Bewertung: 7
Paul Weitz

Fatherhood

Foto: Fatherhood - Copyright: 2021 Ne
Fatherhood
© 2021 Ne

Inhalt

Als Matts (Kevin Hart) Frau Liz (Deborah Ayorinde) bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes stirbt, steht er plötzlich als alleinerziehender Vater da, der sich in seinem Leben erst zurechtfinden muss. Niemand traut ihm zu, dass Matt seine kleine Maddy neben dem Job großziehen kann, aber er hat sich in den Kopf gesetzt, dass er in Andenken an seine Frau die Verantwortung annehmen wird. Immer wieder erlebt Matt Rückschläge, aber die Liebe zu Maddy lässt ihn immer wieder nach vorne blicken.

Kritik

Kevin Hart ist sicherlich eine TV-Persönlichkeit, an der sich die Geister schneiden, denn die einen lieben ihn, die anderen eher nicht. Meine bisherigen Berührungspunkte mit ihm waren bislang nur sehr wenige, denn der Humor, für den er als Comedian und seine Filme stehen, entspricht einfach nicht meinem Geschmack. Bei der Synopsis von "Fatherhood" bin ich aber gleich hellhörig geworden, denn diese klang nun wahrlich nicht lustig, sondern durchaus ernst. Das hat mich tatsächlich neugierig werden lassen, denn ich habe immer großen Respekt davor, wenn sich Schauspieler*innen aus ihrer Komfortzone herauswagen und etwas Neues wagen. Diese ernste Thematik mit einem alleinerziehenden Vater, der immer noch in Trauer um seine verstorbene Frau ist, ist wahrlich nichts, wo man mit derbem Humor drüber hinwegfahren kann, deswegen war ich wirklich sehr erleichtert, dass es in "Fatherhood" gelungen ist, eine angenehme Mischung aus Drama und Comedy zu schaffen, bei der dann auch Hart in einer tendenziell ernsteren Rolle absolut überzeugen konnte.

"Fatherhood" ist bei Netflix pünktlich zum US-amerikanischen Vatertag veröffentlicht worden und ohne Frage kann man konstatieren, dass es durchaus eine überzeugende Hommage an die Vaterschaft geworden ist. Dadurch dass Matt sich als alleinerziehender Vater von Maddy (Melody Hurd) beweisen muss, wird die Bedeutung von Vaterschaft sogar noch mehr betont und es wird auch mit gewissen Vorurteilen bezüglich der Rollenbilder gespielt. Denn wer kennt es nicht: Die Karrierefrau, die sich kurz nach der Geburt wieder in die Arbeit stürzt und der Familienvater, der seine Karriere für die Erziehung seiner Kinder hintenanstellt; beide Rollenbilder müssen sich immer noch rechtfertigen für die Lebensentscheidungen, die sie treffen. Nun entscheidet sich Matt nicht bewusst für diesen aktiven Teil der Erziehung, da ihm seine Frau tragisch entrissen wird und doch, mit seiner Mutter Anna (Thedra Porter) und seiner Schwiegermutter Marion (Alfre Woodard) hat er gleich zwei Frauen in seinem Leben, die die Mutterrolle übernehmen würden, aber Matt entscheidet sich an dieser Stelle, Vater und Mutter zugleich zu sein. Mit ihm wird also in vielen kleinen Momenten dargestellt, welche Herausforderungen sich für einen Vater ergeben. Sei es eben der Spagat zwischen Job und Familie, sei es die Überwindung, um Hilfe zu bitten und in Babygruppen nur auf Mütter zu treffen. Der Film bildet viele Situationen nach, die der Realität entsprechen und trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass übertrieben in die Klischeekiste gegriffen wurde.

Ich habe mich beim Schauen von "Fatherhood" oft bei dem Gedanken erwischt, wann jetzt wohl doch noch der Humor einsetzt, mit dem ich Hart normalerweise in Verbindung bringe, aber davon war nahezu nichts zu sehen. Einzig Matts Kumpel Jordan (Lil Rel Howery) war manchmal etwas seltsam, aber ansonsten ist es überraschend gut gelungen, die Balance aus der ernsten Thematik mit charmanter Unterhaltung zu halten. Ich hatte auch in vielen Szenen zwischen Matt und Maddy den Eindruck, dass Sequenzen es in den fertigen Film geschafft haben, die gar nicht im Skript standen, sondern die aus dem Moment heraus entstanden sind, weil die Chemie zwischen Hart und Hurd offenbar sehr gut war und die beiden wirklich ein authentisches Vater-Tochter-Gespann abgegeben haben. Und genau das habe ich besonders genossen, denn so hatte man als Zuschauer*in nicht das Gefühl, zum Lachen gezwungen zu sein. Auf Schenkelklopfer wurde verzichtet, stattdessen war es gut dosierte Situationskomik, die mit emotionalen Rückschlägen und Selbstzweifeln von Matt verwoben worden sind. Insgesamt kann man so nur zum Ergebnis kommen, dass Hart hier als alleinerziehender Vater den besonderen Reiz des Films ausmacht. Er hat ein gutes Drehbuch an die Hand bekommen und Darsteller*innen, mit denen er harmoniert hat und dennoch musste er diese Vorlage erstmal nutzen. Und das hat er. Es mag kein herausragender Film sein, aber einer der berührt und in dem sich ganz sicher viele Väter wiedererkennen werden, ob nun alleinerziehend oder nicht.

Fazit

"Fatherhood" mit Kevin Hart in der Hauptrolle hat mich positiv überrascht, denn in so einer ernsten Rolle habe ich den für Comedy bekannten Mann bislang noch nicht erlebt. Dieses neue Genre kann er aber gleich überzeugend ausfüllen, was für seine schauspielerischen Fähigkeiten spricht. Insgesamt ist eine wirklich unterhaltsame, realistisch und berührende Hommage an die Vaterschaft entstanden, die definitiv zu empfehlen ist.

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Lena Donth - myFanbase
21.06.2021

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