A Good Girl's Guide to Murder - Review, Staffel 2

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis die Adaption der zweiten Staffel von Holly Jackson beliebter Reihe "A Good Girl's Guide to Murder" endlich veröffentlicht wurde. Gleichzeitig gab es für den deutschen Markt doch gleich eine gute Nachricht dabei, denn während wir 2024 zwei Monate lang auf eine Veröffentlichung durch das ZDF und seine Mediathek warten mussten, ist diesmal eine nahezu parallele Ausstrahlung angeboten worden. Es ist definitiv eine gute Botschaft, dass immer mehr an den Weltmarkt gedacht wird. Gerade in Zeiten von Social Media ist das Fernhalten von Spoilern (wenn denn gewollt) eine echte Herausforderung.
Externer Inhalt
An dieser Stelle ist Inhalt von einer anderen Website (z. B. YouTube, X...) eingebunden. Beim Anzeigen werden deine Daten zu der entsprechenden Website übertragen.
Nochmal zur Einordnung: Ich habe die Buchreihe immer noch nicht gelesen, bleibe also als absoluter Laie an Bord. Gleichzeitig habe ich aber inzwischen etwas von Jackson gelesen und zwar "Not Quite Dead Yet", was für ein etwas älteres Publikum als YA geschrieben wurde. Aufgrund von Staffel 1 bin ich aber zum Ergebnis gekommen, dass der Unterschied in den Zielgruppen wahrscheinlich echt marginal war, denn ich habe den Stil von Jackson eindeutig wiedererkannt. Ich fand auch, dass Jet Pip sehr ähnelte. Dementsprechend habe ich mich in meiner Vermutung bestätigt gesehen, dass ZDFneo und BBC da echt eine gute Adaption gelungen ist. Die inhaltliche Relevanz von Staffel 1 ist in Staffel 2 auch weiterhin sehr deutlich zu spüren. Es hat mir gut gefallen, dass wir nicht einfach einen Bruch haben und Pip in ein neues Mysterium schicken. Stattdessen ist gerade Episode 1 intensiv dafür da, dass wir sehen, wie es den bekannten Figuren emotional geht. Der Prozess gegen Max (Henry Ashton) steht bald an und es steht in den Sternen, ob er wirklich der Vergewaltigung überführt werden kann. Ravi (Zain Iqbal) hat endlich seinen Abschluss mit seinem Bruder und kann auch beruflich nach vorne sehen. Cara (Asha Banks) fühlt sich weiterhin emotional isoliert, nachdem ihr Vater überführt wurde. Pip (Emma Myers) ist zwar nun eine kleine Berühmtheit in ihrer Heimatstadt, aber mit ihrer Neugier für den Angie Bell-Fall wollte sie niemals solche Abgründe aufdecken und muss all das verarbeiten. Gleichzeitig will sie aus dem Fall einen Podcast machen, auch um Druck in dem anstehenden Prozess aufzubauen. Dementsprechend fühlt sich der Auftakt von Staffel 2 gar nicht so sehr wie ein neues Kapitel für die Serie an, sondern wie eine stringente Fortsetzung, die sich wie schon Staffel 1 überraschend viel um charakterliche Tiefe bemüht.

© ZDF/James Pardon
Der neue Fall wird dann erst ganz am Ende des Auftakts eingeleitet. Jamie (Eden H. Davies), der ältere Bruder von Pips Kumpel Connor (Jude Morgan-Collie), ist nämlich verschwunden. Da er bereits volljährig ist und auch zuvor schon mal für ein paar Tage abgetaucht ist, ist das zunächst nichts, was die Allgemeinheit aufscheuchen würde, aber sehr wohl Pips engsten Kreis, denn nur sie weiß zunächst, dass er ebenfalls ein wichtiger Zeuge im Prozess gegen Max ist, fast eine Art Kronzeuge, was sein Verschwinden sehr verdächtig macht. So geht also der zweite Fall los, der aber durch meine kurze Beschreibung sehr offensichtlich eng mit dem ersten zusammenhängt. Normalerweise mag ich es an Krimi/Thriller sehr, wenn ich bei einer Reihe klare Brüche habe und es nur im Privatleben fortlaufende Handlungen gibt. Aber für die Jugendserie hier fand ich den Weg nicht schlecht, auch weil es unterstrichen hat, dass die Ereignisse aus Staffel 1 so schrecklich und einschneidend waren, dass niemand einfach weitermachen kann. Und man hat durch den Fokus auf Jamie gemerkt, dass es auch noch Figuren gab, die organisch in die Geschichte passen (hier über das Verwandtschaftsverhältnis), die den Fokus etwas weglenken, während wir doch eigentlich in der einen zentralen Handlungswelt bleiben.
Ich kann auch wie in Staffel 1 nur wieder unterstreichen, dass die Erzählweise sehr erwachsen und nie zimperlich ist. So gab es auch wieder Schreckensmomente für mich, weil nicht einfach ein paar Jugendliche ein bisschen miteinander rumalbern, nein, es geht um etwas und die Gefahr ist stetig immanent. Deswegen kann ich auch wieder urteilen, dass der dargestellte Fall sehr spannend war. Ich fand zwar diesmal, dass eine Enthüllung sehr offensichtlich war, weil die neue Figur Charlie (Jack Rowan) zu offensiv eingebunden wurde, sodass ich auch direkt eine unangenehme Gänsehaut bei ihm hatte. Aber die Staffel war mehr als die eine Enthüllung, weil sich da einiges wieder geschickt hat aufbauen lassen, sodass es pro Episode mindestens ein Ausrufezeichen gab. Ansonsten war der Fall sehr auf Pip und ihren mentalen Zustand zugeschnitten. Denn sie und Cara entfernen sich dann doch voneinander und sie fühlt zunehmend einen Verantwortungsdruck. Nicht von anderen, sondern aus sich selbst heraus. Das wiederum lässt ihre Zündschnur immer kürzer werden, sodass die Serie auch clever hinterfragt, wie weit Pip davon entfernt ist, selbst eine Straftat zu begehen. Das passt gut zum Grundton der Serie, die keinesfalls ein Schwarz-Weiß-Denken vertritt.

