Interview mit Jasika Nicole

Foto: Jasika Nicole, FedCon 2013 - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Jasika Nicole, FedCon 2013
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Auf der FedCon 22 durfte myFanbase ein exklusives Interview mit Jasika Nicole führen, die die Rolle der Astrid Farnsworth in "Fringe - Grenzfälle des FBI" gespielt hat. Zur Begrüßung gab es von ihr einen 'fist bump' und sie wirkte sehr entspannt; unterm Tisch lagen ihre Schuhe, in denen sie es anscheinend nicht ausgehalten hatte. Auf dem Tisch lagen einige ihrer Zeichnungen, zu denen sie bereits im Panel am Donnerstag etwas erzählt hatte. Jasika zeichnet in ihrer Freizeit filigrane, verspielte Bilder und berührende Comics, von denen auf der FedCon Originale erstanden werden konnten. Auf ihrer offiziellen Webseite könnt ihr euch einen Eindruck davon machen.

Natürlich drehte sich der Großteil der Fragen um "Fringe". Als Science-Fiction-Serie war "Fringe" für Jasika in der ersten Staffel noch sehr aufregend. Sie fand es toll, mit falschen Leichen und Blut zu arbeiten, und findet es erstaunlich, wie alltäglich solche Dinge für sie mit der Zeit geworden sind. Inzwischen fühle sie sich als alter Hase im Umgang mit SciFi-Elementen.

Sowohl im Panel als auch im Interview machte sie deutlich, dass ihr qualitativ hochwertigere Screentime lieber gewesen wäre als viel inhaltlose. Sie bedauert sehr, dass ihre Rolle der Astrid in "Fringe", obwohl sie zum Hauptcast gehörte, nicht vertieft wurde. Sie bekam keine wirkliche Storyline, höchstens einen "Storydot" in Form der Folge #4.11 Der Erlöser. Dieses Bedauern kam deutlich rüber ("unfortunately the writers never really developed that"), aber wie sie einem Fan erklärte, ist sie da lieber ehrlich: "Iím all about honesty up here on the stage."

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Jasika Nicole, FedCon 2013
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Im Interview erzählte sie, dass ihr von den verschiedenen Settings der Serie das mit dem alternativen Universum am besten gefiel: "I thought it was really entertaining and interesting." Die Begegnungen zwischen Astrid und der alternativen Astrid in Folge #4.11 waren besonders spannend zu drehen: Ihr Sprechtext wurde zunächst aufgenommen und dann abgespielt, während sie mit einem Double die Szenen gespielt hat. Ihr Double hat also die Bewegungen nachgeahmt, sie dabei aber nicht angeschaut, um sie nicht zu stören. Außerdem wurden nur sehr kurze Abschnitte am Stück gedreht, dann wurde die Kleidung getauscht, und weiter ging es. Die größten Herausforderungen dabei waren, das Timing der Szene so hinzubekommen, dass ihr Sprechtext sich nicht mit dem aufgenommenen überschneidet, was bei den emotionalen Szenen sehr schwierig war. Außerdem war es irritierend, mit dem Double zu spielen, das dabei auf den Boden schaute und wie ein Roboter wirkte. Die Kamera, die für diese Szenen benutzt wurde, konnte zum Glück den gleichen Bewegungsablauf mehrmals durchführen, dennoch dauerten die Dreharbeiten an diesen kurzen Szenen zwei Tage. In dieser Folge war es für Jasika durchaus komplizierter, zwischen den Charakteren der beiden Astrids zu wechseln, was ihr sonst nicht schwer fiel, da sie so unterschiedlich waren. Für die authentische Darstellung der autistischen Astrid bekam sie viel Lob.

