Bewertung: 6

Review: #1.15 Damenopfer

Foto: Copyright: 2010 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved./Ron Tom
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Schon länger stand der Verdacht im Raum, dass es beim FBI einen Maulwurf gibt, der wichtige Details der Mosaic-Ermittlungen an die andere Seite weitergibt. Ein Verräter ist auf jeden Fall eine bessere Erklärung für das Insiderwissen der Bösewichte, als die Theorie, dass die Männer aus Marks Flashforward in ihren jeweiligen Zukunftsvisionen die Hinweiswand gesehen haben und nur daraus ihr Wissen um die nächsten Schritte des FBI beziehen.

Als das faule Ei im Nest erweist sich die Agentin Marcie Turoff, die schon zuvor in mehreren Episoden durchs Bild gehuscht ist. Nachdem Mark und Demetri ihr auf die Schliche gekommen sind, gibt sie den Rambo und ballert sich den Weg frei. Wir erleben einen beachtlichen Body Count, auch wenn natürlich kein Hauptcharakter darunter ist. Aber es fliegen tote FBI-Agenten durch Fensterscheiben, eine Person in schwarzem Leder wird von einem Motorrad geschossen und zwei Frauen, Janis und Marcie, prügeln sich in einem Brunnen. Was kann man von einer Mainstream-Serie eines großen amerikanischen US-Networks mehr verlangen?

Apropos Janis. Sie könnte die Heldin des Tages sein, wäre da nicht die letzte Szene der Episode, die sehr massiv andeutet, dass Janis ebenfalls eine eiskalte Verräterin ist und zur anderen Seite gehört. Bitte was? Janis? Sie selbst gibt ja zu bedenken, dass der Mordanschlag auf sie beweist, dass sie nicht zur dunklen Seite der Macht gehören kann, worauf Marshall Vogel süffisant erwidert, dass der Anschlag, den sie ja schließlich überlebt hat, auch einfach eine gute Ablenkung gewesen sein könnte. Als Zuschauer haben wir die Schießerei allerdings gesehen und keinesfalls den Eindruck gewonnen, diese sei geplant gewesen. Dies wiederum entlastet Janis aber auch nicht zwangsläufig, denn die Angreifer könnten durchaus einer ganz anderen Seite angehört haben. Womöglich wollten diese Leute etwas Gutes damit tun, dass sie Janis abknallen. Heiliger Bimbam.

Was mir bei der Vorstellung von Janis als Maulwurf besonders Kopfschmerzen bereitet, ist die Story um ihren Flashforward. Okay, Simon hat seinen nur vorgetäuscht, doch die einzigen Szenen, in denen sein angeblicher Blick in die Zukunft zu sehen war, waren dann auch zwei Situationen, in denen er ganz bewusst davon erzählt hat. In Janis' Fall haben wir den Flashforward aber viel öfter gesehen und das nicht nur, wenn sie über ihn geredet hat. So lief er zum Beispiel vor ihrem geistigen Auge ab, nachdem sie angeschossen wurde. Und ist der Aufwand, den sie nun betreibt, um das Kind zu bekommen, nicht zu viel, wenn es wirklich nur Tarnung wäre? Sie wurde angeschossen und kann daher nicht mehr so einfach Kinder bekommen, mit dieser Erklärung wäre sie doch eigentlich fein raus und müsste sich nicht mehr verbiegen, um ihren Flashforward zu bestätigen. Oder ist dieser Teil, den wir von ihr kennen, schlichtweg wahr? Kann Janis eine gemeine Verräterin und gleichzeitig eine Frau sein, die sich ein Kind wünscht, nachdem sie eine entsprechende Vision hatte?

Momentan zeigen sich auf jeden Fall viele der Aspekte, die man nach den ersten zehn Episoden als sicher und selbstverständlich betrachtet hat, von einer ganz anderen Seite. So gehört sich das natürlich für eine Mysteryserie, aber die entscheidende Voraussetzung ist, dass sich alles am Ende auch zusammenfügt und das Verhalten der Charaktere Sinn ergibt. Ich hoffe, dass dies hier der Fall sein wird. Immerhin haben wir Janis bisher gemocht, da wollen wir auch eine vernünftige Erklärung dafür, warum wir sie jetzt womöglich hassen müssen und wie wir auf sie reinfallen konnten.

Wenn wir davon ausgehen, dass Janis ein falsches Spiel treibt, erscheint Agent Marcie Turoff als Bauernopfer. Vermutlich weiß sie gar nicht, dass Janis ebenfalls eine Verräterin ist und wurde von ihr geopfert, um dem FBI den Eindruck zu vermitteln, dass Maulwurfproblem wäre gelöst. Da Marcie lebend geschnappt wurde – und zwar von Janis – werden wir aber sicher noch etwas von ihr hören.

Die Nebenstory dieser Episode, die nichts mit den Ereignissen beim FBI zu tun hat, dreht sich um Bryce, Nicole und Keiko. Letztere sitzt jeden Tag in dem Sushi-Restaurant und wartet auf Bryce, der keine Ahnung hat, dass dieser Laden derjenige ist, wo er sie treffen wird. So kommt es, dass in einem Moment Keiko mit ihrem neuen Boss Emil im Restaurant sitzt und Bryce und Nicole davor stehen, ohne dass Keiko und Bryce einander sehen. Ach herrje. Irgendwie fühlte ich mich da plötzlich in eine billige Romantikkomödie versetzt. Der Zufall wird hierbei arg, und dazu noch extrem vorhersehbar, strapaziert. Als ob wir auch nur eine Sekunde geglaubt hätten, dass Keiko noch rechtzeitig aus dem Fenster blickt und Bryce entdeckt! Am Ende wird Keiko verhaftet, was ebenfalls keine große Schockwirkung entfaltet, denn dass Emils Werkstatt kein astreiner Betrieb ist, war mehr als offensichtlich. Keikos Mangel an Durchblick ist auch nur durch den Kulturcrash zu entschuldigen.

In dieser fünfzehnten Episode haben wir also eine Hauptstory mit Action und schockierenden Entwicklungen und eine Nebenhandlung, die eher langweilig und vorhersehbar daherkommt. Nicht unbedingt eine ausgewogene Mischung.

Mysterien-Schnipsel

  • Wie man sich eigentlich schon denken konnte, hat Marks Aktion in der zweiten Episode, das Freundschaftsarmband zu verbrennen, nichts gebracht, denn Charlie schenkt ihm genau ein solches Armband wieder – und das dürfte wohl jenes sein, das er am Tag X tragen wird.
  • Wer war der Motorradfahrer, der mit Marcie fliehen wollte und von Janis erschossen wurde? Und wie konnte Marcie ihn kontaktieren, während sie mit ihren Kollegen in dem Besprechungsraum saß?
  • Was hat es mit diesem Quantenverschränkungs-Dingsbums auf sich, an dem Lloyd offenbar in der Zukunft arbeitet, um einen weiteren Blackout zu verhindern? Wird uns dieses Physikzeugs glaubwürdig erklärt werden?



Maret Hosemann - myFanbase

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