© ZDF/Jonathan Birch
Eine für mich sehr starke Darstellung war auch die von Max. Er ist einfach eine Figur, die so gut gespielt ist, dass man ihn einfach nur widerlich finden kann. Er hat überall seine Finger drin, er hat seine einflussreiche Familie im Rücken und er hat auch Intelligenz, indem er stellenweise einige Schritte vorausdenken kann. Gleichzeitig wird die Familiendynamik sehr intensiv beleuchtet und ich musste doch mehrfach an die weltweite Wirkung durch die Netflix-Miniserie "Adolescence" denken, weil es auch hier einen intensiven Blick auf toxische Männlichkeit gab. Mit dem Prozessbeginn erleben wir eine geschlossene Familie Hastings, aber die Fassade bröckelt immer mehr. Vater Toby (Adam Astill) ist im Grunde egal, ob sein Sohn die beschuldigten Taten begangen hat, er verlässt sich auf die Geschicklichkeit von Anwalt Epps (Peter Sullivan) und ist selbstsicher. Mutter Rosie (Annabel Mullion) wiederum ist zunächst noch sehr liebevoll und sehr unterstützend, bis sie sich nicht mehr des Gedankens erwehren kann, dass ihr schlimmster Alptraum wahr geworden ist. Sie wollte immer, dass Max nicht wie sein Vater wird, aber er ist noch schlimmer geworden. Es war schon sehr mitnehmend, wie für sie alles zusammenbricht, aber auch Max nimmt es hart mit, dass seine Mutter die Wahrheit sieht. Letztlich ist die toxische Spirale aber zu weit fortgeschritten, weswegen uns hier auch kein Happyend beschert wird. Denn gerade im Bereich Gewalt gegen Frau versagt die Justiz viel zu oft und das hat die Serie schonungslos offengelegt.

© ZDF/Jonathan Birch
Es gab auch ein paar Abstriche an dieser Staffel und da wäre für mich zunächst Ravi zu nennen, der für mich seltsam beschäftigungslos wirkte. Schon in Staffel 1 konnte man zwar nicht behaupten, dass Pips Freundeskreis sehr entscheidend wäre, aber Ravi war durch seinen Bruder unweigerlich betroffen. Diesmal ist Connor der Betroffene und dadurch mehr eingebunden, aber ansonsten wirkten die Figuren oft mehr wie Cheerleader als sonst was. Ich brauche in so einer Serie auch keine Liebesgeschichte, aber schon in Staffel 1 war die Chemie zwischen Pip und Ravi für mich nicht ausschlaggebend und hier in Staffel 2 zeigt sich dann deutlicher, dass sie auch einfach nicht so stimmt. Ein weiterer Aspekt wäre die Familiendynamik bei Pip. Sie und ihre Mutter Leanne (Anna Maxwell Martin), das war schon schwierig und das bleibt schwierig. Während Stiefvater Victor (Gary Beadle) bei Pip die richtige Ansprache findet und auch seine Frau zu coachen versucht, so haben die beiden Frauen nicht dieselbe Sprache. Das fand ich auch von der Idee her sehr interessant, aber leider fand ich, dass es über den Staffelverlauf nicht konsequent erzählt und ausarbeitet wurde.
Rund um den Veröffentlichungstermin der zweiten Staffel wurde publik, dass eine finale dritte Staffel mit vier Episoden bereits abgedreht wurde. Ich finde es löblich, dass sich hier offenbar eng an Holly Jacksons Vorgabe gehalten wurde. Der Inhalt wurde hier auch schon fleißig vorbereitet, indem Pip mysteriöse Nachrichten erhält. Ich habe auch mehrfach mitbekommen, dass der finale Band der beste sein soll. Das ist ein doch seltenes Phänomen in dem Genre, sodass ich sehr gespannt aufs nächste Jahr und das letzte Abenteuer mit Pip warte.
Fazit
"A Good Girl's Guide to Murder" hat mich auch in Staffel 2 gut unterhalten. Es war für mich sehr intensiv, dass die Staffeln inhaltlich so nah beieinander waren, weil so viel gute und wegweisende Charakterarbeit möglich war. Ich fand auch die Themen der Staffel sehr brisant und aktuell. Es gab zwar auch kleine Abstriche zu machen, aber insgesamt war ich bei dieser knackigen Staffel mit sechs Episoden wieder sehr begeistert dabei.
Die Serie "A Good Girl's Guide to Murder" ansehen:
Lena Donth - myFanbase
Zur "A Good Girl's Guide to Murder"-Übersicht
Kommentare
Meistgelesen
Aktuelle Kommentare
04.06.2026 11:07 von Simone Waschik
Reviews: Euphoria - Review, Staffel 3
Bei einigen Fragen kann ich helfen. Martin McQueen ist... mehr




24.06.2026 01:41 von Daniela
Episode: #22.04 Goodbye Horses (Grey's Anatomy)
Damit bist du nicht alleine. :D Ich bin auch Typ Eule... :D mehr