Bewertung: 7

Review: #4.02 Nach dem Sturz

Die vierte Staffel etabliert weiterhin erfolgreich den neuen Schwerpunkt East Dillon High, nicht nur weil der scheinbar einzige sympathische Spieler der Panthers gezwungenermaßen zu den Lions wechseln muss und Tamis Beliebtheit an der West Dillon High rapide abnimmt, sondern auch durch Erics Bemühungen, sein rebellierendes Team wieder für sich zu gewinnen.

This team is broken. I could use somebody to help me put those pieces back together again.

Nachdem er das erste Spiel der Saison zur Halbzeit verloren gegeben hat, steht Eric plötzlich ohne Team da, weil seine Spieler sich weigern, für ihn zu spielen, nachdem er sie und das Spiel einfach aufgegeben hat. Es hat mir unglaublich gut gefallen, dass Eric nichts unversucht lässt, um sein Team nicht nur deshalb wieder zusammen zu trommeln, weil er selbst nicht schon nach einem Spiel aufgeben will, sondern weil er genau weiß, dass das Footballspiel für einige der Jungs und vor allem Vince eine Chance ist, um nicht im Jugendgefängnis zu landen und vielleicht sogar aufs College zu kommen. Dass er trotzdem erst mit Landry redet, ist für mich völlig logisch, denn er weiß zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, wo das Problem der Mannschaft liegt, und sucht sich selbstverständlich den Spieler heraus, den er selbst am längsten kennt und der vermutlich auch den meisten Respekt vor ihm hat.

Genauso nachvollziehbar ist es, dass er nach Landrys Erklärung alles auf Vince setzt, denn im Gegensatz zu Landry hat Vince einiges zu verlieren, wenn kein Team mehr zustande kommt, allem voran ein Leben außerhalb des Gefängnisses. Zudem hat Vince im Gegensatz zu Landry die besseren Kontakte zu den übrigen Spielern und darüber hinaus auch das nötige Auftreten, um alle wieder zusammen zu trommeln, was er letztlich dann auch schafft. Interessant war Erics Aufeinandertreffen mit Vinces offensichtlich drogen- oder alkoholsüchtiger Mutter, das sowohl Eric als auch dem Zuschauer zeigt, wie nötig Vince eine Konstante wie das Footballteam in seinem Leben braucht, um nicht selbst abzurutschen und auch keine Straftaten zu begehen, um seine Mutter zu versorgen.

Die beste Szene mit Eric war für mich nicht der Schluss, als er die Spieler mit dem Verbrennen ihrer Trikots symbolisch ihren Kampf bis zum Ende austragen lässt, sondern das Aufeinandertreffen mit Tim. Ja, Erics Rede bei der Feuerzeremonie war packend wie immer, und es ist bewundernswert, wie er es geschafft hat, mit dieser Geste tatsächlich wieder ein Team zu formen. Aber es lag mir einfach zu viel Pathos über dem Ganzen, es war zu sehr symbolisch aufgeladen und erreichte damit trotzdem nicht die Intensität der Szene zwischen Eric und Tim. Allein schon das Setting vor der Tribüne des Footballfeldes war perfekt für das Treffen dieser zwei Männer, dazu noch die momentane Perspektivlosigkeit der beiden und die Erkenntnis, dass sie sich gegenseitig helfen können, diesem Zustand zu entfliehen – "Friday Night Lights"-Feeling pur!

I got booed at the pep rally…

Tami war in dieser Folge schlichtweg großartig! Durch ihren Job und ihre Ehe steht sie ständig zwischen den zwei Schulen und hat deshalb weder eine leichte Zeit als Direktorin, noch als Ehefrau. Man hat deutlich gesehen, dass ihr die offenkundige Ablehnung der gesamten High School nach der Versetzung Lukes alles andere als gleichgültig war, aber darin zeigt sich nur umso mehr ihre charakterliche Stärke: Es trifft sie zwar, dass sie durch die gesamte Schultrennungsgeschichte und deren Konsequenzen ihre Beliebtheit einbüßt, aber sie würde nie auf den Gedanken kommen, ihre Prinzipien zu verraten und absichtlich eine falsche Entscheidung zu treffen, nur weil es der leichtere Weg wäre.

Sehr bezeichnend dafür waren natürlich die Gespräche mit Joe McCoy, der mit jeder Folge mehr zum ersten wahren Antagonisten der Serie wird. Während er in der dritten Staffel einfach nur unangenehm war und sich überall einmischen musste, wird er mit jedem Mal, in dem seine Schadenfreude über Tamis Unbeliebtheit gezeigt wird, und natürlich durch seine Erpressungsversuche und Drohungen zum absoluten Hassobjekt. Dass Tami im selben Maß Sympathien gewinnt, wenn sie Joe die Stirn bietet, erklärt sich da natürlich von selbst! Aber auch ohne diese extreme Negativzeichnung von Joe McCoy wäre ein Auftritt wie der vor den versammelten Boosters mehr als eindrucksvoll gewesen, denn allein die Tatsache, wie sie als Frau diesen Männern gegenübertritt und dem arrogantesten von ihnen so höflich und trotzdem ganz deutlich die Meinung sagt, war einfach nur genial!

