Chilling Adventures of Sabrina - Staffelreview, Staffel 1

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Passend zu Halloween und zur dunklen Jahreszeit hat Netflix mit "Chilling Adventures of Sabrina" eine wesentlich düstere Variante der Teenieserie "Sabrina Total Verhext!" veröffentlicht. Ich selber habe von der quirligen, charmanten Serie immer nur einzelne Folgen gesehen, so dass es eher ein netter Zeitvertreib als wirkliches Interesse war. Daher bin ich sehr unbedarft an die Neuinterpretation der Archie Comics herangegangen. Von der ebenfalls auf Archie Comics basierenden Serie "Riverdale" weiß man ja schließlich, dass auch Teenieserien durchaus mal düster sein dürfen und trotzdem ein Millionenpublikum anziehen können.

Foto: Chilling Adventures of Sabrina - Copyright: Netflix, Inc.
Chilling Adventures of Sabrina
© Netflix, Inc.

"Chilling Adventures of Sabrina" wird gerne als Horrorserie bezeichnet, was ich aber nicht restlos unterstützen möchte. Ich bin nämlich wahrlich kein Fan von Horror und da ich die erste Staffel gut durchschauen konnte, kann es also keine klassische Horrorserie gewesen sein. Natürlich hat die Serie einige sehr gruselige Momente parat gehabt, sogar einige, wo man sich richtig erschrecken konnte, aber insgesamt war auch vieles bewusst übertrieben inszeniert, so dass man diesen Horroraspekt doch eher mit einem Augenzwinkern sehen muss. Wenn das Blut wild durch die Gegend spritzt oder Zelda (Miranda Otto) ihre Schwester Hilda (Lucy Davis) erschlägt, um sie hinterher zu vergraben, dann entlockte mir das doch eher ein Schmunzeln als eine schlaflose Nacht. Daher kann ich nur alle eingefleischte Horrorfans warnen, auf die Genrebezeichnung reinzufallen.

Als absolut großartig kann man den Cast bezeichnen. Wie oft bekommt man Teenieserien vorgesetzt, wo die SchauspielerInnen, die Jugendliche darstellen sollen, nicht nur tatsächlich dem Teenageralter schon entwachsen sind, sondern auch überhaupt nicht mehr so aussehen. Daher Hut ab, dass man vor allem mit Kiernan Shipka (Sabrina Spellman) und Lachlan Watson (Susie Putnam) auf eine 18- und 17-Jährige gesetzt hat. Ross Lynch (Harvey Kinkle) und Jaz Sinclair (Rosalind Walker) sind da schon deutlich älter, aber haben beide ein junges Aussehen, so dass sich gut an die anderen beiden anpassen. Vor allem Shipka strahlt in ihrer Hauptrolle heraus und sie spielt die junge Halbhexe Sabrina so leidenschaftlich, dass man sie nur mögen kann. Zudem möchte ich positiv nennen, dass es gar keine so typische Teenieserie ist, da das Leben der jungen Figuren in keiner Weise stereotyp dargestellt wird, sondern vielmehr authentisch.

Aber auch der erwachsene Cast ist als exquisit zu bezeichnen. Die aus den "Herr der Ringe"-Verfilmungen bekannte Otto und Davis spielen die Rollen der exzentrischen Tanten Zelda und Hilda so gut, dass man nur jede Szene mit ihnen feiern kann. Das Ganze wird nur noch getoppt durch Michelle Gomez, die Sabrinas Lehrerin Mary Wardwell darstellt. Die Lehrerin wird von einer Dienerin des Satans besetzt und in dieser neuen Rolle versucht sie, Sabrina ihrem Meister zuzuführen. Diese gruselige Rolle bietet natürlich unheimlich viele Facetten und Gomez kann diese problemlos rüberbringen.

