Bridgerton - Review Staffel 4

Nachdem sich Streamingdienst Netflix erneut für eine zweiteilige Ausstrahlung seines Erfolgshits "Bridgerton" entschieden hat, haben wir Ende Februar nun endlich alle acht Episoden vorliegen. Höchste Zeit einen Blick darauf zu werfen, was die Stärken und Schwächen der Staffel sind, die uns die Aschenputtel-Liebesgeschichte von Benedict (Luke Thompson) und Sophie (Yerin Ha) bringt.
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Ich habe nach den erst vier Episoden schon einige Kurzeindrücke niedergeschrieben und dort war augenscheinlich, dass mich die Liebesgeschichte mitnimmt, weil sie nahe an der Vorlage "Bridgerton - Wie verführt man einen Lord?" ist, und dass ich vor allem Yerin Ha als ganz tolle neue Ergänzung des Casts empfinde. Der Eindruck hat sich mit der zweiten Hälfte etwas gewandelt, wobei die Sophie-Darstellerin davon explizit ausgenommen ist, weil sie aus dem geschriebenen Material bis zum Ende alles herausgeholt hat. Aber die Liebesgeschichte an sich hat mich irgendwann verlassen, auch weil sie sich von der Vorlage immer mehr entfernt hat, aber dazu später mehr. Wenn man die letzten Jahre zu den neuen Staffeln von "Bridgerton" andere Kritiken durchgelesen hat, da hat man oft eine Gemeinsamkeit erkennen können. Die Art, wie die Serie erzählt wird, ist so breit, dass die eigentliche Liebesgeschichte irgendwann nur noch eine von vielen ist. Ich habe das immer zweigeteilt empfunden, denn als ich Staffel 1 gesehen habe, kannte ich die Buchreihe noch nicht und es war spannend, so eine reiche Serienwelt zu erkunden. Als ich dann unbedingt mal überprüfen wollte, was Julia Quinn bei Shonda Rhimes ausgelöst hat, war ich dann überrascht, wie eng die Bände jeweils erzählt sind, sodass ich umso dankbarer war, dass die Serienwelt so viel mehr zu bieten hat. Gleichzeitig muss man auch sagen, dass die reiche Serienwelt in Staffel 1 es dennoch ermöglicht hat, dass die Liebesgeschichte von Daphne (Phoebe Dynevor) und Simon (Regé-Jean Page) der Star war. Man kannte da noch nicht alle Charaktere gut genug und spätestens die Phase nach der Eheschließung, als beide zurückgezogen auf seinem Landsitz lebten, war von so viel Zweisamkeit geprägt, dass Nebenschauplätze genau das blieben, was der Begriff andeutet.
Inzwischen hat sich der Eindruck bei mir gewandelt, weil sich die Serienwelt jetzt zu reich anfühlt. Teil 1 von Staffel 4 hat sich ein großes Geschenk gemacht, indem die Zeit auf My Cottage ausgenutzt wurde. Das war die Zeit, in der Sophie und Benedict für sich waren. Da wurden die weiteren Samen ausgestreut, um ihre Liebe gedeihen zu sehen. Zurück in London und im Schoß des Ton, der ihr größter Widersacher ist, ist das Paar irgendwann die Angelegenheit von allen. Alle sonstigen Handlungsbögen mit Königin Charlotte (Golda Rosheuvel), mit Lady Whistedown, mit Alice (Emma Naomie) als Ersatz für Agatha Danbury (Adjoa Andoh), Violets (Ruth Gemmell) und Francescas (Hannah Dodd) Liebesgeschichten, der Krieg um das Personal, die Guns, all das wurde nachher zusammengeführt. Geschickt war es, das ja, weil so viele lose Fäden zusammenzubringen, nicht leicht ist, aber es hat der Liebesgeschichte die Nähe, die Ruhe genommen. Und dann kommt entscheidend hinzu, dass das Buchgeschehen außer Acht gelassen wurde. Zwischendurch hatte ich kurz den Gedanken, dass ein anderer Weg genau zu dem passen würde, was Shondaland als Produktionsstudio der Serie für einen modernen Anstrich gegeben hat. Da passte dann auch Alices Ansprache an die Königin großartig, weil sie und Agatha gemäß der Prequelserie "Queen Charlotte: Eine Bridgerton-Geschichte" Geschichte geschrieben haben, und warum nicht nochmal Geschichte schreiben? Eine Ehe zwischen einem Gentleman und einer Angestellten als völlig normal zu handhaben, das wäre nochmal ein Schritt gewesen, den ich als Buchkennerin nicht verteufelt, sondern nur als konsequent bezeichnet hätte (vor allem wenn man bedenkt, welche Richtung Staffel 5 nehmen wird). So war die Lösung der Erpressung von Araminta (Katie Leung) einfach die feige Lösung und das Happyend für Sophie und Benedict wirkte so übereilt. Es ging so stark los, aber später war zu viel los, um die tolle Chemie noch so nachzuspüren, wie ich anfangs die Hoffnung hatte.