Erwähnenswert ist allerdings auch noch der Streit zwischen Tami und Eric wegen der Briefkastenadresse, der in einer Szene gezeigt hat, wie unglaublich authentisch diese Serie ist, und wie leicht es sein kann, völlig ohne musikalische Untermalung und nur mithilfe der Dynamik zweier großartiger Schauspieler eine Atmosphäre zu erzeugen, bei der man sofort eine Gänsehaut bekommt.

He’s supposed to be yours!

Ähnlich toll war die Szene, mit der Luke richtig eingeführt wurde und die ihn sofort aus der allgemeinen Panthers-Antipathie herausgerissen hat. Schon auf der Party im Staffelauftakt war er derjenige, der J.D. von Julie weggezogen hat, als dieser aufdringlich wurde, aber im Gespräch mit Tami hat sich gezeigt, wie viel Charakter wirklich in dem Jungen steckt. Die Verzweiflung darüber, das Team verlassen zu müssen, war absolut überzeugend und nachvollziehbar, vor allem wenn man bedenkt, dass ein erfolgreiches Team für einen guten Spieler der goldene Schlüssel zum College sein kann. Schon diese Verzweiflung war absolut herzzerreißend, aber der Punkt, an dem Luke meine Sympathien ganz sicher hatte, war der Moment, als er Tami aufhält, um sich bei ihr dafür zu entschuldigen, dass er sie so lange angelogen hat – ganz große Geste, die schon vor dem Schulwechsel zeigt, wie viel besser Luke zu Eric als zu den arroganten Panthers und Joe McCoy passt.

Trotz dieser Szene war ich positiv überrascht, wie widerspruchslos und motiviert sich Luke ohne die geringsten Allüren bei den Lions einfügt und als Zeichen seiner Zugehörigkeit sein Panthers-T-Shirt mit den Trikots der anderen verbrennt. Noch eine große Geste, die mich hoffen lässt, dass Luke auch weiterhin ein Sympathieträger bleibt und Eric nicht auch noch Schwierigkeiten macht, nachdem er der einzige fähige Footballspieler des gesamten Teams ist und ohne Zweifel beim sportlichen Aufbau des Teams eine ähnlich große Rolle spielen muss, wie Vince bei der sozialen Teambildung.

The reason why I’m here doing all this is because I wanna be an artist.

Dass Matt sich weiterhin darum bemüht, mit seiner Kunst etwas zu erreichen, gefällt mir im Ansatz wirklich gut und ich glaube es war auch das erste Mal, dass er den Wunsch geäußert hat, Künstler zu werden und nicht nur Kunst zu studieren. Dass er bei seinem Praktikum auf das Paradebeispiel eines Exzentrikers trifft, sorgt natürlich für einiges an Komik, aber ich hoffe, dass auch die ernsten Szenen zwischen den beiden nicht zu kurz kommen. Richard, der aus Matts Zeichnung den Fetzen herausreißt, der ihn nicht zum Kotzen bringt, war auf jeden Fall schon mal ein guter Ansatz, das zu vereinen und mit einer komischen Szene gleichzeitig die Storyline voran zu bringen.

Look what you did to my bike, you freaking idiot!

Dank Landrys fehlendem Blick in den Spiegel vor dem Rückwärtsfahren lernen wir auch den vierten Neuzugang kennen: Jess Merriweather, die durchaus sympathischer wirkt, als es ihr erster Satz gegenüber Landry andeutet. Sehr viel erfährt man in dieser Folge zwar noch nicht von ihr, aber sowohl ihr energisches Auftreten nach dem Unfall, als auch die engagierte Mithilfe im Imbiss ihres Vaters gefallen mir wirklich gut, genau wie die Verbindung zu Landry, die sich langsam aufbaut.

Fazit

Eine durchweg überzeugende, tolle Folge mit berührenden Szenen, die weiterhin Eric und Tami ins Zentrum des Geschehens stellt und die neuen Charaktere behutsam neben ihnen aufbaut. Kleine Abzüge gibt es für das etwas zu dramatische Feuerszenario und die Tatsache, dass man von Julies ersten Tagen an der neuen Schule (was ja durchaus einiges an Stoff hergeben würde) rein gar nicht gesehen hat.

Lena Stadelmann - myFanbase

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