Bewertung: 7

Review: #6.09 Schlammschlacht

Foto: Matt Czuchry, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Matt Czuchry, Good Wife
© Paramount Pictures

"Wem kann man vertrauen und wem nicht?" – Gleich vier Charakterpaarungen müssen sich diese Frage in ganz unterschiedlichen Situationen stellen, die im Zentrum von #6.09 Sticky Content, der neunten Ausgabe der sechsten Staffel von "Good Wife" steht.

Alicia & Frank Prady

Auch der zweite Auftritt von Frank Prady als Alicias neuem Konkurrenten im Wettbewerb um das Amt des Bezirksstaatanwaltes kann mich noch nicht überzeugen. Mir will sich einfach nicht erschließen, warum man James Castro aus dem Rennen genommen hat. Auf jeden Fall erscheint mir Prady insgesamt einfach noch zu zahnlos. Sein Angebot an Alicia, gegenseitig keine schmutzigen Details aus dem Privatleben des jeweils anderen im Wahlkampf einzusetzen ist zumindest schon mal kein Schachzug, den nicht auch jeder andere Gegenkandidat hätte spielen können. Zumal Prady die Fotos in der Box wohl von Castro bekommen hat, der diese bei Weiterverfolgung der eigenen Kandidatur garantiert ausgespielt hätte. So recht will mir das alles nicht einleuchten. Es stellt sich aber zu recht die Gewissensfrage, inwiefern einem solchen Angebot wirklich zu trauen ist. Und wenn ich an Alicias Stelle wäre, dann fände ich Misstrauen durchaus angebracht. Sie kennt das Wahlkampfgeschehen nicht nur durch Peter, sondern inzwischen auch aus eigener Erfahrung. Da mag sie für sich entsprechende Prinzipien des Umgangs gefunden haben, aber die müssen ja nicht zwangsweise von anderen geachtet und übernommen werden. Da wir von Frank Prady noch nicht viel wissen, ist bestimmt Vorsicht angeraten und wer weiß schon, was die jeweiligen Beraterteams im Hintergrund alles steuern. In Anlehnung an den Folgentitel muss man außerdem auch berücksichtigen, dass beispielsweise im Internet gestreute Informationen nur sehr schwer wieder zu entfernen sind. Die Vereinbarung an sich ist also ein fragiles Konstrukt und ich bin mir nahezu sicher, sie wird kaum aufrecht zu erhalten sein.

Und wenn wir gerade schon beim Thema Wahlkampf sind, die Produktion der Wahlwerbespots nahm hier doch großen Raum ein und soll damit auch nicht gänzlich unter den Tisch fallen. Ich kann Alicias Einstellung, das Geschehen um Will nicht in den Mittelpunkt zu stellen, sehr gut nachvollziehen. Zudem ist es einfach aus unserer Sicht hier in Deutschland auch keine Art, wie bei uns Wahlkampf betrieben wird. Mal einmal abgesehen davon, dass es überhaupt absurd anmutet, für die Wahl eines Bezirksstaatsanwaltes solch einen hohen (Werbe-)Aufwand zu betreiben. Inzwischen hat Alicia aber auch gelernt, dass man Kompromisse eingehen muss, wenn man eine ernsthafte Siegchance haben will und so ist sie denn wohl auch doch bereit dazu gewesen, über die Vorkommnisse Stellung zu beziehen. Das ist ihr letztendlich in einem würdevollen Umgang mit der Situation gelungen. Trotzdem ist sie noch immer stark unter dem Einfluss der jüngeren Vergangenheit, was man spätestens daran erkennen kann, als genau diese Interviewszenen zwangsweise noch einmal wiederholt werden müssen und sie vor der Kamera total verkrampft.

Alicia & Peter

In Pradys Box findet Alicia Fotos von Peter und Ramona, die eine Affäre der beiden nahelegen. Aufgrund Peters Vergangenheit ist der Verdacht für Alicia natürlich mehr als nachvollziehbar begründet. Fraglich ist aber, ob Peter wirklich zu glauben war, als er Alicia gegenüber sexuellen Kontakt mit Ramona abstritt oder ob es dazu wirklich erst nach der Äußerung ihres Verdachts kam. Letztendlich ist das aber auch unerheblich. Peter hat eine Affäre oder zumindest ein Techtelmechtel und geht damit nicht nur ein Risiko in Bezug auf sein eigenes Amt, sondern auch für Alicias Kandidatur ein. Da ich Frank Prady derzeit noch alles zutraue, gehe ich davon aus, dass dies im weiteren Staffelverlauf durchaus noch an die Öffentlichkeit gelangt.

Stark war übrigens auch die Interview-Szene des Florrick-Ehepaars. Das mit dem Ziel Einigkeit zu demonstrieren geführte Interview strahlt gerade in der von Alicia eingenommenen Körperhaltung das genaue Gegenteil aus, während sie dies mit ihren Worten geschickt zu widerlegen versucht. Ihre Erzählung des "happiest moment of my life" erzeugte zumindest bei Peter ein göttlich verwirrtes Gesicht. Solche kleinen, aber feinen Szenen machen "Good Wife" zu etwas ganz besonderem unter den aktuell laufenden Network Drama-Serien.

