Biohackers - Review Staffel 1

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Mein Verhältnis zu deutschen Serien ist wahrlich nicht einfach gewesen in den letzten Jahren. Wenn man regelrecht geflasht wird von der Qualität US-amerikanischen, aber auch britischen Fernsehens, dann ist es nicht gerade einfach, die positiven Aspekte der deutschen Fernsehproduktion zu sehen. Mit den Streamingdiensten, die vermehrt auf internationale Produktionen setzen, ist aber ein Wandel angebrochen, der sich in dem immensen Erfolg von deutschen Serien wie "Dark" oder "How to Sell Drugs Online (Fast)" widerspiegelt, die auch über die deutschen Grenzen hinaus ein Publikum bannen können. Dennoch war ich bei dem neusten deutschen Export "Biohackers" sehr skeptisch, denn die Serie, die man bis zu einem gewissen Grad als Sci-Fi einordnen muss, auch wenn einem immer wieder vor Augen geführt wird, dass wir von der dargestellten Realität nun wahrlich nicht weit entfernt sind, muss auch dementsprechend aufwendig und teuer inszeniert werden, um an die Großen des Markts heranreichen zu können. Kann "Biohackers" da mithalten oder ist es eher Marke peinlich?

Foto: Jessica Schwarz & Luna Wedler, Biohackers - Copyright: Netflix, Inc.
Jessica Schwarz & Luna Wedler, Biohackers
© Netflix, Inc.

Richtige deutsche Schauspielstars sind tatsächlich rar gesät, aber dennoch gibt es sicherlich Namen, die sehr vielen Menschen ein Begriff sind, wie zum Beispiel Jessica Schwarz und Benno Fürmann. Diese beiden also für "Biohackers" zu engagieren, ist definitiv ein cleverer Schachzug, denn es demonstriert rein oberflächlich, dass man hier investiert hat. Dazu wurde mit Luna Wedler eine Art neuer Stern am Schauspielhimmel gewonnen. Nach dem deutschen Überraschungserfolg "Das schönste Mädchen der Welt" war sie in der Romanadaption "Dem Horizont so nah" an der Seite von Jannik Schümann zu sehen; nun also "Biohackers". Gerade Wedler ist für die Serie goldrichtig gewählt worden, da sie die typische rotzige, aber gleichzeitig extrem ausdrucksstrake Art hat, die man im jungen, deutschen Fernsehen vermehrt zu sehen bekommt. Sie bekommt diesen Widerspruch so authentisch hin, dass man gar nicht das Gefühl hat, einer fiktiven, sondern einer realen Lebenssituation zuzusehen. Das fällt besonders dramatisch ins Auge, weil die übrigen Jungschauspieler deutlich unbekannter sind und dagegen oftmals fürchterlich aufgesetzt und stereotyp wirken. Wedler als Mia beziehungsweise Emma ist definitiv die zentrale Rolle und die Serie tut gut daran, ihr stets Gewehr bei Fuß zu folgen, denn sie trägt "Biohackers" und darüber kann wohl niemand diskutieren.

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Foto: Sebastian Jakob Doppelbauer, Caro Cult & Jing Xiang, Biohackers - Copyright: Marco Nagel
Sebastian Jakob Doppelbauer, Caro Cult & Jing Xiang, Biohackers
© Marco Nagel

Fürmann spielt noch eine deutlich untergeordnete Rolle, er wird wohl erst in der bereits bestellten Staffel 2 eine deutliche größere Rolle einnehmen. Dafür ist es aber auch spannend, Schwarz mal in so einem knallharten Part zu erleben. Sie war in den letzten Jahren doch oft in Komödien wie zuletzt in "Das perfekte Geheimnis" zu sehen, da bietet die Figur der Prof. Tanja Lorenz ein starkes Kontrastprogramm, das ihr aber ebenfalls gut zu Gesicht steht. Bei ihrer Rolle würde ich mir aber auf Dauer wünschen, dass wir etwas mehr hinter ihre Fassade blicken dürfen. Die beiden Love Interests von Mia, Jasper (Adrian Julius Tillmann) und Niklas (Thomas Prenn) sind eher Mittel zum Zweck, so dass auch hier Charakterarbeit eher rar gesät ist, aber gerade Jasper hat durch seine Erbkrankheit Huntington großes Potenzial. Tillmann gibt seiner Rolle auch ein großes Spektrum zwischen lieb und bedrohlich mit, er sollte also definitiv erhalten bleiben. Für mich steht aber noch ein großes Fragezeichen hinter den WG-Mitgliedern Lotta (Caro Cult), Ole (Sebastian Jakob Doppelbauer) und Chen-Lu (Jing Xiang). Ihre Bedeutung für die Serie ist so minimal, dass ich mich oft gefragt habe, ob es sie überhaupt gebraucht hätte. Oftmals waren sie auch für die Komik zuständig, aber ganz ehrlich, das braucht "Biohackers" nicht. Das Thema ist nun mal ernst, weswegen mich die mit der Brechstange erzeugten Szenen, in denen man offensichtlich lachen soll, eher zu einem Augenrollen bewegt haben. Das ist schade, denn es ist der typische deutsche Humor, der leider nicht für ein breites Publikum funktioniert.

