Bewertung: 5

Review: #6.13 Schattengeld

Foto: Archie Panjabi, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Archie Panjabi, Good Wife
© Paramount Pictures

"It's Colin Sweeney Time Again" und wer schon die ein oder andere Review von mir gelesen hat, der weiß auch, dass ich mit der Figur an sich nicht viel anfangen kann. Ich will mich daher auch gar nicht mehr länger über den Charakter an sich auslassen, sondern lieber gleich zum Punkt kommen, warum ich diesen Handlungsstrang gleich in mehrerlei Hinsicht für ziemlich langweilig und uninspiriert hielt. Ich habe jetzt nicht mitgezählt, der wievielte Auftritt von Sweeney das bei "Good Wife"" war, aber besonders in dieser Folge empfand ich die Geschichte unglaublich repetitiv. Ja, um Colin Sweeney rankt sich seit seinem ersten Auftreten die Frage, ob er der Mörder seiner Frau ist oder eben nicht. Dass der Mann widerlich pervers und skrupellos ist, wissen wir allerspätestens seit #5.19 Eine fesselnde Beziehung, aber muss man jetzt wirklich zum wiederholten Male in einem Prozess den Mord neu aufrollen? Ehrlich gesagt gefiel mir der ursprüngliche Ansatz der gerichtlichen Auseinandersetzung sogar ziemlich gut. Die Fragestellung, wie nah sich TV Serien bei fiktiven Inhalten an realen Ereignissen orientieren und diesen möglicherweise einen eigenen Dreh geben dürfen, ohne dabei Persönlichkeitsrechte realer Personen zu verletzen ist doch durchaus berechtigt und hätte meines Erachtens völlig ausgereicht. Diese Chance wurde jedoch vertan, ebenso die Chance, Colin Sweeney den Mord an seiner Frau tatsächlich noch anhängen zu können, indem man mit dem wirklich aus dem Nichts herbei gezauberten Cop Out um Chumhum einen insgesamt sehr unspektakulären Weg aus der ganzen Nummer gefunden hatte. Nun war aber nicht nur die Geschichte an sich schlecht erzählt, sondern auch die regulären Seriencharaktere in der Story schlecht positioniert. Aus der Kombination von Sweeney mit Diane und Cary wurde auf jeden Fall überhaupt nichts gemacht. Selten habe ich Diane so hilflos vor Gericht erlebt und bei Cary muss ich gerade überlegen, ob er überhaupt einen zusammenhängenden Satz von sich geben durfte. Dessen Einsatz war auf jeden Fall hier total verschwendet.

Stattdessen kam Alicia als Retterin des Falls zur Hilfe und auch wenn das letztendlich natürlich nur den bisherigen Begegnungen der beiden geschuldet war, boten diese kleinen Zwischenszenen von Alicia und Sweeney noch den besten Unterhaltungswert oder vielleicht besser gesagt Tiefgang. Da wäre zum Einen der durchaus sehr sichtbare und teils auch verbal geäußerte Widerwille Alicias gegen die Person Colin Sweeney an sich und zum Anderen, und darauf lag eigentlich das Hauptaugenmerk, dass er ihr und ihrer Kampagne offenbar mit der Veröffentlichung ihrer Spendengeber gehörig Schaden zufügen kann, der sie dazu nötigt, ihm zu einem Ausweg aus seiner Lage zu helfen. Das war in dieser Episode nur ein Aspekt, der Alicia im Wahlkampf zuwider ist und letztendlich zu ihrem arg plakativen Zusammenbruch am Folgenende führte. Aber dazu gleich noch mehr. Ein Wort vielleicht noch kurz zu Dylan Baker. Auch wenn ich kein Freund seiner von ihm gespielten Figur bin, so muss ich ihm auch hier wieder zugestehen, dass er das Rollenprofil wirklich vortrefflich zu verkörpern weiß. Die Darstellung seines vermeintlichen alter Ego in Form des Schauspielers vor Gericht war jedoch einfach nur over the top und daher lächerlich. Ich weiß gar nicht, ob man das wirklich Dylan Baker ankreiden kann oder nicht doch dem Drehbuch und der Regieanweisung, die diese Inszenierung von ihm verlangten. Für meinen Geschmack kann Colin Sweeney jedenfalls jetzt auch gerne mal wieder ein längere Bildschirmpause einlegen.

Aber noch einmal zurück zu Alicia. Auch bei deren Geschehen kehren für mich so langsam die Ermüdungserscheinungen ein. Wir sind aktuell noch vor dem letzten Staffeldrittel und man kann wohl davon ausgehen, dass uns der Wahlkampf noch bis mindestens kurz vor Staffelende begleiten wird. Dennoch tut sich meines Erachtens entscheidend wenig. Rivale Frank Prady ist mir immer noch zu blass und auch im inzwischen dritten Anlauf wird uns doch immer wieder die selbe Geschichte aufgetischt, dass eben Prady derjenige ist, der bei Alicia vor der Tür steht und um einen fairen Wahlkampf bemüht ist. Mir ist ehrlich gesagt immer noch nicht klar, ob das nicht nur eine Masche von ihm ist oder er diesen Wunsch wirklich verfolgt. Der Ablauf bleibt dennoch gleich. Nun also gibt es mit den offenbar aus dem erweiterten Unterstützerkreis von Alicia initiierten Anti-Gay-Anrufen ein weiteres Wahlkampfmittel, dass Alicia selbstverständlich zuwider ist, sie aber offenbar nur bedingt persönlich beeinflussen kann. Dazu gesellt sich dann noch ein äußerst schmieriger Geldgeber, dessen Manierismen man sich als Geld benötigende Kandidatin offenbar gefallen lassen muss, wenn man zu den Siegerinnen gehören will. Das sind Themen, die einen solchen Wahlkampf sicher auch in einem anderen Licht erscheinen lassen, dennoch beschleicht mich auch hier das Gefühl nun schon wiederholt eine Alicia mit angesehen zu haben, die sich für ihr Ziel erneut auf die Zunge beißt, innerlich jedoch damit zu kämpfen hat. Womit wir wieder bei ihrem Weinkrampf wären, der dramaturgisch womöglich gut gemeint war, aber in der Umsetzung dann doch ziemlich platt daher kam. Der Holzhammer hat hier meines Erachtens gehörig zugeschlagen. "Good Wife" hat doch schon wirklich oft genug bewiesen, dass man solche Szenen nicht ganz so plakativ inszenieren braucht, um einen entsprechenden Effekt zu erzielen. Ja, Alicia hat sich gewandelt, aber zu einer eiskalten Karrierefrau im Stile einer Claire Underwood aus "House of Cards" ist sie dann doch noch nicht mutiert. Dennoch hat sie ihren Weg noch nicht gefunden, die weniger schönen Seiten des Wahlkampfes zu akzeptieren und damit umgehen zu können.

