Bewertung: 9
Martin, George R.R.

Das Lied von Eis und Feuer: (01) Die Herren von Winterfell

Der Winter naht!

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Inhalt

Nachdem die Rechte Hand von König Robert Baratheon verstorben ist, bittet der König seinen alten Freund Eddard Stark von Winterfell diese Position zu bekleiden. Eddard würde diese Position am Liebsten ablehnen, und in Winterfell bei seiner Familie bleiben und den Norden von Westeros hüten, doch ihm kommen Gerüchte zu Ohren, dass Königin Cersei und die Familie Lennister eine Bedrohung für den König darstellen. Somit macht er sich auf den Weg nach Königsmund und findet sich dort inmitten von Intrigen und Machtspielen wieder, die seiner Ehrenhaftigkeit und seinen Moralvorstellungen vollkommen widerstreben. Zur gleichen Zeit sucht Viserys Targaryen, der gemeinsam mit seiner Schwester Daenerys im Exil lebt, einen Weg, um zurück nach Westeros zu kehren, um seinen Anspruch auf den Thron geltend zu machen. Dafür verkauft er seine Schwester an den Barbaren Khal Drogo und erhofft sich dadurch eine starke Armee, um gegen König Robert Baratheon in den Krieg ziehen zu können.

Kritik

Im Jahr 1991 begann George R. R. Martin mit dem ersten Teil seines mittlerweile sagenumwobenen, wenn auch noch nicht abgeschlossenen, Fantasy-Epos "Das Lied von Eis und Feuer". Circa fünf Jahre und 807 Seiten später, beendete er dieses erste Kapitel. Ein Jahr nach dem Erscheinen des Originalbandes "A Game of Thrones" in den USA, fand die spannende und mit epischer Wucht geladene Erzählung ihren Weg auch nach Deutschland. Jedoch wurde der erste Teil von "Das Lied von Eis und Feuer" hier zu Lande in die beiden Bände "Die Herren von Winterfell" (1997 erstmals erschienen) und "Das Erbe von Winterfell" (1998 erstmals erschienen) unterteilt.

Das Time Magazine bezeichnet George R. R. Martin durch seine Schaffung von "Das Lied von Eis und Feuer" als den 'amerikanischen Tolkien'. Eine Bezeichnung, die mich zunächst einmal abgeschreckt hat, da mir sofort Blasphemie bei einem solch anmassenden Vergleich in den Sinn kam. Jedoch sind dies natürlich Zuschreibungen von Außen, für die der bekennende Tolkien-Fan selbst (vorerst) nichts kann. Und auch wenn dieser Vergleich nach dem ersten Band definitiv noch nicht angebracht ist, so lässt sich nach 545 Seiten in dieser schier packenden und atemberaubenden Welt von "Die Herren von Winterfell" bereits erkennen, warum der Vergleich zu Tolkien gezogen wurde. Denn es gelingt Martin den Leser in eine Welt zu entführen, die zum einen sehr bekannte Machtstrukturen durchsickern lässt, interessante und vielschichtige Charaktere zeichnet und zum anderen eine mysteriöse und gleichzeitig stringent aufgebaute neue Mythologie erschafft, die mir so in den letzten Jahren nicht ein zweites Mal begegnet ist.

Die Erzählung der einzelnen Handlungsstränge ist in mehrere Kapitel unterteilt, die sich jeweils an einzelnen Charakteren ausrichtet (Bran Stark [5], Catelyn Stark [6], Daenerys Targaryen [4], Eddard Stark [10], Jon Schnee [4], Arya Stark [3], Tyrion Lennister [5] und Sansa Stark [2]). Die Protagonisten wachsen dem Leser entsprechend schnell ans Herz, da man sie nicht nur auf ihrem Weg begleitet, sondern auch viel aus ihrem Innenleben erfährt, ihre Beweggründe erkennt und sie anders wahrnimmt, als diejenigen Charaktere, die wir nur 'durch die Augen' der Protagonisten kennen lernen. Die Kapitel sind zwar nie aus der Perspektive der Charaktere selbst geschrieben, dennoch erfährt man als Leser lediglich die Dinge, die auch die Charaktere selbst erfahren und hat dergestalt keinen Wissensvorsprung, was mitunter immer wieder Spannung erzeugt.

Persönlich habe ich die Romanreihe erst mit der Adaption in die TV-Serie "Game of Thrones" für mich entdeckt. Die Serie konnte mich schnell in ihren Bann ziehen, jedoch fehlte es mir häufig an Hintergrundinformationen und ich hatte stetig das Verlangen mehr von den Charakteren zu erfahren. Somit begann ich nach Beendigung der ersten Staffel mit dem Band "Die Herren von Winterfell". Trotz der Tatsache, dass ich alle großen Spannungsbögen bereits kannte und mich diverse Raffinessen in der Erzählung nicht mehr überraschen konnten, fesselte mich die Geschichte beim Lesen gleichermaßen. Das liegt zum Einen daran, dass man als Leser noch viel mehr von den Hintergründen der Geschichte von Westeros mitbekommt, die Machtverhältnisse besser zu verstehen beginnt und die Zusammenhänge der einzelnen Häuser bzw. Charaktere erheblich mehr nachvollziehen kann. Zum anderen liegt dies auch darin, dass man noch einmal vielmehr am Innenleben der Protagonisten teilhaben kann und außerdem auch Sequenzen zu lesen bekommt, die in Anbetracht der lediglich zehn Episoden pro Staffel, nicht in der Serie verarbeitet werden konnten. Ein Beispiel hierfür ist die Gefangennahme von Tyrion Lennister durch Catelyn Stark und der gemeinsame Weg nach Hohenehr. Für die Serie wurde dieser Handlungsstrang perfekt gekürzt, jedoch ist es dennoch informativ mehr darüber zu erfahren und somit die Charaktere noch einmal besser kennenzulernen.

Der Band "Die Herren von Winterfell" umfasst die ersten fünf Episoden der Serie, wobei einige Szenen aus #1.06 Eine goldene Krone auch noch abgedeckt werden. Der vermeintliche Cliffhanger, dass König Robert Baratheon von Eddard Stark verlangt wieder das Amt seiner Rechten Hand aufzunehmen, funktioniert jedoch nur bedingt. Vielmehr sind es die Handlungsstränge an sich, die Charakterzeichnungen und die aufgebauten Konflikte, die den Leser dazu bewegen sich sofort den nächsten Teil zu besorgen und sich wieder mitsamt dem Buch an einen gemütlichen Ort zurück zu ziehen.

Fazit

"Dann kriecht sie in dich hinein und fängt an, dich auszufüllen, nach einer Weile hast du keine Kraft mehr, dich zu wehren". Diese Umschreibung der nahenden Kälte, die für alle eine Bedrohung darstellt, passt auch perfekt auf die Wirkung, die das Buch auf den Leser hat. Ohne, dass man es wirklich wahrnimmt, wird man in eine fremde Welt gesogen, der man sich nicht mehr entziehen kann. Es wird immer schwieriger das Buch beiseite zu legen, da man erfahren will, wie es mit den Familienmitgliedern der Starks, König Robert, den Lennisters und allen anderen Figuren dieser beeindruckenden Saga weitergeht. Und ehe man sich versieht, ist man im letzten Kapitel des Buches angelangt und erwacht plötzlich aus einer fremden Welt, in die man sich am liebsten gleich mit Hilfe des nächsten Bandes wieder reinstürzen möchte.

Annika Leichner - myFanbase
22.02.2012

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