Bewertung: 8
Valerie Weiss

Mixtape

Foto: Mixtape - Copyright: 2021 Netflix, Inc.
Mixtape
© 2021 Netflix, Inc.

Inhalt

1999 findet die 12-Jährige Beverly (Gemma Brooke Allen) ein Mixtape ihrer Mutter, das aber durch erstes Anhören kaputt geht. Da es das Letzte ist, was sie von ihrer bei einem Unfall verstorbenen Mutter hat, glaubt sie, dass die einzelnen Songs eine Botschaft ihrer Eltern enthalten, weswegen sie alles daran setzt, irgendwie an Lieder zu kommen, um mehr zu erfahren, wie ihre Mutter war. Während Beverly dadurch auf das Abenteuer ihres Lebens geht, reißt es bei ihrer Großmutter Gail (Julie Bowen), die sie großzieht, emotionale Wunden auf, weil sie den Tod ihrer viel zu jung verstorbenen Tochter noch nicht verwunden hat.

Kritik

Was lange währt, wird endlich gut? Dieser Gedanke schoss mir jedenfalls sofort durch den Kopf, als ich las, dass "Mixtape" schon 2012 erstmals in der Planung war. Damals war eine Finanzierung unter der Federführung von Jim Wedaa Productions sowie Maven Pictues mit Tom Vaughan als Regisseur zustande gekommen, denn das von Stacey Menear geschriebene Drehbuch war 2009 bei einem Wettbewerb ausgezeichnet worden und stand seitdem auf der sogenannten Black List, die hoffnungsvolle Drehbücher beinhaltet. Gerüchteweise war "Sex and the City"-Star Sarah Jessica Parker als Großmutter Gail vorgesehen, doch das Projekt hat sich zerschlagen. Nun ist es fast zehn Jahre später unter der Regie von Valerie Weiss bei Netflix veröffentlicht worden. In jedem Fall hat es sich aber gelohnt, den Stoff zu verfilmen, denn es ist ein anrührender Film über Trauer und die Kraft der Musik entstanden.

Mein Interesse an dem Film war vor allem dadurch geweckt, Bowen nach elf Staffeln als Claire Dunphy in "Modern Family" mal in einer gänzlich anderen Rolle zu erleben. Zwar hat "Mixtape" auch Humor, aber dennoch ist ihre Rolle der Großmutter Gail keine, die in den letzten Jahren viel zu lachen hatte. Sie ist zwar nicht bierernst, weil sie ihrer Enkelin Beverly auch ein schönes Leben bieten will, aber wie sie so hart für ihren Job ackern muss, wie sie jegliches Gespräch zu ihrer Tochter abbricht, da merkt man schon deutlich, dass Gail eine Fassade aufgesetzt hat, um nicht auch Beverly mit ihrer Trauer zu erdrücken. Als diese aber mehr zu ihrer Mutter wissen will, ist es für Gail gar nicht mehr so einfach, das Thema zu verdrängen. Sie steht zwar nicht im Zentrum des Films, aber dennoch fand ich es schön und passend, Bowen mal in so einer Rolle zu erleben. Die stärksten Szenen wurden auch ganz am Ende geboten, wo sie auch hingehören. Denn zum einen wurde so die Thematik von Teenagerschwangerschaften angesprochen (Gail und ihre Tochter sind beide jeweils nicht volljährig schwanger geworden, hatten aber auch unterschiedliche Herangehensweisen) und die gemeinsame Trauer, die sich dann in Hoffnung auflöst, das war eine schöne Botschaft. Es hat auch wieder unterstrichen, dass der Trauerprozess für alle die ominösen fünf Schritte haben wird, diese aber unterschiedlich schnell durchlaufen werden. Aber am Ende steht die Chance, wieder mit Freudentränen an die Verlorenen zu denken. Letztlich war aber die etwas unbeholfene Flirterei mit Anti (Nick Thune) auch ganz nett.