© 2025 Netflix, Inc.; Liam Daniel/Netflix
Ich möchte noch weiter beim Paar bleiben und da auf die individuelle Charakterzeichnung blicken. Sophie bekommt von mir da die höchste Bewertung, weil man sie als Figur wunderbar verstehen konnte. Mit den Rückblenden haben wir ihr Wesen als Kind begriffen, wir waren kurz dabei, wie es dann immer herausfordernder wurde und spätestens durch die Aschenputtel-Anlehnungen sind dann ohnehin so viele Sympathiepunkte da, dass sie mich zu keinem Zeitpunkt mehr verloren hat. Aber auch so war ihre empathische, schlagfertige, clevere und durchsetzungsfähige Art ein durchgängiger Genuss. Bei Benedict erleben wir auch eine Entwicklung, die ganz geschickt parallel zu Violet gestaltet wird. Es ist eine schöne Botschaft, dass ruhelose und sich unzulänglich fühlende Benedict in Sophie seinen Anker findet, um endlich zu Ruhe zu kommen. Gleichzeitig ist der Lebenspartner alleine sicherlich nie das, was einen ausmachen sollte und da hat mir in Benedicts Charakterisierung über vier Staffeln hinweg gefehlt, dass wir da auch eine Art Abschluss bekommen. Das war bei Colin (Luke Newton) ähnlich, der zwar später seine Reisetagebücher veröffentlichen durfte, aber es war im Vergleich zu Penelope (Nicola Coughlan) etwas lächerlich. Bei Benedict hatten wir immer seine künstlerische Ader, die wir erneut betont sehen. Aber sein Selbstbewusstsein war durch die Spende an das College zerstört worden, warum hat man hier also nicht noch einen Weg gefunden, das als seine Passion anzunehmen? Auch der Umgang mit seiner Bisexualität war ein etwas seltsam erscheinende Baustelle. Vielleicht hätte man hier noch Szenen in einen der Clubs, die er so häufig besucht hat, einbauen können. Umgekehrt hat mir aber gut gefallen, dass Benedict gerade in der zweiten Hälfte immer mehr Verantwortung in der Familie übernommen hat. Die Männer in der "Bridgerton"-Welt haben alle ihre Ecken und Kanten, aber sie sind eben auch die Helden von unterschiedlich gestalteten Liebesgeschichten und da fällt in den letzten Staffeln schon auf, dass es sich etwas einfach gemacht wird.
Violet habe ich schon angesprochen und obwohl ich am Ende von der Wendung ihrer Geschichte mit Marcus (Daniel Francis) überrascht wurde, so hat mir diese Staffel einmal mehr bewiesen, dass die unterschiedlichen Mutter-Kind-Beziehungen von ihr und ihren acht Kindern ein absolutes Highlight sind. Sie sieht jedes Kind als Individuum, sie macht zwar auch Fehler, aber sie hat stets ein Gespür, bevor die Kinder es haben und sie unterstützt diese Wege, auch wenn Hindernisse zu erwarten sind. Es war auch sehr fürs Herz, wie gut sich Violet und Sophie von Anfang an verstanden haben. Und genau das ist ein Nebenschauplatz, der immer unterstützend für die eigentliche Liebesgeschichte funktioniert. Andere sind dagegen Bremsen. Doch das Schlimme ist, dass wenn ich beispielsweise an Alices Ansprache denken, oder die überraschende Rückkehr von Cressida (Jessica Madsen) und die Freundschaftsmomente von Charlotte und Agatha bedenke, dass sie für sich wunderbar funktionieren. Die Figuren gehören nun mal auch schon lange zu der Serienfamilie und man will weiterhin etwas über sie erfahren, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich immer mehr Raum für die Liebesgeschichte bevorzugen, weil das ursprünglich das war, was mich hat hängen lassen. Nachdem sich das breite Erzählen aber schon so etabliert hat, ist es schwierig, es wieder abzubauen, aber die Rolle der Mondrichs, das Festhalten an Lady Whistledown (ob die neue Version von Eloise (Claudia Jessie) ist?) und mehrere Liebesgeschichten nebeneinander zu erzählen, das sollte mal alles überdacht werden. Wie viel ist nötig und wie viel ist unabdinglich?

