Bewertung: 6

Review: #6.15 Open Source

Foto: Christine Baranski, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Christine Baranski, Good Wife
© Paramount Pictures

Mit #6.15 Open Source kehrt "Good Wife" ein wenig zurück zu seinen Wurzeln. Ohne jetzt nachgesehen zu haben, fällt mir zumindest in der jüngeren Vergangenheit, wenn nicht gar für die gesamte Staffel, keine Episode ein, die sich einem klassischen Fall der Woche vor Gericht angenommen hätte. Das war für mein Empfinden eine willkommene und erfrischende Abwechslung. Dazu wurden aber auch die fortlaufenden Handlungsstränge nicht vernachlässigt und mit einigen uns bekannten Gastdarstellern angereichert. Eine gute Ausgangssituation für eine gute Folge?

Auf der Habenseite steht für mich jedenfalls der Fall der Woche mit einer wirklich spannenden Fragestellung oder vielmehr Tatsache. Der Fortschritt der Technik ermöglicht uns Dinge, die vor noch gar nicht allzu langer Zeit noch undenkbar waren. Inzwischen stehen 3D-Drucker vor dem Eintritt in den Massenmarkt und wir bekommen hier gleich einen Extremfall präsentiert, über den ich mir bis dato ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht hätte. Das mag vielleicht naiv von mir sein, aber auf einen 3D-Ausdruck einer Waffe wäre ich beim besten Willen nicht gekommen. Umso erschreckender ist es, dass dies technisch offenbar keine große Hürde darzustellen scheint. Nicht weniger interessant ist dabei die Fragestellung, wem in diesem konkreten Fall nun die Schuld hinsichtlich des "Druckfehlers“ und der damit verbundenen Fehlfunktion der Waffe zuzuschreiben ist. Einmal mehr beweisen die Serie und deren Autoren, ein Gespür für die Umsetzung aktueller Themen, verbunden mit Kritik an den präsentierten Sachverhalten. Dabei gefiel mir besonders gut, wie dieser Konflikt auch noch einmal durch Diane ihrem als Sachverständigen berufenen Ehemann Kurt McVeigh verkörpert und ausgetragen wurde. Wir erleben nicht zum ersten Mal, dass die beiden politisch und auch in Sachen Waffengebrauch unterschiedlichen Lagern angehören und daher verschiedener Meinung sind. Das hat die beiden aber bereits in der Vergangenheit nicht davon abhalten können, in den Hafen der Ehe einzulaufen und auch wenn man von dieser Ehe bereits länger kaum bis gar nichts mitbekommen hat, kann man wohl sicher sein, dass es hin und wieder zu Diskussionen der beiden über ähnlich gelagerte Themen gekommen sein wird. Dabei neigt Diane meines Erachtens dazu, die Grenzen ihrer Beziehung gerne auch einmal bis aufs Äußerte, wenn nicht gar darüber hinaus, auszureizen. Die gerichtliche Vorladung, weil Kurt nicht zu einer Aussage im Sinne ihres Falles aussagen wollte, gehört für mich jedenfalls in diese Kategorie. Auch wenn es schön ist, dass sich die beiden am Ende wieder versöhnen, so sollte Diane diese Karte im Sinne ihrer Ehe nicht zu häufig ausspielen. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob es nicht auch gerade diese vermeintliche Skrupellosigkeit von Diane ist, die Kurt an ihr durchaus auch anziehend findet. Mir gefiel dieser zentrale Aspekt in der Folge auf jeden Fall sehr gut und er bot damit auch einen guten Ausgleich zu den zuletzt doch sehr Alicia-zentrierten Folgen.