Ansonsten ist es vor allem ein Film für die jüngere Zielgruppe, aber deswegen habe ich mich nicht ausgeschlossen gefühlt. Dennoch fand ich es schön, dass das Alter von Beverly und ihren Freundinnen Ellen und Nicky durch das Casting von Allen, Audrey Hsieh und Olga Petsa sehr authentisch aufgefangen wurde. Man erlebt es ja leider oft, dass die gecasteten Schauspieler*innen schon viel älter als ihre Rollen sind und es daher zu erwachsen erscheint, aber die Sorge braucht man bei "Mixtape" nicht zu haben. Vor allem Allen hat den Film mit ihren 13 Jahren problemlos beherrscht, da sie die lebensfrohe Beverly, die oft etwas naiv daherkommt, aber auch sehr mutig, sehr gut darstellt. Denn sie stellt überzeugend dar, wie die Außenseiterin völlig loslässt und sich neu ausprobiert, um sich ihrer Mutter nahe zu fühlen, die auf rockige Musik gestanden hat. Auch wenn es hier erstmal so aussieht, als würde Beverly nicht merken, was sie dabei anrichtet, kommt sie doch an den Punkt, wo sie begreift, wie sehr sie ihrer Großmutter damit wehtut. Denn das junge Mädchen ist sich bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, so liebevoll von ihr großgezogen zu werden. Aber nicht nur diese innere Reife war schön mitzuerleben, sondern auch die wachsende Freundschaft zu Ellen und Nicky, die beide ebenfalls Außenseiterinnen wie aus dem Lehrbuch sind, aber das ist bei ihrem Zusammensein gar kein Thema, weil sie sich einfach gemeinsam ausleben und sich dabei gegenseitig neu entdecken. Und dann sind sie eben zu dritt alleine.

Zuletzt haben wir noch den musikalischen Part, der hier definitiv als Träger von Emotionen genutzt wird. Es ist eine wilde Mischung aus Liedern geworden, wovon ich einige kannte, genauso viele aber auch nicht und deswegen war es ein interessanter Prozess, die Playlist oder eben passender für die 90er das Mixtape mit Beverly zu entdecken. Von Donna Lewis über Iggy and the Stooges, Cheap Trick, Lenny Kravitz, da wurde von ruhig bis zu richtig fetzig alles geboten. Das Highlight kommt aber auch hier ganz zum Ende, das Lied, was Beverlys Eltern für sie geschrieben haben, als sie noch gar nicht geboren war. Das war zum Ende hin wirklich noch das I-Tüpfelchen, weil Beverly endlich doch noch die Botschaft gefunden hat, die sie brauchte: sie wurde vom ersten Moment an geliebt und wird es auch heute noch. Die Aspekte mit der Musik sind auch eng mit Anti verbunden und ich muss sagen, er und die Mädels, das war mal wieder so eine ungewöhnliche Paarung, in der eigentlich nichts zusammenpasste, die aber gerade dadurch unglaublich charmant war. Anti wird nämlich seinem Namen zu jedem Zeitpunkt gerecht und könnte negativ eingestellter nicht sein, aber zunächst Beverly alleine, dann Ellen dazu und schließlich auch noch Nicky, sie eröffnen auch für ihn wieder ganz neue Perspektiven, weswegen er am Ende auch so perfekt zu Gail passt.

Fazit

"Mixtape" ist ein wirklich sympathisches Drama für eine jüngere Zielgruppe, das aber auch abseits davon seine Wirkung entfaltet, weil die Themen mit Trauerbewältigung und der Kraft der Musik eine universale Sprache sprechen. Der junge Cast weiß mitzureißen, die Musik bleibt im Ohr und Julie Bowen in einer ernsteren Rolle ist auch sehr nett. Daher spreche ich gerne eine Sehempfehlung aus!

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Lena Donth - myFanbase
07.12.2021

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