© 2025 Netflix, Inc.; Liam Daniel/Netflix
Was ich definitiv an dieser Staffel niemals hätte missen möchten, das ist alles rund um Francesca, John (Victor Alli) und Michaela (Masali Baduza). Auch alle Nicht-Buchkenner werden es dank des Aufruhrs um den Gender-Swap von Michael zu Michaela mitbekommen haben, dass Francescas Liebesgeschichte eine ganz andere als die mit John sein wird. Und auch wenn die gemeinsame Geschichte letztlich über drei Staffeln erzählt werden und damit die größte sein wird, so würde ich diese ausgiebige Vorbereitung jederzeit verteidigen. Bei Francescas Liebesgeschichte war immer schon reizvoll, dass John niemals einfach nur bequem war, sondern dass er immer genau der Richtige für die Situation war, in der sie auf ihn getroffen ist. Und das wurde schon in Staffel 3 gut ausgearbeitet, indem niemand ihre gemeinsamen, stillen Momente verstanden hat und es wurde auch in Staffel 4 noch einmal verstärkt. John versteht Francesca und sie versteht ihn, gerade in den Aspekten, in denen sie sonst keiner versteht. Die Drehbücher haben John wirklich gut getan, weil er zwar nachher kein Charakter mit einer eigenen Staffel sein wird, aber er bleibt dennoch im Herzen, weil er einfach ein guter Kerl ist.

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Wir lernen dann auch Michaela besser kennen und Francesca kann mit ihr eine zarte Freundschaft knüpfen. Auch hier finde ich es gut, dass die Chemie zwischen den beiden Darstellerinnen eigentlich noch gar nicht bedient wird, weil das hätte von Sophie und Benedict an der Stelle noch mehr genommen. Stattdessen wächst da etwas, was auch John sehr dankbar wahrgenommen hat. Ich bin froh, dass sein Tod nicht im Off passiert ist, weil es bislang der größte Charaktertod war und er ist sehr angemessen umgesetzt worden. Besonders die Lebensfeier war dann richtig schön, auch weil es die lockersten Familienmomente der Staffel waren. Es dürfte jetzt echt in Stein gemeißelt sein, dass Francesca und Michaela die nächste Staffel einnehmen werden und für die erste lesbische Liebesgeschichte wäre gesellschaftliche Offenheit bei Benedict und Sophie nicht schlecht gewesen, aber mal sehen, wie es dann in der fünften Staffel aufgelöst wird. Hoffentlich findet da aber keine Geschlechtsanpassung mehr statt.
Fazit
"Bridgerton" bleibt ein Serienerlebnis, das steht außer Frage. Aber mit der sehr reich inszenierten Regency-Welt stellt man sich zunehmend selbst ein Bein. Die verschiedenen Nebenhandlungen haben nicht alle dieselbe Qualität und sie sind gerade dann ärgerlich, wenn sie benötigte Erzählzeit von der zentralen Liebesgeschichte nehmen. So startete die gemeinsame Handlung von Benedict und Sophie großartig und dann war immer mehr die Luft raus und das ist einfach sehr schade. Die Highlights überwiegen aber weiter und so ist es undenkbar, dass ich eins der Bridgerton-Kinder nicht zum Happyend begleiten würde.
Die Serie "Bridgerton" ansehen:
Lena Donth - myFanbase
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Kommentare
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Aktuelle Kommentare
01.03.2026 14:49 von Daniela
56 Tage: 56 Tage
Ja, wird es. Kann allerdings noch ein bisschen dauern. :) mehr





02.03.2026 14:18 von Lena
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Zum Humor: Es war ja schon ein komischer Schnitt, als... mehr