Blass blieb dagegen einmal mehr Cary, für den die Autoren ihr gesamtes Pulver offenbar in der ersten Staffelhälfte bereits verschossen haben. Wenig Eindruck hinterließ auch Mamie Gummer in ihrer Rolle als Nancy Crozier, die leider die ihr eigene Spitzfindigkeit und typische Art der Prozessführung vermissen ließ. Ähnliches gilt auch für Richter Charles Abernathy, der auch untypisch blass und unpointiert blieb und allenfalls dadurch auffiel, dass er den Fall ähnlich interessant wie ich zu empfinden schien. Und dann war da ja auch tatsächlich mal wieder Finn Polmar mit im Einsatz, der dabei aber auch überhaupt keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte. Das tut mir wirklich leid um diese Figur und ich frage mich wirklich, warum man Matthew Goode überhaupt in den Main Cast aufgenommen hat, wenn man inzwischen überhaupt nicht mehr zu wissen scheint, wie man ihn und seinen Charakter überhaupt einsetzen soll. Zumal es auch kaum noch gemeinsame Szenen mit Alicia gibt, die ihre Aufmerksamkeit stattdessen inzwischen auf jemand anderen zu richten scheint. Aber dazu noch gleich mehr.

Womit ich also wieder einmal beim Schwachpunkt der aktuellen Entwicklungen angekommen wäre. Die Wahlkampfstory weiß mich nach wie vor einfach nicht zu fesseln und wenn man ehrlich ist, so ist es eigentlich auch gar kein richtiger Kampf, der uns hier präsentiert wird. Die Kontrahenten respektieren sich gegenseitig und die eigentlichen Kämpfe laufen eher im Hintergrund durch die eigenen Teams. Für mich als Zuschauer würde die Geschichte doch wesentlich besser funktionieren, wenn man einen Gegenspieler hätte, der aggressiver auftritt, der womöglich in Alicias Privatleben herumschnüffelt (warum um alles in der Welt ist die Scheinehe von Alicia und Peter eigentlich immer noch nicht aufgeflogen?) und damit auch emotional den Zuschauer mit Alicia mitfiebern lässt. So wirkt der Wahlkampf auf mich einfach nur steril, mitunter auch zäh und unnahbar. Mit James Castro, und da wiederhole ich mich, hätte man den perfekten Antagonisten dieser Art gehabt. Das wird einmal mehr auch in dieser Folge deutlich, insbesondere im Dialog von Alicia und Frank Prady. "You are better than I am." Dieses Zitat von Alicia sagt eigentlich schon alles. Frank ist und bleibt der Gutmensch ohne Ecken und Kanten. Alicia ist dagegen im Rahmen ihres Wahlkampfes den ein oder anderen Kompromiss eingegangen und hat dabei teilweise auch ihre eigenen Prinzipien über Bord geworfen. Wenn es also etwas an dieser Story hervorzuheben gibt, dann ist es die Entwicklung von Alicias Charakter. Während sich Frank Prady treu geblieben ist, hat sie auch die Schattenseiten der Politik und den Druck, in der Öffentlichkeit zu stehen, erlebt und sich davon verunsichern und beeinflussen lassen. Im Gegenzug hat sie der Wahlkampf aber auch gestärkt, z.B. in Ihrem Auftreten gegenüber Peter, den sie hier sogar zu ihren Gunsten und auf dessen Kosten "missbraucht".

Ein zweiter Aspekt, der mich in diesem Zusammenhang stört, ist die Rolle von Jonathan Elfman. Zwischen ihm und Alicia fehlt mir jegliche Chemie. Was mit einem aus dem Nichts kommenden Kuss in der Tiefgarage nach Carys Freispruch begann, konnte im weiteren Serienverlauf in keiner Szene der beiden auch nur annähernd transportiert werden, dass die beiden Gefühle füreinander hegen. Und selbst wenn man gar nicht so weit gehen würde und von Liebe sprechen will, so ist für mich nicht einmal sexuelle Spannung zu verspüren gewesen. Womit ich wieder bei Finn Polmar wäre. Ob man jetzt nun ein Befürworter der Paarung von Alicia und Finn ist oder nicht, die Spannung zwischen den beiden war bislang jedenfalls mehr als offensichtlich und auch tausend Mal besser inszeniert. Ich erinnere mich da nur zu gerne an einen wortlosen Moment der beiden auf dem Sofa in Finns Büro.

