Bewertung

Review: #2.01 Penis-Party

Foto: New Girl - Copyright: 2012 Fox Broadcasting Co.; Dewey Nicks/FOX
New Girl
© 2012 Fox Broadcasting Co.; Dewey Nicks/FOX

Manchmal merkt man erst, wie stark man etwas oder jemanden vermisst hat, wenn man direkt damit konfrontiert wird. Erst die explizite Auseinandersetzung setzt alte Gefühle wieder frei, die verdrängt wurden oder in Vergessenheit geraten sind. So verhält es sich auch mit den Gefühlen beim Betrachten des Auftaktes zur zweiten Staffel der putzigen, kleinen Sitcom "New Girl". Die erste Staffel war keineswegs perfekt, vor allem die erzählten kleinen Geschichten waren von höchst unterschiedlicher Qualität, genau wie die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere. So geriet "New Girl" nach dem netten Staffelfinale auch ein wenig in Vergessenheit und das Gefühl des Vermissens war nach kurzer Zeit nur noch wenig ausgeprägt. Doch nach dem Staffelauftakt wird dann doch klar, dass man diese Serie und ihren natürlichen Charme und Witz doch irgendwie vermisst hat und das, obwohl der Auftakt alles andere als perfekt ist und auch wieder an kleinen Fehlern krankt, die schon in der ersten Staffel nicht vermieden werden konnten.

"I'm not a shot-girl. I'm a teacher."

Die ganz große Stärke dieser Sitcom waren noch nie wirklich die erzählten Geschichten, sondern ganz klar das Zusammenspiel der Charaktere, welches im Laufe des ersten Jahres immer besser wurde, und so war "New Girl" auch immer dann am besten, wenn die einzelnen verschiedenen Figurentypen aufeinander krachten und miteinander im direkten Austausch standen. Hervorzuheben wären da natürlich die grandiosen Gruppenszenen oder die wunderbare Chemie zwischen den Charakterpaaren Cece/Schmidt und Jess/Nick. Auch im Staffelauftakt zur zweiten Staffel ist die Rahmenhandlung nicht wirklich überzeugend: Jess wird als Lehrerin entlassen und versucht sich auf einer von Schmidt veranstalteten "Danger"-Party als Shot-Girl, welches dafür verantwortlich ist, den wild feiernden Partygästen Alkohol in den Rachen zu gießen. Die, wie Nick richtig feststellt, für diesen Job völlig ungeeignete Jess liegt diese Aufgabe auch nicht wirklich, was zu recht witzigen Momenten führt, in denen Jess sich als wildes Party-Luder versucht. Im Kern ist das Problem an dieser Storyentwicklung, dass sie ein wenig plump erzählt wird. Dass Jess eine tolle und vor allem besondere Lehrerin ist, wurde bereits öfters deutlich, umso erstaunlicher, dass gerade sie aufgrund von finanziellen Problemen aus der Schule entlassen wird. Wirklich plausibel ist das nicht und dient wohl nur der Generierung eines neuen Storyplots, der bis jetzt noch nicht wirklich großes Potenzial andeutet.

"Would you be mean to me, one more time?"

Die große Stärke dieser Folge ist eine jener Stärken, die schon in der ersten Staffel so wunderbar ausgespielt wurde: Die grandiose Chemie zwischen Nick und Jess, die als Freunde einfach wunderbar harmonieren und so ist auch in dieser Folge jede Szene zwischen den beiden ein absoluter Hochgenuss: Der grobschlächtige Nick, der versucht, Jess in ihrer Trauer irgendwie aufzumuntern und Jess, die einfach nur will, dass Nick sich nicht verstellt und seine missmutige Natur auslebt. Die liebevollen Gemeinheiten, die Nick Jess an den Kopf wirft, sind dann auch gleichermaßen lustig wie rührend, da Nick in dieser für Jess schweren Zeit einfach ein wunderbarer Freund ist. Diese Frotzeleien der beiden zogen sich schon konsequent durch die erste Staffel und es ist wohl davon auszugehen, dass in der zweiten Staffel weiter in Richtung romantische Beziehung hingearbeitet wird. Momentan ist es aber einfach auch die Freundschaft zwischen diesen beiden so unterschiedlichen charakterlichen Naturellen, die begeistert: Hier überzeugt die Serie auf ganzer Linie.