Foto: Luna Wedler, Biohackers - Copyright: Netflix, Inc.
Luna Wedler, Biohackers
© Netflix, Inc.

Nun aber weg von den Schauspielern und dem fragwürdigen Humor, hin zum Inhalt der Serie. Ich muss ehrlich gestehen, dass es mir sehr schwer fallen würde, die ganzen wissenschaftlichen Komponenten von "Biohackers" hier noch einmal zu erläutern, denn die fachwissenschaftliche Dichte war sehr hoch. Sogar so hoch, dass ich an einem Punkt angekommen bin, wo ich nicht mehr beurteilen kann, ob das Erzählte nun wirklich auf einer echten Faktenlage, auf echten Möglichkeiten beruht, oder ob ich völligen Humbug aufgetischt bekommen habe. Hier wäre es vielleicht cleverer gewesen, die Zuschauer mehr abzuholen. Wenigstens wurde der zentrale Handlungsstrang rund um Projekt Homo Deus auch für Laien nachvollziehbar erläutert. Wenn dann die Hobbies von Ole und Chen-Lu eher unverständlich bleiben, dann ist deutlich weniger schlimm, als wenn das zentrale Mysterium nur Fragezeichen erzeugt hätte.

Dieser zentrale Handlungsstrang wird sehr spannend umgesetzt. Zum einen durch ideal gesetzte Rückblenden oder Vorblenden, wenn der Zuschauer schon einen Blick in die nahe Zukunft erhascht. Zum anderen ist das extrem schnelle Erzähltempo natürlich hilfreich. Wenn man bedenkt, dass es innerhalb von zwei Wochen völlig eskaliert, dann ist alles gesagt. Aber weil auch ständig etwas passiert, will man als Zuschauer immer weitersehen und das ist das größte Geschenk für eine Serie, die als Binge-Watching-Erlebnis konzipiert ist. Natürlich muss man eingestehen, dass das Tempo auf Kosten der Charakterarbeit geht. So schnell wie Mia/Emma gleich zwei Männer für sich eingenommen hat, die wahrscheinlich über Leichen für sie gehen würden oder wie schnell die WG-Gemeinschaft zusammengewachsen ist, das ist schlichtweg nonsens. Aber "Biohackers" ist eben nicht als Dramaserie angelegt, dann muss man damit leben können, auch wenn unstrittig etwas Ruhe an einigen Stellen sehr gut tun würde.

Foto: Adrian Julius Tillmann, Biohackers - Copyright: Marco Nagel
Adrian Julius Tillmann, Biohackers
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In der Plotentwicklung mag einiges vorhersehbar gewesen sein, aber durch das rasche Erzähltempo wurde dem Zuschauer auch nicht viel Zeit gelassen, sich Theorien zu spinnen. Deswegen fällt dieser Aspekt gar nicht allzu sehr negativ ins Auge. Wenn aber dann vor allem der finale Cliffhanger völlig aus dem Nichts kommt, dann hat man sowieso gewonnen, denn das ist quasi die B-Note, wo man erstmal abräumen muss. Ich möchte auch lobend hervorheben, dass die ganze Visualisierung von "Biohackers" sehr modern wirkt. Wüsste ich es nicht besser, würden es alleine die Grundlagen erlauben zu denken, dass es auch eine amerikanische Serie sein könnte. Da auch viel mit fluoreszierenden Objekten gearbeitet wird, wirkt das Geschehen auch oft spacig/futuristisch, was natürlich hervorragend zur Prämisse von "Biohackers" passt.

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Fazit

"Biohackers" hat sicherlich ein paar der typischen Krankheitssymptome einer deutschen Serie aufzuweisen, aber insgesamt muss ich zufrieden feststellen, dass unter dem Strich eine rasante, spannende Serie rausgekommen ist, die sehr modern wirkt und auf der Schauspielebene vor allem mit Luna Wedler den Jackpot gezogen hat. Da kann sich "Biohackers" definitiv mit interner Konkurrenz bei Netflix messen lassen.

Lena Donth - myFanbase

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