Eine recht undurchschaubare Sache war für mich die Geschichte mit Alicia und Louis Canning. Wurde Alicia hier tatsächlich zu seinem Spielball, indem er sie für seine Spendenüberweisung missbrauchte? Canning selbst traue ich das ja durchaus zu, nur welches Ziel steht hier genau dahinter? Sollte dies neben seiner Klage gegen ihre Kanzlei auch noch eine Diskreditierung von Alicia zur Folge haben, um Klienten auf seine Seite zu ziehen und ihr gar im Wahlkampf zu schaden? Im Grunde genommen würde eine von ihr getätigte Spende an eine die Hamas nahestehende Organisation ja auch ihrem politischen Gegner Frank Prady in die Hände spielen. Auch die Rolle von David Lee in der Sache bleibt zunächst unklar. Haben sich Diane und Cary mit David tatsächlich einen Saboteur im Auftrag von Canning in die eigenen Reihen geholt? Mir war ja die Verpflichtung von David Lee für die Kanzlei ohnehin schon ein Dorn im Auge, weil dies für mich neben der Rückkehr in die alten Büroräume einen weiteren Schritt zurück in frühere Verhältnisse darstellt, nur dass eben Will fehlt. David Lee war für mich immer mit der Rolle eines Opportunisten besetzt, stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Das wäre ja tatsächlich das erste Mal, dass er hier zu seinem letzten Companion, Canning, stehen würde. Auf diesen Aspekt mit David wird man hoffentlich noch einmal näher eingehen. Insgesamt wäre eine Sabotage durch ihn aber keine Story, die mir persönlich besonders zusagt. Vielsagend war in diesem Zusammenhang immerhin noch Alicias Aussage an Cannings Krankenbett: "I seem to have some bad boy issues." Da erübrigt sich meines Erachtens, rückblickend auf sechseinhalb Staffeln "Good Wife", jeder weitere Kommentar.

In drei Tagen ist nun also die Wahl. Zugegeben, ich habe in dieser Storyline inzwischen jegliches Gefühl für die Zeit verloren. Ich hatte bislang stets den Eindruck, dass man sich den Ausgang der Wahl noch bis mindestens kurz vor dem Staffelfinale aufheben würde. Dass es nun bereits in der nächsten Folge dazu zu kommen wird, kommt für mich da fast aus heiterem Himmel, wurde doch beispielweise noch vor kurzem um Geldspenden geworben. In den vergangenen zwei Folgen ist man auch gar nicht mehr auf Kalinda und ihren Dienst für Lemond Bishop eingegangen. Den Abholdienst für dessen Sohn Dylan sollte sie ja für zwei Wochen übernehmen. Sind diese inzwischen bereits vergangen? Manchmal würde ich mir wirklich eine Zeiteinblendung wünschen, die eine bessere zeitliche Einordnung des Gesehenen erlaubt.

Fazit

Die Rückkehr zum klassischen Fall der Woche war eine willkommene Abwechslung vom nach wie vor recht langweiligen Wahlkampf, der auch in dieser Folge nicht zu kurz kam, jedoch erneut nur bedingt zu unterhalten wusste. All das verblasste jedoch gegen die Show des Ehepaares Diane und Kurt im Gericht, bei der auch der Fall an sich mit einer interessanten und spannenden Fragestellung aufzuwarten wusste. Weitgehend ungenutzt blieben hingegen die zahlreichen wiederkehrenden Gaststars, wozu ich auch die Szenen mit Michael J. Fox zähle, die wie so oft zuletzt doch ziemlich verpufften oder in der Fülle der erzählten Geschichten untergingen. Die Schwächen der Folge sind daher auch nicht komplett zu ignorieren, so dass es am Ende dann doch nur zu sechs Punkten reicht.

Jan H. – myfanbase

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