Deadly Class - Review des Piloten

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Nachdem mit "The Umbrella Academy" gerade erst eine Comic-Adaption, die nicht aus dem Hause Marvel oder DC stammt, einen großen Erfolg bei Netflix feiern durfte, wagt sich Syfy nun an "Deadly Class", das in den USA schon Anfang des Jahres an den Start gegangen ist. In Übersee bei Image Comics veröffentlicht, erscheint die Comic-Vorlage dieser Tage bei Cross Cult im deutschsprachigen Raum. Die Serie spielt in San Francisco im Jahr 1978 und handelt von King's Dominion, einer elitären Privatschule, bei der die Auftragsmörder von morgen ausgebildet werden. Mit Marcus Lopez Arguello (Benjamin Wadsworth) wird ein Waisenkind aufgenommen, das auf der Straße gelebt hat und er bringt die Abläufe an der Schule ordentlich durcheinander, zumal er sich seinen ethischen Grundwerten stellen muss, als er einer Ausbildung als Mörder entgegensieht.

Meine Erwartungen an "Deadly Class" waren ehrlich gesagt sehr gering, da ich bei der Serie eher nach Namen entschieden habe als nach interessanten Aspekten. Bei mir war es vor allem Lara Condor (Saya Kuroki), die mich im letzten Sommer im Netflix-Film "To All the Boys I've Loved Before" als Lara Jean schwer begeistern konnte. Bei ihr war ich vor allem gespannt, wie sie sich nach dieser sehr süßen und eher naiven Rolle in einem eher düsteren, härteren Plot schlägt. Interessant fand ich auch die Verpflichtung von Benedict Wong (Master Lin), der im Marvel-Universum als Wong, dem Begleiter von Dr. Strange bekannt ist. Dort ist eher wortkarg und unbeweglich in der Mimik, so dass es sehenswert sein könnte, auch ihn mal in einer aktiveren Rolle zu sehen. Von den Nebendarstellern dürften vor allem Christopher Heyerdahl und Erica Cerra ein Begriff sein. Ihn kennt man aus Serien wie "Supernatural" oder "True Blood" und sie hat eine gewichtige Rolle in "The 100" gespielt. Sie spielen jeweils Lehrer an der Akademie.

Die vom Papier her eher düstere Atmosphäre kommt im Piloten nur stellenweise rüber. Durch die Gegebenheiten, in denen Marcus aufgewachsen ist - seine Eltern sind tragisch ums Leben gekommen, woraufhin er in einem Heim aufwuchs, dem er nur durch einen brutalen Mord entkommen ist - zeigt sich durchaus, dass es um ernste Thematiken geht. Die dazugehörenden Szenen verlieren aber ihre Brutalität dadurch etwas, weil sie stellenweise in Comic-Zeichnungen präsentiert werden. Serienschöpfer Rick Remender begründet das mit den zahlreichen Gewaltverbrechen in US-amerikanischen Schulen der letzten Jahrzehnte, die eine unreflektierte Übernahme der Gewaltszenen aus dem Comic problematisch gemacht hätten. In der Bildsprache wiederum sieht er eine metaphorische Ebene, die in der Realverfilmung nicht aufzufangen war. Die Verwendung der Comic-Elemente finde ich aber insofern sehr gelungen, weil sie die Wurzeln dieser Geschichte repräsentieren.

Ansonsten gewinnt man doch eher den Eindruck, dass es vorrangig eine Jugendserie ist. Durch das Setting des Internats habe ich mich schnell an "Élite" erinnert gefühlt, da auch dort die Reichen zur Schule gehen und durch die Aufnahme dreier ärmeren Jugendlichen gewaltig in Aufruhr geraten. Auch Marcus fällt schnell als Außenseiter auf, da er nur zufällig durch seinen begangenen Mord in den Blick von Master Lin gerät, während die anderen Jugendlichen aus aller Herren Länder stammen und ausgebildet werden, um in die Fußstapfen ihrer kriminellen Familien zu treten. Mit der Aufteilung in verschiedene Kulturen zeigt sich aber auch die für Jugendserien so typische Aufteilung in Kategorien wie Nerds oder Divas.