Nicht ganz unpassend zu dieser Situation sind sicher auch die Szenen von Alicia und Finn Polmar zu sehen. Das wortlose Ergreifen seiner Hand und die darauffolgende Flucht aus seinem Büro ließ mich hinsichtlich der Bedeutung dieser Szene etwas ratlos zurück. War das eine Art Überreaktion oder gar ein Racheversuch, nachdem sie mit Peter über dessen Affäre mit Ramona gestritten hatte? Auch die Szene am Tag darauf in Alicias Büro hält diese seltsam verkrampfte Spannung zwischen den beiden weiter aufrecht. Ihre Bemerkung zu den gläsernen Büros der Kanzlei steht hier sinnbildlich für ihr derzeitiges Leben. Durch den Wahlkampf führt Alicia derzeit selbst ein gläsernes Dasein. Sie wird von der Öffentlichkeit und der Gegenpartei durchleuchtet und hat damit kaum noch Privatsphäre. Da wundert es geradezu schon, dass ihre nur noch auf dem Papier existierende Ehe noch nicht aufgedeckt wurde. Auf jeden Fall wird sie mit Finn kein Risiko eingehen wollen und auch grundsätzlich bin ich nicht der Meinung, dass sie eine romantische oder von mir aus auch nur sexuelle Beziehung mit Finn tatsächlich in Betracht zieht. Ich fände es jedenfalls sehr schade, wenn das bisher so unverkrampft freundschaftliche Verhältnis der beiden damit zum Stillstand kommen würde.

Cary & Lemond Bishop

Der zweite Schwerpunkt mit Cary und Lemond Bishop war für mich der spannendste und stärkste Teil der Folge. Es war wirklich schwer einzuschätzen, inwiefern die auf Band aufgenommene Todesdrohung von Bishop bezüglich Cary echt und vor allem ernst zu nehmen war. Diese Unsicherheit lag damit fast die komplette Episode über sämtlichen Szenen, die Cary involvierten. Besonders stach dabei die Szene im Flur vor Carys Wohnung hervor, die fast schon Horrorfilm-mäßig inszeniert wurde. Der lange Flur, das Licht unter der Tür in seiner Wohnung, das war vor Spannung kaum auszuhalten. Und was muss da erst in Cary vorgegangen sein? Der arme musste inzwischen schon so vieles erleiden und nun auch noch dieses Damoklesschwert über ihm. Großes Lob auch noch einmal an Matt Czuchry, der vor allem mit seiner Mimik für ein ausdrucksstarkes Schauspiel sorgte. Ich freue mich wirklich über das Charakterprofil, dass die Figur des Cary spätestens seit Beginn dieser Staffel erhalten hat und von Matt überzeugend erarbeitet wurde. Carys Besuch bei Bishop (Himmel hatte ich da Angst um ihn) muss man zwar fast schon als leichtsinnig und lebensmüde bezeichnen, aber letzten Endes war es wohl genau diese Situation, die Bishop davon überzeugen konnte, Cary zu vertrauen und seine Drohung eben nicht wahr zu machen.

Kalinda & Lana Delaney

Auch bei Kalinda und Lana Delaney geht es um Vertrauen. Da es ausgerechnet Lana ist, die Cary die Aufnahme mit Bishops Morddrohung vorspielt, gerät Kalinda in Gewissenskonflikte. Soll man der Freundin hinsichtlich der Echtheit der Aufnahme vertrauen oder nicht? Dass dabei Cary im Mittelpunkt steht und damit ausgerechnet der Rivale in Lanas Ringen um Kalindas Gunst, ist natürlich auch Kalinda bewusst. Dennoch bittet sie Lana um die Aushändigung der Aufnahme, um eigene Untersuchungen anstellen zu können. Das spricht zunächst einmal für Kalinda und ihr persönliches Engagement und ihre Sorge um Cary. Zugleich belastet es aber die Beziehung der beiden Frauen. Noch dazu geht Lana aus Liebe ein persönliches Risiko ein. Wiederholt hatte sie bereits Kalinda darum gebeten, zu ihr zu stehen und sie nicht nur für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Und auch nach Kalindas Versicherung, dass es ihr ernst sei, kann sich Lana nicht sicher sein, dass diese zu ihrem Wort stehen wird. Dazu kennen sich die beiden einfach schon zu lange.

Fazit

Mit #6.09 Sticky Content wird uns eine weitere gelungene "Good Wife"-Episode geboten, die ihre Stärken einmal mehr insbesondere im Handlungsstrang um Cary und Lemond Bishop demonstriert. Die durchweg bedrohliche und Nerven zehrende Spannung um Carys Leben ist förmlich greifbar. Dagegen kann mich Alicias Kandidatur weiterhin wenig überzeugen, die mit dem noch blassen und undurchschaubaren neuen Gegenkandidaten sowie der halbgaren neuen Affäre von Peter nicht so recht in die Gänge kommen will.

Jan H. – myFanbase

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