Bewertung: 8

Review: #2.01 Die Fusion

Foto: Julianna Margulies & Josh Charles, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies & Josh Charles, Good Wife
© Paramount Pictures

Nach dem ergreifenden Abschluss, der überzeugenden Debütstaffel von "Good Wife" mit der Folge #1.23 Fluchtversuche, brannte ich sehr auf die Fortsetzung der Serie. Ergreifend deshalb, da der obligatorisch eingebrachte Cliffhanger am Ende von Staffel 1 durch die emotional-spannende Erzählweise total punkten konnte. Nach Peters enormen Fehltritten und Alicias Aufrappelung dazu, hoffte ich auf eine neue Chance für die Zwei als Ehepaar. Man will die Beiden nun halt einfach glücklich mit ihrer Familie sehen, nach all den insbesondere bei Alicia von Schmerz geprägten Momenten, Peters Kampf um ihre Vergebung und dazu dem Druck der Öffentlichkeit, unter dem sie beide stehen. Peters Rede schien mir als die hoffnungsbringende Chance hierzu. Und ausgerechnet da, nimmt die zuvor eher zurückgehaltene Alicia-Will-Situation, enorm an Fahrt auf: Wills emotional motivierter Anruf, Alicias Irritierung deswegen und Peters erwartungsvoller Blick während er auf der Bühne steht. Diese Mixtur traf genau ins Schwarze und ließ mich gespannt zurück, wie das nun ausgehen würde. Ich fürchtete eine Blamage Peters, für die Alicia letztendlich die Verantwortung gegeben würde, dazu den noch unsicheren Bestand ihrer Ehe. In der Öffentlichkeit, vor all den zusehenden Menschen stehend, hat dies noch eine ganz besondere Dynamik.

Mit der Auflösung des Cliffhangers bin ich hier bestens zufrieden. Die angespannte Atmosphäre wurde 1:1 in die neue Staffel hinüber transportiert. Eli Golds Eingriff ist zwar durchaus fies, da er Wills späteres Mobilbox-Liebesgeständnis hinter Alicias Rücken ja entfernt. Dennoch hätte ich ihm am liebsten auf die Schulter geklopft. Das schien mir in dem Moment einfach genau die richtige Lösung zu sein. Indirekt weiß man allerdings da schon, dass es ein Nachspiel geben könnte, sollte Alicia davon Wind bekommen. Ein großes Plus an der Cliffhanger-Auflösung ist auch, dass dieser nicht einfach plump abgehakt wird. Man spürt die gesamte Episode das gewisse Etwas zwischen Alicia und Will, diese Ungeklärtheit nach dem Telefonat. Ich möchte natürlich gerne von Alicias Seite aus erfahren, wie sie auf Wills Liebesansage reagieren würde, Kalindas Vorschlag mit ihm zu reden konnte ich nur mit Kopfnicken zustimmen. Doch manchmal ist es eben verflixt, wenn eine gewisse Unsicherheit herrscht. Ich vermute jedoch, dass Alicia noch weiterhin den Plan gefordert hätte, wie auch immer dieser aussehen soll. Diese Storyline um Will und Alicia dürfte in der Staffel 2 sicher von großer Bedeutung sein. Ich bin schon gespannt wann die Wahrheit über Wills emotionales Geständnis herauskommt und ob die Beiden sich doch noch näher kommen werden. Da liegt etwas in der Luft und jetzt ist dies noch deutlicher geworden. Nicht zu übersehen ist aber Alicias noch bestehende Leidenschaft gegenüber Peter, was die Badszene am Ende, deutlich aufzeigen kann. Gut möglich, dass bald eine richtige komplexe Dreiecks-Situation entsteht?