Auch abseits davon sind typische Themen der Jugendzeit an der Tagesordnung. Seien es Rangkämpfe, seien es Eifersüchteleien, sei es eine Party nach der anderen, seien es neu beginnende Romanzen oder neu geschlossene Freundschaften. Gerade vor dem Hintergrund, dass an der Schule Mörder ausgebildet werden sollen, waren es mir stellenweise etwas zu viele Teenieelemente. So musste Marcus gleich in Folge 1 schon zwei Mädchen küssen. Neben Saya, die ihn so vor dem Selbstmord bewahrt, auch Maria Salazar (María Gabriela de Faría). Hier wird also schon ein Liebesdreieck angedeutet, das mich persönlich jetzt aber nicht zum weiteren Einschalten bringen würde. Spannender sind da sicherlich die einzelnen Schüler an sich, die im Piloten alle etwas zu kurz kommen, da dieser durchweg aus der Sicht von Marcus erzählt und auch durch sein Voiceover begleitet wird. Diese Strategie ist sicherlich raffiniert, da man sich so schon eng an ihn und seine Persönlichkeit binden kann. Es ist offensichtlich, dass er der Sympathieträger ist, durch dessen Augen man das Geschehen wahrnehmen und bewerten soll. Die Frage ist nur, ob das auf lange Sicht funktionieren kann, wenn einem auch die anderen Charaktere möglicherweise ans Herz gewachsen sind.

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Saya hat sicherlich großes Potenzial hierfür, da ihre harte und unnachgiebige Art vermutlich nur eine Fassade ist, so dass es bei ihr noch viel zu entdecken geben dürfte. Wie vermutet spielt Condor diese Rolle großartig. Interessant ist auch Billy Bennett (Liam James, "The Killing"), der Marcus mit offenen Armen aufnimmt und ansonsten nur Flausen im Kopf hat. Willie Lewis (Luke Tennie) hat mich aber am meisten überrascht, da seine Persönlichkeit sich tatsächlich mit den moralischen Fragen beschäftigt, die ich in einer Serie, in der Mörder ausgebildet werden, auch sehen will. Er will gemeinsam mit Marcus Rache nehmen und dabei offenbart sich, dass er große Skrupel beim Morden empfindet. Dieser Widerspruch mit seiner Ausbildung gepaart mit Marcus, der sicherlich kein geborener Mörder ist, könnte einige interessante Entwicklungen mit sich bringen. Bei Maria wiederum muss man mal sehen, wie viel Tiefe sie bekommt, da sie nach der ersten Folge doch sehr oberflächlich daherkommt.

Richtig gut gefallen hat mir im Piloten auch die Darstellung der unterschiedlichen Fächer an der Akademie. Natürlich werden hier nicht nur einfach Chemie, Mathematik oder Fremdsprachen gelehrt, sondern die Fächer haben nur ein Ziel, nämlich die Jugendlichen auf ihre Mordaufträge vorzubereiten. Daher werden zu den klassischen Unterrichtsfächern höchstens Assoziationen hergestellt. Geschichte lehrt dabei konkret Mordaufträge der Vergangenheit. In Chemie werden unterschiedliche Giftmischungen gelehrt und in Sport stehen Kampf-und Verteidigungskünste auf dem Lehrplan. Diese Darstellung erinnert mich sehr an "Harry Potter" und ich hoffe sehr, dass der Schulalltag ein konstantes Thema bleibt. Stimmig ist sicherlich auch der Soundtrack, der viele Rock- und Popanteile hat, aber auch Hip-Hop darf nicht fehlen. Hier fängt man die Atmosphäre der Jugendzeit der 70er passend ein.

Fazit

"Deadly Class" wartet mit einer interessanten Plot-Idee auf, die in meinen Augen aber noch konsequenter verfolgt werden müsste, da klassische Teenie-Elemente den Piloten beherrschen. Man ist eng an die Perspektive des neuen Schülers Marcus gebunden, was durchaus geschickt ist, da man mit ihm die neue Welt der Auftragsmörder entdecken kann. Die Neugier ist in jedem Fall geweckt, nun gilt es, die ethischen Fragen und die Nebenfiguren überzeugend im weiteren Verlauf der Serie einzubauen.

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Ausblick

Der Redaktion wurden von Syfy auch die Folgen 2 und 3 zur Verfügung gestellt, die den Eindruck des Piloten bestätigen. Es gibt immer wieder spannende Elemente der Ausbildung zum Mörder zu sehen, aber genauso wichtig bleiben die klassischen Verwicklungen, die Teenies untereinander eingehen. Dennoch bleibt die Optik dabei stets düster und unterstreicht dabei, dass man die Serie definitiv nicht unterschätzen sollte, da durchaus nicht vor gewaltfreien Momenten zurückgeschreckt wird. Die enge Bindung an Marcus bleibt erhalten, aber dennoch kommen die Nebenfiguren wesentlich mehr zur Geltung und es geht nicht nur um ihr Verhältnis zu ihm, sondern auch um die Beziehungen untereinander. Die Neugier bleibt also auch nach drei Episoden unverändert bestehen.

Lena Donth - myFanbase

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