Foto: Adeline Rudolph, Abigail Cowen & Tati Gabrielle, Chilling Adventures of Sabrina - Copyright: Diyah Pera/Netflix
Adeline Rudolph, Abigail Cowen & Tati Gabrielle, Chilling Adventures of Sabrina
© Diyah Pera/Netflix

Was mir persönlich doch sehr gefehlt hat, war insgesamt die Magie. Wo Hexen sind, hat auch jede Menge Magie zu sein und genau das ist leider kaum rüberkommen. Natürlich gab es immer wieder die mehrzeiligen Zaubersprüche, aber diese wurden auch eher unspektakulär in Szene gesetzt. Zudem hat mir vor allem die Alltagsmagie gefehlt. Selbst Zelda, Hilda und Cousin Ambrose (Chance Perdomo) scheinen sich den Alltag kaum erleichtern zu wollen, so dass man sogar oftmals vergessen konnte, dass man überhaupt eine Serie schaut, in der es um Hexen geht. Genauso gut hätte es einfach eine Sekte sein können, die den Satan anbetet. Trotzdem kamen Phantasie-Aspekte natürlich nicht vollkommen zu kurz, da Dämonen, Geister, Visionen, Exorzismus und Reinkarnation durchaus eine große Rolle eingenommen haben.

Aber nicht nur phantastische Themen nehmen einen großen Platz in der Serie ein, sondern auch sehr aktuelle weltliche Themen. Dabei schwingen die Drehbuchautoren nicht mit der Moralkeule, sondern sie präsentieren diese Themen als gegeben. Da haben wir beispielsweise Susie, die bereits in der ersten Folge gemobbt wird, weil ihre Schulkameraden ergründen wollen, ob sie überhaupt wirklich ein Mädchen ist. Nach und nach begreift man dann als ZuschauerIn, dass sich Susie offenbar tatsächlich als Junge fühlt, da sie sehr neugierig wird bei einer Ahnin, die in Männerklamotten das Sagen hatte. Zudem korrigiert sie Rosalinds Großmutter nicht, als diese sie als Jungen bezeichnet. Des Weiteren wird eine klare feministische Botschaft geboten. Sei es an der High School, wo Sabrina mit ihren Freundinnen einen Club durchsetzt, um die Interessen der Frauen durchzusetzen oder sei es eben Sabrina, die sich mit ihren Tanten gegen bestehende Gegebenheiten auflehnt und dabei auf vereinte Kräfte setzen.

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In Bezug auf die Handlung muss man sagen, dass man grundsätzlich pro Folge einen soliden Handlungsbogen hatte. Im Vergleich haben aber vor allem die letzten drei Folgen eine große Sogwirkung, weil man eben als ZuschauerIn begreifen soll, dass Sabrina mehr und mehr ihr bisheriges Ich aus den Augen verliert. Dementsprechend sind diese Folgen sehr düster inszeniert, aber auch wirklich fesselnd. Die einzelnen Folgen sind an sich sehr lang und an manchen Stellen merkt man das schon, weil es dann einige Zwischenszenen gibt, die man im Rückblick als überflüssig bezeichnen könnte. Als persönliches Highlight möchte ich #1.05 Träume im Hexenhaus hervorheben. Diese Episode wirkte fast schon wie eine Standalone-Episode, weil sie von der Inszenierung her sehr ungewöhnlich war. Mir hat es sehr gefallen, wie sich Batibat, der Schlafdämon, in die Träume der Spellmans geschlichen hat, da man so sehr viel über die einzelnen Figuren lernen konnte. Die letzte Folge der ersten Staffel endet nicht in einem atemraubenden Cliffhanger, aber man schlägt schon einen deutlich sichtbaren anderen Weg für die zweite Staffel ein, der sicherlich Spaß und Spannung bereiten wird.

Fazit

Die düstere Variante von "Chilling Adventures of Sabrina" hat mir gut gefallen, vor allem weil man das eben nur über eine entsprechende Atmosphäre und nicht über Horrorelemente gelöst hat. Das Casting ist grandios, sei es nun bei den jungen oder bei den älteren Rollen. Die etwas zu langen einzelnen Episoden wissen dennoch durchweg zu überzeugen, vor allem gegen Ende der Staffel hin wird es immer spannender. Es finden sich viele aktuelle Themen Erwähnung, aber vorwiegend geht es um phantastische Inhalte des Hexenkults, bei denen etwas die Magie fehlt. Insgesamt bleibt eine wirklich starke erste Staffel in Erinnerung.

Lena Donth - myFanbase

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