Einfach wird es für Alicia definitiv nicht in der nächsten Zeit habe ich so im Gefühl, denn Peters Vorhaben zur Kandidatur für den Oberstaatsanwalt nimmt schon ordentlich Form an. Dies ist sicher eine weitere Storyline von großer Präsenz in der neuen Staffel, der ich mit großer Freude entgegenblicke. Sie birgt ein immenses Potential, das die Autoren hoffentlich nutzen werden. Es scheint mir als könnte dies noch ordentliche Auseinandersetzungen zur Folge haben, die die unterschiedlich gepolten Interessen auslösen werden. Sehr auffällig auf der einen Seite der clevere Eli Gold und die fieberhafte Mum Jackie, die Peter lieber heute als morgen bereits als neuen Oberstaatsanwalt von Cook County sehen möchten. Auf der anderen Seite haben wir eine Alicia, die dem Ganzen noch nicht so recht über den Weg traut. Ich denke zwar nicht, dass der neue öffentliche Sexskandal des anderen Politikers in ihr große Sorgen wach ruft. Sie fürchtet sicher nicht, dass ein ähnlicher neuer Fehltritt Peters ihr Leben wieder auf den Kopf stellen würde. Eher scheint das Getöse durch die Öffentlichkeit an ihr zu nagen, was ich gut nachvollziehen kann. Ein einziger Skandal passiert und dann ist der Wirbel los, was natürlich nicht sehr verlockend wirkt. Bei Alicia stehen ihre Familie und eine gewisse Stabilität ganz klar im Vordergrund. Und auch ohne erneuten Skandal geht es bei den Florricks und ganz besonders in Alicias Leben derzeit sehr wirbelig zu. Dazu ist wieder Will erwähnenswert, der im Gegensatz zu Peter wie ein stabiler Ruhepol wirkt. Ich bin gespannt ob die Entwicklung die Form annimmt, wie ich denke. Nämlich, dass Alicia mehr von der entspannteren Seite angezogen wird, wo dann eben Will wäre.

Die Folge erhält in Peters Story schon mal einen sehr spannenden Moment als Grace von den Studenten raffiniert ausgehorcht wird. Sogenannte Tracker, die auf raffiniert-fiese Weise pikante Informationen aufspüren möchten, die gegen den politischen Gegner später verwendet werden können. Dies ist sicher noch ein Faktor, der von Alicia nicht einfach so hingenommen wird. Ich meine wie sollen Zach und Grace da überhaupt jemanden noch trauen können? Apropos Grace, sie hat ein gutes Gespür. Sie merkte in dem Moment sofort, dass was faul an der Sache ist. Okay die beiden Jungs stellten sich vielleicht als Tracker etwas ungeschickt an. Dennoch wäre sicher mancher darauf reingefallen. Es ist wirklich fies Gleichaltrige für solche Aufgaben einzusetzen, bei denen man durchaus leicht mal etwas ausplaudern könnte. Aber wie gesagt so geschickt wirkt die Fragetechnik und die penetrant auf Grace gerichtete Kamera der Jungs nicht. Ich bin wirklich gespannt, welche Fallen noch so auf die Florricks lauern werden, dass wird sicher weiterhin spannend.

Ein weiterer Aspekt der Episode der mir gefällt ist der Fall der Woche, der jedoch ein wenig Zeit benötigt, um hier Höhepunkte zu präsentieren. Erst ging mir der angebliche Mörder Vance Salle auf den Nerv, da er so rüpelhaft zur Geltung kommt und dazu auch recht unbesonnen. Ich muss zugeben, dass mich die Autoren mit dem Mandanten Vance Salle richtig an der Nase rumführen konnten. Durch sein impulsives Auftreten und seiner unsicheren Art hielt ich ihn schnell für unschuldig. Dazu bangte ich um Alicia und deren Kanzlei, ob sie den Fall tatsächlich für sich entscheiden könne. Denn Salle wirkt als sich selbst vertretenden Anwalt sehr hilflos vor Gericht. Ohne Alicias Beistand wäre er im Verfahren ganz klar untergegangen. Ein weiterer Grund, wieso ich dem Kerl schnell den Unschuldsstempel aufdrücken wollte. Einem der Geschworenen muss es wie mir in der Situation ergangen sein. Man wollte einfach, dass Salle zur Wort kommt, um seine Sichtweise zur Mordanklage zu hören. Seltsam ihn jedoch für unschuldig zu halten, wenn man mal genau mitverfolgt, was er da behauptet. Die Regierung sei am Mord verantwortlich, aufgrund eines durchgesickerten Geheimvideos. Doch so sehr krass scheint mir die Aufnahme dann nicht, um glauben zu können, dass hierfür die Regierung sich sogar mittels Mord die Finger schmutzig machen würde. Ich will überhaupt nicht daran glauben, dass sowas sein kann. Eigentlich hätten mir Salles Behauptungen gleich Skepsis an seiner Unschuld verursachen müssen. Onyas Einbringung als paranoide Zeugin hat mir dann wieder mehr den Glauben an Salles Unschuld untermauert. Von ihr kommt ja dann aber auch nicht die erwartete komplette Aufschlüsselung im Fall. Am Ende hat Mr. Salle dann Glück im Unglück kann man sagen. Denn die entdeckte Waffe mit seinen Spuren darauf, kommt gerade nicht mehr rechtzeitig als Beweismittel vor Gericht, auch wenn durch sie seine Schuld recht wahrscheinlich scheint.

