Bewertung: 8

Review: #1.11 Stürmische Nacht

Cate und Ryan kommt der gemeinsame Gedanke, dass die angenehmste Form der Eheschließung möglicherweise das spontane Durchbrennen ist. In den meisten Fällen erscheint es eher unreif und rücksichtslos, sich heimlich aus dem Staub zu machen und ohne Freunde und Familie in einer billigen Kulisse zu heiraten, doch Cate und Ryan kann man es irgendwie nicht verdenken, dass sie eine unbeobachtete Express-Hochzeit, nur mit Lux an ihrer Seite, reizvoll finden. Schließlich hat sich für die beiden Wiedervereinten das ganze Hochzeitsbrimborium schon einmal zum Alptraum entwickelt, als sie nach ihrer Trennung auf einer Hochzeitsmodenmesse auftreten mussten, und ihre engsten Angehörigen animieren regelrecht zu einer Flucht. Besonders die Beziehung von Baze und Abby geht allen auf die Nerven. Letztlich fällt der Plan, einfach durchzubrennen, jedoch wortwörtlich ins Wasser und Cate und Ryan beschränken sich darauf, die Hochzeit terminlich vorzuverlegen. Aber reicht dieser Schachzug wirklich aus? Für weitere Katastrophen und Verhängnisse ist nämlich immer noch mehr als genug Zeit.

Über Bazes Versuch, ausgerechnet mit Abby als Partnerin der Welt im Allgemeinen und seiner Tochter im Speziellen zu beweisen, dass er Bindungsfähig ist, habe ich ja bereits fassungslos den Kopf geschüttelt. Glücklicherweise schütteln beinahe sämtliche Menschen in Bazes Umfeld kräftig mit. Vor allem seine Kumpels Math und Jamie stört es gewaltig, wie Baze sich verstellt und Abbys Leben adaptiert, obwohl es nicht für ihn geschaffen ist. Das hat sehr wenig mit einer echten Beziehung zu tun, wie Math und Jamie ihm dann auch Gott sei Dank begreifbar machen können. Abby ist einfach nicht die Frau, die Baze will, und ganz sicher nicht die richtige Partnerin, damit es mit ihm, Cate und Lux als Familie klappt. Bazes Abschlusserkenntnis dieser Episode - dass er tiefere Gefühle für Cate hat, als er sich und andere bislang eingestehen wollte - wird ironisch inszeniert: in dem Moment, als es ihm klar wird, kehrt der Strom zurück und neben ihm geht ein Licht auf ... äh an. Als Zuschauer hat man mit einer Einsicht wie dieser gerechnet, doch das Problem ist, dass Ryan in dieser Folge wieder einmal einen sehr positiven Eindruck hinterlässt und wunderbar mit Lux umgeht. "Problem" meine ich in diesem Zusammenhang dann auch nicht abwertend, denn nach wie vor gefällt es mir sehr gut, dass wir es in dieser Serie nicht mit einer typischen Dreiecksbeziehung zu tun haben, in der eine Frau oder ein Mann erst noch kapieren muss, dass er oder sie mit einer Niete zusammen ist und die viel sympathischere Alternative wählen sollte.

Obwohl bei allen, außer vielleicht bei Abby selbst, die Erleichterung darüber, dass Baze sich am Ende von ihr trennt, sehr groß ist, wird Cates kleine Schwester uns doch ein wenig näher gebracht. Nicht, dass ich sie jetzt merklich sympathischer finde, aber man ist als Zuschauer auf einem viel besseren Weg, sie zu verstehen und zu akzeptieren. Zunächst einmal sehen wir, dass sie in ihrem Beruf als Therapeutin nicht sonderlich erfolgreich ist und daher nebenbei Yoga-Unterricht gibt. Das passt natürlich zu den Eindrücken, die man bisher von ihren therapeutischen Maßnahmen und ihrem eigenen Leben gewonnen hat. Viel entscheidender aber ist, dass die Ursache für Abbys Probleme, gerade in Bezug auf Cate, etwas beleuchtet werden. Auch sie konnte Cate, als diese mit 16 Jahren schwanger wurde, nicht helfen und es kam zur Entfremdung zwischen den Schwestern, doch Abby war damals noch ein Kind, erst 14 Jahre alt, und vollkommen überfordert. Es lag sicher nicht in ihrer Verantwortung, Cate eine Stütze zu sein. Es ist gut, dass Abby und Cate dies endlich angesprochen haben und anfangen, die Vergangenheit zu bewältigen.

Auch Lux' Vergangenheit und die Spuren, die diese hinterlassen haben, werden wieder einmal thematisiert, was für mich durchaus ein wichtiges Element von "Life Unexpected" ist, denn es gibt nicht unbedingt viele US-Serien, die sich mit dem Schicksal von Pflegekindern befassen. Zum ersten Mal werden auch Rückblenden eingebaut und wir sehen Lux und Tasha als siebenjährige Kinder. Es geht abermals um den Schmerz, den Ablehnung bereitet, auch wenn man die Person, die einen ablehnt, selbst gar nicht will. Lux wundert sich darüber, dass sie eifersüchtig auf Jones' Flirt mit einem anderen Mädchen reagiert, obwohl sie selbst doch diejenige war, die sich für einen anderen Jungen, für Bug, entschieden hat. Ryan entlockt ihr, dass sie vor einiger Zeit beinahe adoptiert worden wäre und wenngleich sie nur ihre leiblichen Eltern und nicht diese Ersatzfamilie wollte, war es doch schmerzhaft, als die Leute ihre Meinung änderten und ein anderes Kind genommen haben. Das Gefühl, gewollt zu werden, ist eben ein sehr grundlegendes Bedürfnis, das man als Mensch nicht missen möchte.

Maret Hosemann - myFanbase

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