Bewertung: 7

Review: #1.06 Ehepartner

Foto: Julianna Margulies & Chris Noth, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies & Chris Noth, Good Wife
© Paramount Pictures

Auch wenn Alicias und Peters Ehe zurzeit unter keinem guten Stern steht, hat sie für die Anwältin dennoch gewisse Vorzüge, von denen sie selbst aber eigentlich nicht so gerne profitieren möchte. Der Fall der Woche dreht sich um Clarence Wilcox, der wegen Polizistenmordes zum Tode verurteilt wird, obwohl seine Frau beteuert, dass er unschuldig ist. Nun müssen Kalinda, Cary und ihr Team herausfinden, ob vielleicht tatsächlich Beweise getürkt wurden, um einen Schuldigen vorzuführen.

Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der ersten Staffel von "Good Wife" galt im Bundesstaat Illinois noch die Todesstrafe (sie wurde Anfang 2011 abgeschafft) und gerade dort konnte immer wieder nachgewiesen werden, dass zum Tode Verurteilte unschuldig waren. So ist es nicht verwunderlich, dass ein solcher Fall auch in der Serie thematisiert wurde. Im Fall von Clarence Wilcox wird schnell klar, dass bei den Ermittlungen irgendwas schief gelaufen ist. Es gibt zwar eine Augenzeugin, die aussagt, dass sie sich hundertprozentig sicher ist, den Mörder erkannt zu haben, doch die Ehefrau sagt aus, dass er zum Zeitpunkt des Mordes bei ihr zuhause war. Alicia, Cary und Kalinda finden bald heraus, dass an der Sache tatsächlich etwas faul ist.

Der Mord an einem Polizisten ist keine Kleinigkeit, aber ist er schlimmer, als der Mord an einer anderen Person? Es macht wohl eher einen Unterschied, wie befangen die ermittelnden Behörden sein können, wenn es um einen der eigenen Männer geht. Und genau das ist für mich die einzige Erklärung, warum die Polizei hier nicht sauber gearbeitet oder vielleicht sogar mit Absicht irgendwelche Beweise aus den Akten verschwinden lassen hat. Mal wollte jemanden dafür büßen lassen, dass ein Polizist ums Leben kam. Natürlich wäre es hier falsch, alle über einen Kamm zu scheren und generelle Befangenheit in so einem Fall vorauszusetzen, aber man sieht an Kalindas und Carys Ermittlungen, dass hier nicht viel dazu gehört hätte, Beweise für Clarences Unschuld zu finden. Natürlich haben sie hier auch von dem zeitlichen Abstand profitiert, denn die weiteren Überfälle des eigentlichen Mörders waren erst nach der Festnahme von Clarence Wilcox, aber dennoch hätte sowas doch viel früher auffallen müssen. So hat Wilcox einen großen Teil der Kindheit seiner Tochter verpasst und musste mit dem Gedanken leben, eines Tages für etwas, das er nicht getan hat, mit dem Tod bestraft zu werden.

Neben den Ermittlungen von Cary und Kalinda ist es Kalindas Zusammenarbeit mit Peter, die Alicia zu etwas zwingt, das sie eigentlich immer abgelehnt hat. In den vergangenen Episoden hat Peter immer wieder deutlich gemacht, dass er Informationen aus der Staatsanwaltschaft an Alicia weitergeben könnte, doch bisher wollte Alicia sich nicht als seinen Spielball verwenden lassen. Um Clarence Wilcox' Leben zu retten, braucht sie diesmal aber, wie Kalinda ihr verdeutlicht, Informationen von Peter. Damit diese nicht belauscht werden, muss sie als Ehefrau ein intimes Tête-à-tête mit ihm einfordern und das ist ihr sichtlich unangenehm. Hier sieht man mal wieder, wie sehr sich die beiden entfremdet haben. Peter hat zwar die Hoffnung noch nicht aufgegeben, nach seiner Entlassung wieder eine normale Ehe mit Alicia führen zu können, aber ihr merkt man deutlich an, dass sie nicht weiß, wie sie sich verhalten soll. Ein kurzes Händchenhalten scheint bereits das höchste der Gefühle und ich vermute, dass Alicia ihm nicht zu große Hoffnungen machen möchte. Ich bin mir nicht mal sicher, dass sie für sich bereits entschieden hat, wie es weitergehen soll, aber solange sie sich noch nicht richtig mit der Frage nach ihrer gemeinsamen Zukunft auseinandergesetzt hat, wird sie so distanziert bleiben. Dafür sind die Wunden, die in den vergangenen Monaten bei ihr entstanden sind, einfach zu groß.

Fazit

Peter und Alicia verbringen in dieser Episode zwar eine Nacht miteinander und erkennen, wie gut sie als Team funktionieren, doch das bezieht sich wohl nur auf die Arbeit. Auf der Gefühlsebene spürt man Alicias Unsicherheit und Distanziertheit, was man ihr auch nicht verdenken kann. Der Fall der Woche hat einen nachdenklich gestimmt und auch irgendwie mal wieder gezeigt, wie froh wir sein können, in einem Land ohne Todesstrafe zu leben. Ich möchte nicht wissen, wieviele Personen in den USA schon unschuldig zu Tode verurteilt wurden, bei denen es keine Ehefrau oder Alicia, Kalinda und Cary gab, die für sie gekämpft haben.

Catherine Bühnsack - myFanbase

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