Für die Höhepunkte in dieser Story sind aber andere Faktoren verantwortlich: So zum Beispiel der ebenso wie Salle aufbrausende, Frauen gegenüber ungerecht wirkende Richter Howard Matchick, der spielerisch überzeugend von Chris Sarandon in Szene gesetzt wird. Seine Sprüche amüsierten mich besonders im Bezug auf Salle. Dazu gibt es die sehr beeindruckende Eskalation zwischen Alicia und Mr. Matchick, die sehr intensiv wirkt. Ebenso der auf Rache gesinnte Cary, der dem Verfahren dadurch viel Spannung verleihen kann. Es ist ein sehr effektiver Schritt der Macher Cary Alicia als harten Gegner gegenüberzustellen. Er wirkt dazu jetzt vor Gericht sehr viel sicherer und überzeugender. Ich bin gespannt darauf zu sehen, ob es nun noch mehrere Duelle zwischen ihm und Alicia geben wird. Irgendwie ist seine Gefühlslage verständlich aber ich hoffe er lässt die Rache dann auch bald mal wieder fallen. Er sollte es ein wenig erwachsener nehmen, dass er eben den Kürzeren zog in der Kanzelei Lockart/Gardner.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich eine weitere interessante Entwicklung in der Serie, das eigentliche Hauptthema der Episode, was man auch am Titel erkennen kann: Die Fusion in der Kanzlei, die viel verspricht. Sehr viel. Denn so fröhlich-stolz Diane erst davon berichtet Derrick Bond und seine Crew ins Boot geholt zu haben, so wenig scheint am Ende von ihrer Überzeugung übrig zu sein. Ich deute zumindest eine gewisse Skepsis in ihrem Gesicht wahrgenommen, zu haben als sie Derrick mit Will rumalbern sieht. Für Diane dürfte das Bestreben gewesen sein, Jemanden zur Seite zu haben, der mehr ihre Position vertritt. Wenn jetzt Will die erste Geige spielt, dann geht ihr Wunsch nicht auf. Aber vielleicht interpretiere ich da zuviel rein. Aber Derrick scheint ja ordentlich Wind ins Getriebe zu bringen. Da kommt echt die Befürchtung, er könnte Diane und Will verstärkt zur Seite drängen, um sein Ding durchzuziehen. Bislang empfinde ich aber seine Vorschläge als gut. Sei es die Chefs in die Mitte zu positionieren. Oder die Mentorenposition zu stärken. In der Endszene mit Alicia sticht das positiv hervor, als er diese für die clevere Strategie im Salle-Fall lobt. Jedoch bleibt eine gewisse Skepsis zu spüren. Man weiß einfach nicht wirklich, ob die Fusion wirklich der Kanzlei Segen ins Haus brachte oder vielleicht gar einen Fluch, den man gerne bald wieder los werden möchte. Michael Ealy verkörpert Derrick Bond ganz hervorragend charismatisch und auch auf eine gewisse Weise stark. Er ist definitiv nicht auf den Kopf oder Mund gefallen, womit Diane und Will entweder bald einen starken dritten Partner oder Gegner in den eigenen Reihen sehen dürfen. Die Gegenüberstellung von Blake Calamar und Kalinda als Ermittler hat mich noch nicht ganz so sehr überzeugt. Das lief mir etwas zu plump ab, was den Wortwechsel betrifft. Obwohl es auch ein wenig Situationskomik hier einbringt. Aber Blake scheint mir noch nicht so der ideale Gegenspieler für Kalinda zu sein. Bin gespannt, ob ich das bald anders sehe. Blake wirkt auf mich aber recht sterotypisch und ich hoffe auf mehr Facetten in seiner Charakterzeichnung. Denn diese hat Kalinda definitiv zu bieten und da entscheidet sich schon sehr, wer mit ihr da anbandelt.

Fazit

Ein sehr gelungener Staffelauftakt der viel verspricht. Will und Alicia sind in einer emotionalen Zwickmühle gefangen und die Chemie zwischen den Beiden ist noch schöner und brisanter geworden. Peters Oberstaatsanwalts-Kanditatur kündigt Spannung an und deutet auf Konfliktherde zwischen Charakteren in seinem Umfeld. Überhaupt wirkt die Atmosphäre derzeit ziemlich geladen, da Cary gegenüber Alicia die Klinke weiterhin schwingt und die Fusion einen sehr einflussstarken, dominanten dritten Partner Diane und Will in die Kanzlei einbringt. Die erste Folge einer Staffel sollte ordentlich das Interesse wecken, was hier mit #2.01 Die Fusion sehr gut gelingt. Zur höchsten Punktezahl fehlen mir noch die Vertiefungen in den angeschnittenen Storys. Die Episode erhält aber locker satte acht Punkte.

Samuel W. - myFanbase

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