anzukommen. Kim Bodnia und Fiona Shaw können als quasi-Vorgesetzte von Villanelle bzw. Eve überzeugen und eine mysteriöse Aura bewahren, sind aber eher bodenständig umgesetzt. Auch die anderen Charaktere sind in erster Linie funktional und bekommen bei den wenigen Episoden nicht genug Tiefe, um hier große Worte über sie zu verlieren. Die Serie ist auf Eve und Villanelle ausgelegt und das ist bestens umgesetzt. Die Autoren verlieren den Fokus nicht und haben mit den acht Episoden etwas Wunderbares kreiert.

Specials

Auf den zwei DVDs mit jeweils vier Episoden befindet sich eine recht simple Menüführung, bei der man nach einer Sprachauswahl ohne großen dynamischen Schnickschnack die grundlegenden Funktionen wie Episodenauswahl, Audio oder Untertitel auswählen kann. Außerdem befinden sich je vier zwei- bis dreiminütige Featurettes auf den DVDs, in denen man kurze Szenen und Interviewausschnitte zu bestimmten Aspekten Einblicke liefern und dabei insbesondere ästhetische Überlegungen der Autoren, Kostümdesigner etc. in Erfahrung bringen kann und auch die Ansichten der Darsteller zu ihren Rollen präsentiert bekommt. Das ist interessant und durch die gute Länge auch ein schneller Input. Für wahre Special-Liebhaber ist das insgesamt aber eher blass.

Die Specials im Überblick:

  • Villanelle's First Hit In Tuscany
  • The M16 Team
  • The Locations
  • Creating Villanelle's World
  • Eve and Villanelle
  • Eve's Obsession
  • Art Of The Kill
  • Creating The Show


Technische Details

Erscheinungstermin: 4. April 2019
Sprachen (Tonformat): Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Französisch, Norwegisch, Schwedisch
Anzahl Discs: 2
FSK: ab 16 Jahren
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 337 Minuten

Fazit

Mit "Killing Eve" findet man unter dem übervollen Angebot an Serien ein außergewöhnliches Drama mit zwei faszinierenden Hauptcharakteren, die untereinander eine tolle Dynamik entwickeln. Die Serie begeistert durch skurrilen Humor und eine ungewohnte, spannende Erzählweise mit dem Fokus auf diese beiden Charaktere und weniger auf den konspirativen Inhalt.

Emil Groth - myFanbase

Kommentare