Bewertung: 8
Thea Sharrock

Ein ganzes halbes Jahr

Foto: Ein ganzes halbes Jahr - Copyright: 2016 Warner Bros. Entertainment Inc. and Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. All Rights Reserved.
Ein ganzes halbes Jahr
© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc. and Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. All Rights Reserved.

Inhalt

Das Leben kann sich von Jetzt auf Gleich ändern. Das musste auch der junge Bänker Will Traynor (Sam Claflin) erleben, als er eines Tages von einem Motorrad erfasst wurde und seitdem querschnittsgelähmt und ständig auf Hilfe angewiesen ist. Die junge Louisa 'Lou' Clark (Emilia Clarke) verliert eines Tages ihren Job als Kellnerin und stellt sich bei den Traynors als Pflegekraft für Will vor. Zwar haben die beiden einen eher holprigen Start, aber Will zeigt ihr, wie schön das Leben sein kann. Bald darauf entwickelt Lou Gefühle für ihn. Was sie allerdings nicht weiß: Will hat seinen Eltern Camilla (Janet McTeer) und Steven (Charles Dance) ein halbes Jahr versprochen, doch eigentlich hat er vor, in die Schweiz zu gehen, um sein Leben zu beenden.

Kritik

Einige Monate, bevor bekannt wurde, dass "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes (engl. Titel: "Me Before You") verfilmt werden würde, habe ich das Buch gelesen und habe die 544 Seiten innerhalb weniger Tage regelrecht verschlungen, weil ich es so großartig und empathisch geschrieben fand. Als dann eben bekannt wurde, dass es mit Emilia Clarke und Sam Claflin verfilmt werden sollte, bekam ich dann doch Zweifel. Ich freue mich eigentlich immer, wenn Bücher eine Film- oder Serienadaption bekommen, doch gerade bei solchen Büchern wie diesem, wo meine eigene (bildliche) Vorstellung der Figuren vor meinem inneren Auge arbeitet, habe ich manchmal die Befürchtung, dass ich dann enttäuscht bin, wenn ich dann das fertige Produkt sehe und es eben nicht mal ansatzweise meinen Vorstellungen entspricht.

Bei "Ein ganzes halbes Jahr war" war das zum Glück nicht der Fall. Zwar war mir bei den beiden Hauptdarsteller*innen nur Clarke ein Begriff, aber Claflin kam meinen Vorstellungen von Will schon sehr nahe. Dennoch hatte ich dann noch immer ein paar Zweifel, ob man das Emotionale, was Moyes beim Schreiben für mich vermitteln konnte, auch filmisch einfangen kann, gerade aufgrund dieser Thematik, wo man doch etwas sensibler sein sollte. Dahingehend wurde ich wirklich positiv überrascht, denn obwohl man den ein oder anderen Satz und Textstelle anders umgesetzt hat, ging für mich in emotionaler Hinsicht nur minimal etwas verloren, was ich aber verschmerzen kann und konnte.

Grund dafür ist die wundervolle Chemie, die Emilia Clarke und Sam Claflin ihren Charakteren Lou und Will geben und wunderbar in Szene setzen. Denn besonders die Szenen, in denen Will alles andere als nett und höflich ist, haben dennoch eine gewisse Leichtigkeit, die diesen Szenen den nötigen Hauch verleihen, damit sie nicht gestellt oder gar zu schwer wirken. Letztlich liegt es aber auch besonders an der Mimik von Sam Claflin, die Will sympathisch erscheinen lässt. Denn wie bei "Ziemlich beste Freunde" kann man bei Will aufgrund seines Schicksals auch nur vieles aus der Mimik entnehmen. Anders als bei Lou, die ziemlich quirlig und leicht aufgedreht und dennoch liebenswert wirkt. Bei Emilia Clarke fand ich aber auch zum Teil die Mimik in manchen Szenen zu übertrieben bzw. dass sie zu oft die Augenbrauen hochgezogen hat. Aber auch das kann man verschmerzen, da sie Lou für mich persönlich sehr authentisch gespielt hat und so, wie ich mir die Figur beim Lesen auch vorgestellt habe.

Ähnlich erging es mir auch bei Janet McTeer als Camilla und Charles Dance als Steven. Im Buch wird sehr deutlich, dass die beiden sehr unterschiedlich mit dem Schicksal ihres Sohnes und mit ihm selbst umgehen. Während Camilla überbesorgt ist, was man ihr aber irgendwie auch nicht verdenken kann, zumal Will schon mal einen Selbstmordversuch unternommen hat, und ihren Sohn daher am liebsten rund um die Uhr selbst überwachen würde, behandelt Steven ihn noch immer als den eigenständigen und selbstdenkenden Mann, der Will auch ist. Sowohl McTeer als auch Dance haben diese Züge ihrer Figuren gut umgesetzt.

Überraschend fand ich dann doch etwas, dass man das Filmende so gemacht hat, wie es auch im Buch der Fall ist, was ich aber auch vollkommen in Ordnung finde, da so das Emotionale und die Botschaften zum Ende hin noch viel besser zur Geltung kommen. Die Botschaften des Films sind für mich beispielsweise, dass man sein Leben zu schätzen wissen sollte, da man nie wissen kann, in welche Richtung es sich ändern könnte. Aber auch, dass man in Menschen sehr Wertvolles sehen kann, auch wenn sie anders sind und man dadurch einen anderen Blickwinkel bekommen kann.

Fazit

Das Regie-Debüt von Thea Sharrock kann sich durchaus sehen lassen. "Ein ganzes halbes Jahr" kann in sehr vielen Bereichen punkten. Das Drehbuch wurde sehr liebevoll, emotional und detailliert geschrieben und hat die nötige (Brise) Empathie, die dieser Film aufgrund der Thematik braucht, aber ebenso gut wurde die Balance zwischen Tragik und Komik gehalten, die gut vom gesamten Cast transportiert worden ist.

Daniela S. - myFanbase
15.12.2021

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