Über die Unzulänglichkeiten der Folge habe ich mich nun aber genug ausgelassen. Und damit komme ich dann auch zu dem für mich interessantesten Teil der Episode, nämlich den um Kalinda. Da war er nun also der schicksalhafte Anruf, der rückblickend betrachtet gerade einmal zwei Folgen seit #6.11 Hail Mary auf sich warten ließ, durch die lange Pause der Serie in den USA aber gefühlt viel weiter zurückliegt (ich verfolge die US-Ausstrahlung). Ich war wirklich sehr gespannt, wann es zu diesem Anruf kommen wird und mehr natürlich noch darüber, was er für Folgen für Kalinda haben wird. Daher war die Überraschung doch erst einmal groß, dass sich Kalindas Gefallen für Lemond Bishop vermeintlich nur darum dreht, dessen Sohn Dylan 14 Tage lang von der Schule abzuholen und ihn nach Hause zu bringen. Das klingt zunächst einmal nicht danach, dass man um Kalinda besonders Angst haben müsste. Aber bei Lemond Bishop weiß man ja nie so genau, zumal er sich für gewöhnlich die Hände ja nicht selbst schmutzig macht. Ganz ohne triftigen Grund bzw. einen Verdacht, wird er sie nicht gerade für diese Aufgabe engagiert haben. Und wenn auch bislang nur ein verdächtiger Wagen mit getönten Scheiben vermuten lässt, dass hier noch etwas auf sich warten lässt, so zeigte sich in dieser Folge aber die sehr interessante Dynamik von Bishop und Kalinda. Wiederholt konnten wir schon erleben, dass sie ihm gehörigen Respekt zollt und statt ihres sonst so toughen Auftretens, gerade auch gegenüber Männern, bei Bishop stets fast schon zurückhaltend und eingeschüchtert reagiert. Aber der Respekt beruht ja durchaus auch auf Gegenseitigkeit. Die Liebe zu seinem Dylan ist unverkennbar und man kann davon ausgehen, dass Bishop seinen vermeintlich wertvollsten "Besitz" nicht ohne Weiteres jedem anvertrauen wird, der nicht sein vollstes Vertrauen genießt. So übt er zwar Kontrolle über Kalinda aus, verlässt sich aber zugleich auf ihr Können. Durch ihre neue Aufgabe zeigt sich bei ihr sogar eine Seite, die wir bisher höchstens in ihrer Sorge um Cary erleben durften. Denn auch wenn sie den persönlichen Abstand zu Dylan sucht, gelingt ihr die Umsetzung dieses Vorhabens nur schlecht und innerhalb kurzer Zeit entsteht hier ein Verantwortungsgefühl für den Jungen, das mit Sicherheit nicht nur aus der Abhängigkeit von dessen Vater her rührt. Für kurze Zeit hatte ich übrigens auch ernsthaft Angst um Dylans Mitschüler und Peiniger. Doch der Anruf beim Vater des Jungen zeigt gleich zweierlei auf: Bishop ist ein sich kümmernder und liebevoller Vater, der seinen Sohn aus seinen üblichen Handlungsmustern heraushalten will und außerdem sind wohl nur unwissende Kinder so naiv, sich mit einer Person seines Kalibers anzulegen. Ich bin mir sicher, nach diesem Anruf, braucht sich Dylan keine Sorgen mehr über weitere Drangsalierungen zu machen. Alles in allem war das hier aber erst einmal die Einführung oder besser gesagt das Vorspiel, bevor wir in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft über die wahren Hintergründe für Bishops Auftrag an Kalinda aufgeklärt werden.

Fazit

Nach dem Abschluss der Geschichte um Cary ist zur Mitte der Staffel gerade ein wenig die Luft raus. Die Handlungsstränge um Colin Sweeney und Alicias Wahlkampf Duell mit Frank Prady wirkten unglaublich wiederholend, teils sogar lächerlich und holzhammerartig in der Inszenierung. Der von uns Zuschauern ersehnte Anruf von Lemond Bishop bei Kalinda brachte leider noch nicht die ganz große und spannende Entwicklung, bot aber dennoch die für mich besseren Szenen dieser Folge. Ich hoffe, hier fährt man schon sehr bald mit gelöster Handbremse und verleiht der zweiten Staffelhälfte damit etwas mehr Schwung, den ich auch in Sachen Wahlkampf noch vermisse.

Jan H. – myfanbase

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