Bewertung: 8

Musterschüler, Der

"Wenn du nicht an das Böse glaubst, hast du noch viel zu lernen!"

Foto: Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
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Inhalt

Ein Teenager, Todd Bowden (Brad Renfro), behandelt in der Schule das Thema Nationalsozialismus. Eines Tages trifft er auf den alternden Kurt Dussander (Ian McKellen), der im Zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert und am Tod vieler tausender Menschen verantwortlich war. Todd ist ein sehr guter Schüler und interessiert sich fanatisch für das Thema Nationalsozialismus, sodass er auch über die Schule hinaus noch mehr darüber erfahren will. Er findet die schreckliche Wahrheit über Kurt heraus und beginnt, ihn zu erpressen: wenn Dussander nicht das tut, was er will, verrät er die Wahrheit der Polizei. Beginnen soll der alte Mann mit dem Erzählen der NS-Zeit. Doch das führt in Todd und Kurt noch zu viel mehr...

Kritik

Dass der in einem jüdischen Haushalt aufgewachsene Regisseur Bryan Singer einmal solch einen Film machen musste, ist sicher schon vorherzusehen. Genau wie die meisten Deutschen wird der Nationalsozialismus als etwas Böses und Schlimmes gezeigt, denn man hat kein einziges Mal Mitgefühl mit Kurt, dem Kriegsverbrecher. Und auch bei Todd hat man nie das Gefühl, dass die Beziehung zwischen Zuschauer und ihm besser werden würde. Denn immer mehr dringt er in die Zeit des Nationalsozialismus ein und seine Wirklichkeit verwischt zusehends mit seiner Gedankenwelt. Besonders erschreckend ist es, zu sehen, dass er davon träumt, neben einer Gaskammer zu stehen und die Menschen sterben zu sehen und er dennoch so tut, als sei nichts passiert.

Immer mehr zeigt sich auch in Kurt der "Alte", denn obwohl er es der Gesellschaft verheimlicht, in ihm schlummern immer noch seine Gefühle von damals. Am Anfang versucht er, eine Katze in den Ofen zu werfen, was aber misslingt. Später jedoch schenkt ihm Todd einen Armee-Anzug aus damaliger Zeit und für einige Sekunden, obwohl er anfangs nicht wollte, kommt doch das Gefühl von früher wieder in ihm hoch. Was aber noch viel schlimmer ist: Todd, schon so sehr in diese Welt eingetaucht, gibt Kurt Befehle und tötet später sogar selbst ein Tier, doch es wird noch viel schlimmer.

Was sehr wichtig und gut in Szene gesetzt ist, ist der Fakt, wer von den beiden die Oberhand in ihrem Spielchen hat. Erst gibt der Junge dem Mann Befehle und erpresst ihn, doch als seine Noten schlechter werden, benutzt Kurt seine Tricks der Lügen und Überzeugungskraft. So schafft er es mit Hilfe des Vertrauenslehrers (David Schwimmer), dass Todd von zu Hause ausziehen und bei Dussander wohnen muss. Dort gelingt es ihm auch, seine Noten zu verbessern und er wohnt später wieder zu Hause, denn Todd will anscheinend doch alles wieder vergessen. Aber dann bekommt Kurt einen Herzinfarkt und obwohl die beiden nie eine Freundschaft verbunden hat, düst Todd zu dem alten, nikotinabhängigen Mann, nur um dann die schlimmste Tat seines Lebens zu vollenden.

Vielleicht fragt ihr euch, warum der Titel des Films "Der Musterschüler" lautet?! Das kann man auf zwei Ebenen beziehen. Natürlich einmal auf die Schule: Todd ist anfangs ein Musterschüler mit lauter Einsen auf dem Zeugnis. Später, als seine Noten schlecht werden (was Todds Meinung nach Kurts Schuld ist), muss der Junge in drei Wochen nur Einsen auf dem Zeugnis haben, was er auch schafft. Aber auch auf einer zweiten Ebene kann man ihn als Musterschüler sehen: er saugt alles, was Kurt ihm erzählt, in sich auf und lernt somit alles, was Kurt getan hat und versucht, dies in seinem Leben umzusetzen.

Das "Böse" des Films ist eigentlich nicht der Nationalsozialismus selbst, sondern die Tatsache, dass solche Menschen mitten unter uns leben können. Und dass sie vielleicht versuchen, zu vergessen, aber in Wirklichkeit alle Gefühle und Gewohnheiten noch da sind. An Kurt sieht man, dass er ganz ruhig über seine "Heldentaten" erzählt, er will sie ja anscheinend noch nicht mal vergessen!

Das Buch zum Film, welches ich leider nicht gelesen habe, stammt von Stephen King. Leute, die das Buch gelesen haben, denken zwar, dass die Gewalt und Krankheit von Kurt im Film nicht rüber kommt, aber für mich waren schon die Bilder, die ich gesehen habe, schlimm genug und man brauchte wirklich nicht noch mehr Psychoterror oder Gewalt einzubauen. Denn schon so ist der Film erschreckend genug!

DVD

Bild und Ton sind sehr gut, was aber störend ist: es gibt fast kein Zusatzmaterial auf der DVD! Zwar ist eine "Behind The Scenes"-Featurette vorhanden, das aber nicht sehr lang ist (6,5 Minuten) und auch nicht allzu viele Informationen preisgibt. Außerdem gibt es den Trailer des Films und die Filmographien von Bryan Singer, Ian McKellen, Brad Renfro und David Schwimmer. Ich hätte jedoch liebend gern noch geschnittene Szenen gesehen oder einen Audiokommentar, aber nichts dergleichen findet man, was wirklich sehr schade ist.

Fazit

Der Film beinhaltet viele erschreckende und schreckliche Bilder und Worte und ist grandios gelungen; die DVD-Extras sind aber leider viel zu kurz gekommen.

Technische Details

Laufzeit: 107 Minuten

Bildformat: 2.35:1

Tonformat: Dolby Surround Sound; Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch, Englisch

Elsa Claus - myFanbase
29.03.2007

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