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Jasika Nicole, FedCon 2013
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Auf die Frage, ob Astrid und ihr Alter Ego sich gegenseitig beeinflusst haben, kann sie nur wiedergeben, was auch in der Serie zu sehen ist. Man sieht einen emotionalen Moment zwischen Astrid und ihrem Vater, aber mehr Einfluss ließe sich nicht erkennen. Jasika erklärte schon im Panel, dass es für sie schwierig ist, sich Hintergründe zum Verhalten der Charaktere auszudenken, da es in Serien passieren kann, dass es Szenen geben wird, die den Vorstellungen total widersprechen. Einerseits wird man von den Autoren nicht über alle geplanten Entwicklungen eines Charakters informiert, andererseits wissen die Autoren oft selbst nicht, was noch kommen wird. So hatte sie sich beispielsweise ausgemalt, dass Astrid keinen Vater mehr hat und vielleicht deshalb Walter so nahe steht, der für sie so etwas wie eine Vaterfigur darstellt. Als sich in der vierten Staffel herausstellte, dass Astrid doch einen Vater hat, bekam sie das Gefühl, dass ihr Spiel dadurch nicht zur Rolle passte. Die Vertrautheit zwischen ihr und Walter erklärt sich Jasika nun dadurch, dass die beiden die ganze Zeit zusammen im Labor sind und kaum Kontakt zu anderen Personen haben. Wenn es um Leben oder Tod geht, baue sich eine Vertrautheit von ganz allein auf. Dass Walter ihren Namen selten richtig sagt, solle nicht negativ gesehen werden. Es sei eher ein Zeichen für die gute Beziehung der beiden, wenn Walter sie damit ärgert. Auffällig sei auch, dass er in den meisten brenzligen Situationen dennoch die Ruhe für solche Albernheiten hat. Wenn er sie denn dann tatsächlich Astrid nennt, muss es ernst sein, da er sich auf Wichtigeres konzentrieren muss, als Späße zu machen.

Was Jasika vom Set mitgenommen hat? Nichts Materielles, denn nichts käme an die Erfahrungen und Erinnerungen heran, die sie am Set gesammelt habe: "There wasn't anything that was better than spending so much time with the actors. That was what I took from the set." Im Panel wurde ihr die allseits beliebte Frage gestellt, welcher Darsteller der witzigste sei. Jasika vermutet, dass Joshua Jackson als Antwort gerne seinen Namen hören würde, aber tatsächlich habe John Noble die albernsten Witze gebracht.

Mit dem Serienfinale ist sie sehr zufrieden. "It was sweet and heartbreaking at the same time." Dadurch, dass die Serie am Ende jeder Staffel drohte, abgesetzt zu werden, da sie in der Produktion einfach zu teuer war, hatte das Team genug Zeit, sich darauf vorzubereiten. Es ist eher selten, 13 Folgen vorm Schluss schon zu wissen, dass die Serie enden wird, weshalb ein runder Abschluss geschrieben werden konnte. Für Jasika fühlte es sich deshalb nicht an, als sei die Serie abgesetzt worden: "In terms of the show ending, everybody was really ready for the show to end. That's all I can say." Überhaupt sei es nur dank der Fans möglich gewesen, so viele Staffeln zu drehen, da sie sich über Social Media sehr stark dafür engagiert haben, den Sponsoren klar zu machen, dass es eine treue Fangemeinde gibt.

Foto: Jasika Nicole, FedCon 2013 - Copyright: myFanbase/Nicole Oebel
Jasika Nicole, FedCon 2013
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Und was kommt nach "Fringe"? In "Scandal" hat sie die Ehefrau von Huck gespielt, deren Story nicht wirklich abgeschlossen wurde. Sie hofft also auf weitere Gastauftritte in der Serie, ist darauf aber von den Serienmachern bisher nicht angesprochen worden. Ansonsten zeichnet sie natürlich weiter an ihren Comics: "My entire 'high yella magic' series are all personal stories, so I think that that's probably what I'm most comfortable with doing. So I'm sure there will be more personal stories that I'll share some day."

Während "Fringe" ausgestrahlt wurde, ging Jasika sehr gerne auf Conventions, um die Fans zu treffen und die Serie zu promoten. Die Fans haben ihr immer das Gefühl gegeben, dass Astrid eben doch ein wichtiger Charakter ist und ausgebaut werden sollte ("It was a really lovely thing to hear, because I always felt so [...] doubtful about whether or not Astrid's character was that necessary to [the show]."). Jetzt tut es ihr in solchen Momenten sehr leid, wenn sie sich nicht an genaue Episoden oder Fälle erinnern kann. "We did 101 episodes, they all kind of just blended in with each other. When we were done with it, we were so eager to be ready and finish with the show and move on. I mean, people come up to me and say 'Oh I really loved the episode when this happened!' and I don't mean to be indifferent, it just feels so far away. So I really honestly don't know."

Jasika hat sich sowohl auf der Bühne als auch im Interview als nette junge Frau gezeigt, an der nichts gestellt wirkte. Man merkte ihr aber auch ihre Enttäuschung an, dass sie ihr Können in "Fringe" nie so richtig zeigen konnte: "In the middle of filming the show I always had hopes that they would write the character better, you know, there's always that hope that something's gonna change, this is gonna be the season when the good stuff happens." Für sie ist dieses Kapitel nun abgeschlossen und sie freut sich auf neue Projekte in ihrer Zukunft: "I just want to move on to a project, where I feel like I'm challenged a bit more."

Vielen Dank für das Interview, Jasika!

Stéphanie Bühnsack - myFanbase

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