"I'm too dangerous."

Die wohl beste charakterliche Entwicklung in der ersten Staffel hat wohl eindeutig Schmidt gemacht, der anfangs noch ziemlich anstregend und fast schon nervig wirkte, im Verlauf der ersten 24 Folgen dann aber langsam zum heimlichen Star der Serie avancierte und sich verantwortlich zeigte für die wohl besten und legendärsten Sprüche. Und damit macht er dann auch gleich in der zweiten Staffel weiter: Ein bescheuerter, anzüglicher, überheblicher Spruch jagt auch hier wieder den nächsten und sorgt für große Heiterkeit. Schmidt is back und abgedrehter und verrückter, als je zuvor: So schmeißt er zur Feier der Heilung seines besten Stücks eine wilde Motto-Party, die unter dem Thema "Danger" ausgerichtet ist und auf der er, vor allem, um Cece zu beeindrucken, eine irre-Feuershow abzieht, die natürlich leicht nach hinten los geht.

Dass Schmidt aber nicht nur Gag-Lieferant und Karikatur, sondern vielschichtiges menschliches Individuum ist, zeigt sich vor allem wieder in der Interaktion mit Cece, von der er sich im Staffelfinale getrennt hatte und die nun einen ziemlichen Durchschnittstypen als Freund hat. Neben Nick und Jess ist das weitere Prunkstück dieser Serie die Beziehung zwischen Cece und Schmidt, die wohl auch in dieser Staffel noch ein zentrales Thema bleiben wird. In dieser Folge gab es nur kleinere Momente, die aber berührten und einen extrem verletzlichen Schmidt zeigten.

"So naughty."

Der Charakter, mit dem die Serienmacher von "New Girl" weiterhin wenig anzufangen wissen, ist Winston. Schon in der ersten Staffel bekam er zumeist schon die belanglosesten und oberflächlichsten Storys ab und konnte deshalb meist nur im Zusammenspiel mit den anderen Charakteren glänzen. Auch in dieser Folge wiederholt sich diese Problematik: Die Nebenstory von Winston ist kaum der Rede wert und auch nicht wirklich lustig umgesetzt. Eine Lückenbüßerstory, die einen leicht abgedreht-betrunkenen Winston zeigt und sonst nicht viel mehr. Es muss einfach weiterhin gehofft werden, dass sich die Autoren endlich mal bessere Storylines für Winston einfallen lassen, denn dieser Charakter hat mehr verdient als sinnbefreite Belanglosigkeiten.

Fazit

Die zweite Staffel von "New Girl" fängt da an, wo die erste aufgehört hat und offenbar auch mit den gleichen Stärken und Schwächen: Weiterhin macht es Spaß, dem starken Ensemble bei der Arbeit zuzusehen und so sind es auch zumeist die Charaktermomente und weniger die Storyplots, die einen an den Bildschirm fesseln. Prunkstück dieses Auftakts war definitiv jeder einzelne Moment zwischen Nick und Jess, die fast noch besser harmonieren, als in der Vergangenheit. Des Weiteren war es auch wieder Schmidt, der sich mit pointierten Schmidtschen Sprüchen für die gelungensten komödiantischen Momente verantwortlich zeigte und durch seine verletzliche Seite in Bezug auf Cece gleichermaßen auch emotional berührte. Aufgrund der Winston-Storyline und dem eher mäßig überzeugenden und wenig innovativen erzählerischen Rahmen ist der Auftakt zwar insgesamt gelungen, weist aber gleichzeitig auch noch Verbesserungspotenzial auf.

Moritz Stock - myfanbase

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